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Geschichten aus dem Wiener Wald von Horváth, Ödön von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.08.2015
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Geschichten aus dem Wiener Wald

Als "ein Volksstück und die Parodie dazu" bezeichnete Alfred Polgar Ödön von Horváths Geschichten aus dem Wiener Wald . Mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet, wurde Horváths Volksstück 1931 an Max Reinhardts Deutschem Theater in Berlin unter der Regie von Heinz Hilpert uraufgeführt, "das bitterste, das bitterböseste Stück neuer Literatur", wie Kurt Pinthus schrieb. In der New York Times war zu lesen: "Mit diesem Stück hat sich Horváth einen Platz in der Reihe der besten zentraleuropäischen Dramatiker gesichert und wird nicht mehr übersehen werden können." Die rechtsradikale Presse nannte Geschichten aus dem Wiener Wald eine "beispiellose Unverschämtheit", "eine dramatische Verunglimpfung des alten Österreich-Ungarn", ein "Machwerk", ein "Unflat ersten Ranges". Ödön von Horváth sagte in einem Interview: "Man wirft mir vor, ich sei zu derb, zu ekelhaft, zu unheimlich, zu zynisch und was es dergleichen noch an soliden, gediegenen Eigenschaften gibt - und man übersieht dabei, daß ich doch kein anderes Bestreben habe, als die Welt so zu schildern, wie sie halt leider ist..." Ödön Horváth wurde am 9. Dezember 1901 in Su?ak, einem Vorort von Fiume dem heutigen Rijeka/Kroatien, geboren und starb am 1. Juni 1938 in Paris. Seine Kindheit verbrachte er in Belgrad, Budapest, Pressburg und München. 1920 begann Horvath Gedichte zu schreiben. Die meisten seiner Manuskripte aus dieser Zeit vernichtete er jedoch. Den ersten großen Erfolg hat er mit seinem Stück Die Bergbahn , welches 1929 in Berlin uraufgeführt wurde . Weitere Erfolge bleiben nicht aus. Für sein Bühnenstück Geschichten aus dem Wiener Wald bekommt er den Kleist-Preis. Der Roman Jugend ohne Gott wird im Jahr 1991 von Michael Knof für die Deutsche Film AG (DEFA) inszeniert und ist in der filmedition suhrkamp erhältlich. Zeittafel 1901 Geburt als Edmund (Ödön) Josef von Horváth, erster Sohn des Diplomaten Dr. Edmund Josef von Horváth (18741950) und Maria Hermine, geb. Prehnal (1882-1959) Horváth beschreibt seine Herkunft später folgendermaßen: "Sie fragen mich nach meiner Heimat, ich antworte: ich wurde in Fiume geboren, bin in Belgrad, Budapest, Preßburg, Wien und München aufgewachsen und habe einen ungarischen Paß - aber: ?Heimat? ? Kenn ich nicht. Ich bin eine typisch alt-österreichisch-ungarische Mischung: magyarisch, kroatisch, deutsch, tschechisch - mein Name ist magyarisch, meine Muttersprache ist deutsch" (Bd. II, S. 184) 1902 Familie Horváth zieht nach Belgrad um, wo ein Jahr später der Bruder Lajos von Horváth zur Welt kommt. 1908 Umzug der Familie Horváth nach Budapest, wo ein Hauslehrer Ödön in ungarischer Sprache unterrichtet. 1909 Sein Vater, im Frühjahr in den Adelsstand erhoben, wird im Herbst nach München versetzt; doch Ödön selbst bleibt in Budapest und besucht dort das erzbischöfliche Internat. 1913 Ödön zieht zu den Eltern und besucht die dritte Klasse des Kaiser-Wilhelm-Gymnasiums, ehe er im folgenden Jahr auf das Realgymnasium wechselt. Seine Zensuren sind nicht die besten (vgl. Mat. IV, S. 32), überdies kommt es mit dem Religionslehrer ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 112
    Erscheinungsdatum: 08.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518743836
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 1181 kBytes
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Geschichten aus dem Wiener Wald

Erster Teil

I
Draußen in der Wachau

Vor einem Häuschen am Fuße einer Burgruine. Alfred sitzt im Freien und verzehrt mit gesegnetem Appetit Brot, Butter und sauere Milch - seine Mutter bringt ihm gerade ein schärferes Messer. In der Luft ist ein Klingen und Singen - als verklänge irgendwo immer wieder der Walzer "Geschichten aus dem Wiener Wald" von Johann Strauß. Und in der Nähe fließt die schöne blaue Donau.

DIE MUTTER sieht Alfred zu - plötzlich ergreift sie seine Hand, in der er das Messer hält, und schaut ihm tief in die Augen.

ALFRED stockt und starrt sie mit vollem Munde mißtrauisch an.

Stille.

DIE MUTTER streicht ihm langsam über das Haar: Das ist schön von dir, mein lieber Alfred - daß du nämlich deine liebe Mutter nicht total vergessen hast, lieber Alfred -

ALFRED Aber wieso denn total vergessen? Ich wär ja schon längst immer wieder herausgekommen, wenn ich nur dazu gekommen wär - aber heutzutag kommt doch schon keiner mehr dazu, vor lauter Krise und Wirbel! Wenn mich jetzt mein Freund, der Hierlinger Ferdinand, nicht mitgenommen hätt mit seinem Kabriolett, wer weiß, wann wir uns wiedergesehen hätten!

DIE MUTTER Das ist sehr aufmerksam von deinem Freund, dem Herrn von Hierlinger.

ALFRED Er ist überhaupt ein reizender Mensch. In einer guten halben Stund holt er mich wieder ab.

DIE MUTTER Schon?

ALFRED Leider!

DIE MUTTER Dann iß bitte nicht die ganze sauere Milch zusammen, ich hab sonst nichts da zum Antragen -

ALFRED Der Hierlinger Ferdinand darf ja gar keine sauere Milch essen, weil er eine chronische Nikotinvergiftung hat. Er ist ein hochanständiger Kaufmann. Ich hab öfters mit ihm zu tun.

DIE MUTTER Geschäftlich?

ALFRED Auch das.

Stille.

DIE MUTTER Bist du noch bei der Bank?

ALFRED Nein.

DIE MUTTER Sondern?

Stille.

ALFRED Ich taug nicht zum Beamten, das bietet nämlich keine Entfaltungsmöglichkeiten. Die Arbeit im alten Sinne rentiert sich nicht mehr. Wer heutzutag vorwärtskommen will, muß mit der Arbeit der anderen arbeiten. Ich hab mich selbständig gemacht. Finanzierungsgeschäfte und so - Er verschluckt sich und hustet stark.

DIE MUTTER klopft ihm auf den Rücken: Schmeckts?

ALFRED Jetzt wär ich aber fast erstickt.

DIE MUTTER Ich freu mich nur, daß es dir schmeckt.

Stille.

ALFRED Apropos ersticken: wo steckt denn die liebe Großmutter?

DIE MUTTER Mir scheint, sie sitzt in der Küch und betet.

ALFRED Betet?

DIE MUTTER Sie leidet halt an Angst.

ALFRED Angst?

Stille.

DIE MUTTER Vergiß ihr nur ja nicht zu gratulieren - nächsten Monat wird sie achtzig, und wenn du ihr nicht gratulierst, dann haben wir hier wieder die Höll auf Erden. Du bist doch ihr Liebling.

ALFRED Ich werds mir notieren. Er notiert es sich. Großmutter gratulieren. Achtzig. Er erhebt sich, da er nun satt ist. Das ist ein biblisches Alter. Er sieht auf seine Armbanduhr. Ich glaub, es wird Zeit. Der Hierlinger muß jeden Moment erscheinen. Es ist auch noch eine Dame dabei.

DIE MUTTER Was ist das für eine Dame?

ALFRED  

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