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Kimberly von Brooks, Patricia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.09.2014
  • Verlag: 110th
eBook (ePUB)
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Kimberly

Eine Cyber-Road-Music-Story Kimberly wird als Findelkind von Althippie Dirty Daddy gefunden und aufgezogen. Als Kimberly in die Pubertät kommt wird ihr Ziehvater brutalst ermordet. Kimberly muss zunächst ins Kloster und kämpft sich anschließend durch die Wirrungen des Lebens. Bis sie dort landet, wo sie eigentlich schon immer hin wollte. Vielleicht ist aber auch alles ganz anders, und Kimberly war nur ein Bonustrack auf einer Spiele-Software, die ein gewisser Itzo erfunden hat. 'Dieser Roman ist lustvoll umgesetzte und gekonnte Trashliteratur, die mit Versatzstücken und Klischees locker jongliert, zugleich aber erstaunlich sympathisch mit ihren Figuren umgeht. Sozusagen mit einem Herz für Retro, Blues und Rock`n Roll, für Hippies und das unaufgeregte Leben, mit guter Musik und netten Leuten um sich. Beziehungen und Sex kommen durch die Bank ohne Cyber-Klischees aus. Und en passant wird die Musikgeschichte von Hendrix bis Punk und Maschinenmusik abgehandelt. Ein interessanter Mix: Cyberspace mit Bodenhaftung.' (Karin Cerny, Literaturhaus Wien)

Patricia Brooks , geb. 22.11.1957 in Wien Mitglied der Grazer Autorenversammlung (GAV). Annerkennungspreis für Literatur des Landes Niederösterreich 1997. Theodor-Körner-Förderungspreis 1997 Hans Weigel-Literaturstipendium 2000/2001 Staatstipendium für Literatur 2005/2006 Dramatikerstipendium 2008 Projektstipendium für Literatur des BMUKK 2009/10

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 178
    Erscheinungsdatum: 25.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783958651074
    Verlag: 110th
    Größe: 1122 kBytes
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Kimberly

Die Schrotflinte am Rücken, eine flachbäuchige Miniaturausgabe von Virgin Mary in der Tasche, ein selbstgebrautes Destillat, von dem er sich ab und zu einen Schluck gönnte, spuckte er ein kehliges Lachen in den Fahrtwind, der ihm die Haare nach hinten wehte und die Gesichtshaut straffte. Er war hormonell bedingt gut aufgelegt, dachte an Polly Plums Pflaumenhintern und die violetten Flecken, die seine Finger dort hineingeknetet hatten. Daß auch andere in diesem watteweichen, flaumigen Fleisch wühlten, daß Polly Geld dafür nahm, das störte ihn nicht. Sie war so französisch, roch nach Kuchen, nach Frau. Jeden Tag wäre ihm das zuviel. Zuviel Kuchen, zuviel Frau, zuviel Strümpfe, zuviel Wimperntusche. Öfter könnte es schon sein, aber alle zwei Wochen war es jedenfalls ein Fest. Bei diesen Gedanken, die er genüßlich zerpflückte, und dem reichlichen Genuß von Pollys Schnaps, dem er in den letzten zwei Tagen und Nächten ausgiebig zugesprochen hatte, war es ein Wunder, daß ihm das weiße, zappelnde Bündel, halb verdeckt von einem Steinhaufen, und ein falscher Ton, der sich durch das Motorengeknatter fräste, aufgefallen waren. Irgend etwas war faul daran und veranlaßte ihn, die Maschine an den Straßenrand zu lenken und abzustellen. Nanu, was ist denn das? fragte er, als er sich über das verzweifelt schreiende, gegen den Hunger und das Verlassensein protestierende Bündel beugte. Das war nicht besonders intelligent, aber in Anbetracht der Umstände verzeihlich. Und er begriff recht schnell die Situation, was seine schwierige Rolle darin nicht gerade verbesserte. Einen Augenblick lang war er versucht, das Bündel als trunksuchtbedingte Fata Morgana abzutun, gedachte, nie wieder Virgin Mary und ihren Schwestern zuzusprechen oder mit allen zusammen zur Hölle zu fahren. Aber seine Hormone waren gut aufpoliert, er reagierte instinktiv und steckte das Geschrei unter seine Lederjacke an die Brust. Nach zwei Meilen verstummte es. Dirty Daddy empfand das als erholsam, aber auch beunruhigend, dachte, das Baby sei vielleicht erstickt oder sonstwie gestorben, und er schob seine vom Fahrtwind klammkalten Finger an die Babybrust, einen Herzschlag zu ertasten, worauf das empörte Geschrei auch prompt wieder einsetzte. Er bedauerte das, weil es ihn eine weitere Meile kostete, es erneut zum Verebben zu bringen, aber er schloß daraus, daß es wohl ein nettes Baby war, weil es Motorradfahren so sehr mochte, daß es dabei nicht gestört werden wollte. Die Probleme fingen jedoch zu Hause erst so richtig an. Fieberhaft überlegte er, was man so einem Baby denn füttern könnte. Eingedoste Bohnen und Corned beef kamen nicht in Frage, das war ihm klar. Er probierte es mit in Wasser aufgeweichtem Zwieback, woran das Baby gierig sein Mäulchen anzappelte, um nach dem zweiten Versuch enttäuscht den Kopf wegzudrehen und wieder in ein erbärmliches Gezeter auszubrechen, bis ihm die rettende Idee mit der Dosenmilch kam, die er vor zwei Jahren von einem in der Wüste gestrandeten Militärtransport aufgelesen hatte. Pur mochte das Baby sie nicht, aber mit abgekochtem Wasser versetzt schien sie ihm zu schmecken. Was Dirty Daddy nach drei nervenzermürbenden Stunden mindestens ebenso glücklich machte wie das Baby selbst. Er holte seinen Gitarrenkoffer, nahm die Gitarre - so eine von der Sorte, auf der auch Jimi Hendrix spielte -, stellte sie fürsorglich zur Seite, polsterte den Koffer mit einigermaßen sauberen Handtüchern aus und legte das Baby hinein. Aber dieses hatte noch nie etwas von Jimi Hendrix gehört, weigerte sich, auch nur ein Ohr dafür herzugeben, fand es einfach ungemütlich und ließ Dirty Daddy das umgehend wissen. Also legte er es in sein Bett. Und nach anfänglichem Mißtrauen schien es fürs erste gewillt, ihm einen Vertrauensvorschuß zu gewähren, klappte die Augen zu und schlief ein. Die Stille war ein zerbrechlicher Ort.

Eine Woche später lebte das Baby erstaunlicherweise immer noch. Das freute Dirty Daddy, aber

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