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Ist Shakespeare tot? von Twain, Mark (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.04.2016
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Ist Shakespeare tot?

Ein Dichter ohne Bücher? Ein Autor, der nicht einen Brief schrieb? Ein gefeierter Dramatiker und Schauspieler, an den sich kurz nach seinem Tod schon niemand mehr erinnert? Das Leben eines gewissen William Shakespeare aus dem englischen Provinzort Stratford upon Avon gab dem amerikanischen Literaten und scharfzüngigem Beobachter Mark Twain zu denken. Er besah sich die Tatsachen und formulierte seine Antwort auf die drängendste Frage der englischen Literaturgeschichte: War William Shakespeare wirklich der Dichter, für den wir ihn halten? - Niemand hat sich seither diesem unerschöpflichen Thema amüsanter und pointierter genähert als Mark Twain. "Ist Shakespeare tot?" ist ein Glanzstück literarischer Satire. Mark Twain, geboren als Samuel Langhorne Clemens 1835 in Florida, arbeitete als Reisejournalist und Lotse auf dem Mississippi und machte große Reisen, darunter nach Hawaii, Europa und Palästina. Berühmt wurde er vor allem durch seine Jugendbücher "Tom Sawyers Abenteuer" und "Huckleberry Finns Abenteuer". Er starb 1910 in Redding, Connecticut.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 01.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492974073
    Verlag: Piper
    Größe: 188 kBytes
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Ist Shakespeare tot?

I

Hier und da verteilt in den Stapeln unveröffentlichter Manuskripte, aus denen sich meine eindrucksvollen Lebenserinnerungen und Tagebücher zusammensetzen, wird in ferner Zukunft manch ein Kapitel auftauchen, in dem es um anmaßende Leute geht - um historisch berühmt-berüchtigte Anmaßende: Satan, anmaßend; das Goldene Kalb, anmaßend; der verschleierte Prophet von Khorasan [1] , anmaßend; Ludwig XVII . [2] , anmaßend; William Shakespeare, anmaßend; Arthur Orton [3] , anmaßend; Mary Baker G. Eddy [4] , anmaßend - und all die anderen. Berühmte Anmaßende, erfolgreiche Anmaßende, unterlegene Anmaßende, fürstliche Anmaßende, plebejische Anmaßende, protzige Anmaßende, schäbige Anmaßende, geachtete Anmaßende, geächtete Anmaßende, sie alle blinzeln hier, da und dort sternengleich durch die Nebel der Geschichte und der Legende und der Tradition herab vom Firmament - und siehe da, die ganze geliebte Sippschaft ist gehüllt in Geheimnis und Romantik, und wir lesen mit größtem Interesse über sie und sprechen von ihnen, je nachdem, auf welche Seite wir uns schlagen, mit herzlicher Sympathie oder bitterem Groll. So war es schon immer mit dem Menschengeschlecht. Es gab niemals einen Anmaßenden, wie fadenscheinig oder offenkundig verlogen seine Sache auch gewesen sein mochte, der weder Gehör zu finden noch eine leidenschaftliche Gefolgschaft hinter sich zu versammeln in der Lage war. Arthur Ortons Anspruch, er sei der verschollene Baronet Tichborne und habe überlebt, war ebenso fadenscheinig wie Mrs Eddys Behauptung, ihr Hauptwerk Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift sei ihr direkt von Gott in die Feder diktiert worden; doch verfügte Orton in England vor fast vierzig Jahren über eine gewaltige Gefolgschaft von unbeirrbaren Gläubigen, die auch dann noch stur auf ihrer Überzeugung beharrten, als ihr fettleibiger Gott längst des Betruges überführt war und wegen Meineids im Gefängnis saß, und die Anhängerschaft von Mrs Eddy ist bis heute nicht nur riesengroß, vielmehr wächst tagtäglich ihre Zahl und ihr Enthusiasmus. Unter Ortons Anhängern befanden sich zahlreiche kluge und gut ausgebildete Köpfe, und das Gleiche lässt sich von Anfang an über die Gefolgschaft von Mrs Eddy sagen. Ihre Kirche ist personell ebenso gut bestückt wie jede andere Kirche auch. Anmaßende können immer mit Gefolgschaft rechnen, ganz gleich, wer sie sind, was sie behaupten und ob sie irgendwelche Belege vorzuweisen haben oder nicht. Das war schon immer so. Wenn man genau hinhört, kann man da draußen, in den uralten Gefilden der tiefsten Vergangenheit, über den Abgründen der Jahrhunderte noch immer die Scharen der Gläubigen nach Perkin Warbeck und Lambert Simnel [5] rufen hören.

Ein Freund hat mir ein eben erschienenes Buch aus England geschickt - The Shakespeare Problem Restated [6] -, gut erzählt und scharfsinnig argumentiert; und mein seit fünfzig Jahren währendes Interesse an diesem Thema - das in den letzten drei Jahren ruhte - war umgehend neu entfacht. Geweckt worden war mein Interesse ursprünglich - vor Urzeiten - 1857, oder vielleicht 1856, von Delia Bacons Buch [7] . Ungefähr ein Jahr später vermittelte mich mein Lotsen-Lehrherr Bixby von seinem Dampfschiff auf die Pennsylvania und damit unter die Befehlsgewalt und Obhut von George Ealer - der inzwischen seit vielen, vielen Jahren tot ist. Ich habe endlose Monate bei ihm gesteuert - das war die selbstverständliche Pflicht des Lotsen-Lehrlings: Ich ging die Tageswache und drehte das Steuerrad unter der strengen Aufsicht und gemäß den Anweisungen des Kapitäns. Er spielte hervorragend Schach und verehrte Shakespeare. Er spielte mit jedem Schach; sogar mit mir, und das war eine erhebliche Herausforderung für die Würde seines Amtes. Auch las er mir - ganz und gar unaufgefordert - Shakespeare vor; nicht nur ab und an, sondern stundenlang, wenn er die Wache und ich das Ruder übernahm.

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