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Gedichte aus dem Nachlass von Lavant, Christine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.03.2017
  • Verlag: Wallstein Verlag
eBook (ePUB)
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Gedichte aus dem Nachlass

Fast 500, größtenteils unbekannte Gedichte von Christine Lavant. Eine unvergleichliche Entdeckung. "Wer das, was er schreiben muss, zurückhält, ist vielleicht wie ein Weib, das seine Kinder vergräbt aus Angst, sie könnten dem lieben Nachbarn nicht gefallen", stellte Christine Lavant fest. Die Kärntner Dichterin schrieb zeitlebens ca. 1.800 Gedichte. Nur gut ein Drittel davon hat Lavant auch veröffentlicht. Inhaltlich kühnere, formal riskantere Gedichte hielt sie zunächst zurück, und nach der Veröffentlichung ihres dritten großen Gedichtbandes "Der Pfauenschrei" (1962), als ihre dichterische Stimme nahezu verstummt war, wollte sie von Veröffentlichung nichts mehr wissen. Viele Gedichte aus dem Nachlass zeigen ungeschützt und zugänglich, wo Lavants bildgewaltige Dichtung ihren Ausgang nimmt. Es ist eine Lyrik, von der Monika Rinck sagt, sie sei "die ungeheure Transformation von Schmerz und Leid in ein großes, kraftvolles und zuweilen immens komisches Werk". Der dritte Band der vierbändigen Werkausgabe enthält eine Auswahl aus den nachgelassenen Gedichten aus allen Schaffensperioden, darunter auch das lange Zeit verschollene, erst kürzlich wieder entdeckte Erstlingswerk "Die Nacht an den Tag", das 1948 zwar gesetzt, aber nie gedruckt wurde. Drei Viertel der hier versammelten Gedichte sind Erstveröffentlichungen, die übrigen wurden zuvor in diversen Nachlasspublikationen publiziert.

Christine Lavant, (1915-1973), geb. in St. Stefan im Lavanttal (Kärnten) als neuntes Kind eines Bergmanns, war Lyrikerin und Erzählerin. Ihre Schulbildung musste sie aus gesundheitlichen Gründen früh abbrechen. Jahrzehntelang bestritt sie den Familienunterhalt als Strickerin. Sie erhielt u. a. den Georg-Trakl-Preis (1954 und 1964) und den Großen Österreichischen Staatspreis (1970). Seit 2014 erscheint eine Werkausgabe von Christine Lavant im Wallstein Verlag. Fabjan Hafner, 1966-2016, Studium der Slawistik und Germanistik. Literaturwissenschaftler, Übersetzer, Autor. Doris Moser, geb. 1965, Studium der Anglistik/Amerikanistik und Germanistik. Zunächst Radiojournalistin und Kulturorganisatorin (Ingeborg-Bachmann-Preis). Seit 1996 Leiterin des Fachbereichs Angewandte Germanistik an der Universität Klagenfurt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 654
    Erscheinungsdatum: 01.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783835341012
    Verlag: Wallstein Verlag
    Größe: 1157 kBytes
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Gedichte aus dem Nachlass

Die Nacht an den Tag

Die Nacht an den Tag

Heute sah ich ihn wieder!

Frühe schon harrte

mein mondenes Auge

in seinem Gezelt,

das er in anmutsvoller Bläue

hingebreitet hatte über die Welt;

und alle Dinge der Erde sangen ihm Lieder.

Ihm, dem schönen, dem herrlichen Tag.

Heute, heute sah ich ihn wieder.

Ach und ich weine. -

Und nur nach Ewigkeiten

darf ich ihm senden

mein mondenes Auge,

schmalgesichelt,

in sein Gezelt.

Dann zittert mein Herz:

heller, heller Geliebter!

Hinwandert ewig

mein trauriges Lieben.
Es stehen um die Tale mancher Kindheit

Es stehen um die Tale mancher Kindheit

schon die Gebirge des Erwachsenseins;

und ihre Schatten fallen schwer und breit

oft in den Zauber dieses zarten Scheins,

der dünn und gläsern ist und leicht zerbricht.

So mancher isst aus seiner Kinderschale,

die ihm sein Engel stumm entgegenhält,

das Abgestandene, Verdorbne, Schale,

das ihm wie Abfall in die Hände fällt,

der Großen unbekömmliches Gericht.

Es wirkt wie Gift und nährt das frühe Reifen

und übertreibt der Augen kranken Glanz,

die irr wie Vögel um die Dinge streifen,

die sie erkennen, viel zu früh und ganz,

mit aller Trauer, die aus ihnen bricht.

Von ihrer Kindheit sind sie Abgewandte,

auf ihre Jugend warten sie vergebens

und stehen stets - wie ärmliche Verwandte -

am Rande ihres eignen Lebens;

sie haben kaum ein eigenes Gesicht.

Ins frühe Alter treten sie ergeben

mit einer Demut, die die Engel rührt,

so dass sie manches der Gebete heben,

das dann, als Kostbarkeit vor Gott geführt,

aus einer Gnade sich ein Trösten bricht.
Euch mein ich, Verlorne

Euch mein ich, Verlorne, die ihr hinter Mauern

der anderen Artung im Maßlosen steht!

Ihr meine Geschwister, ich weiß euer Trauern,

die schwärende Klage, das herbe Gebet.

Ihr seid keine Blüten im göttlichen Garten

und mehrt nicht der Himmel preisenden Schein;

ihr könnt nur wie Abgewiesene warten

und langsam verstummen wie totes Gestein.

Ihr steht an den wasserlosesten Orten,

von wo keine Träne zum Meere fließt ...

Euch möchte ich rühmen in strömenden Worten,

die alle ergreifen, die keiner vergisst.

Und ob ich der Engel dunkelster würde,

euch auszusagen ersetzt mir das Licht.

Ihr, meine Geschwister, ich nehm eure Bürde

und trete mit euch vor das große Gericht.

Und würden uns tausend Gerechte verstoßen,

wir tragen der Armut geheiligtes Kleid

und tragen wie niemals verwelkende Rosen

das ihnen entfremdete ur

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