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Kuriosa Von Babylon über Abdera bis Schilda und Umgebung von Bauer, Friedhold (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.07.2016
  • Verlag: Karin Fischer Verlag
eBook (ePUB)
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Kuriosa

Das Buch mit seinen mehr oder weniger hintergründigen Geschichten dokumentiert vergnüglich, wenn auch nur fragmentarisch, einen verhinderten Theaterskandal. Es durfte und konnte nicht stattfinden, was für Schilda zu befürchten, gar vonnöten war: die Veränderung der Verhältnisse durch Umkehr und Rückfall. Vor Nachahmungen ist zu warnen.

Friedhold Bauer, geb. 1934 in Schweikershain bei Mittweida (Sachsen), Musikschüler, Student der Theaterwissenschaften, Dramaturg am Theater in Brandenburg, Verlagslektor in Leipzig (Friedrich Hofmeister) und Berlin (Henschelverlag), seit 1967 freischaffend, schrieb u.?a. Stücke und Bearbeitungen für das Theater und den Funk sowie Szenarien für den Film und das Fernsehen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 196
    Erscheinungsdatum: 28.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783842283558
    Verlag: Karin Fischer Verlag
    Größe: 150 kBytes
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Kuriosa

Abdera

Mit Blick auf Schilda

Voller Argwohn und verschlossen. Kleinbürgersinn. Froschperspektiven. Hier gibt es nichts mehr zu suchen und zu finden, alles ist erschöpfend behandelt. Der Fortschritt ein Zustand, geplant und berechnet. Alle Wege ausgetreten. Jede Höhe vermessen. Jede Tiefe ergründet. Jede Weite umgrenzt. Jeder Kreis, wenn nicht beschnitten, in sich geschlossen. Jeder Gedanke befangen oder, wenn frei, zwielichtig. Jeder Schritt überwacht und, wenn kommandiert, ein Gleichschritt. Alles Unbekannte verdächtig. Das Neue befremdlich und, wenn nicht verlacht, gefürchtet. Nichts, daß nicht erfaßt und eingestuft, klassifiziert wäre.

Der Unkenfluch

Ovidiade nach verschollenen Handschriften
aus Abderas Vorgeschichte (apokryph)

Tief in den Zeiten, als Götter zuweilen noch Menschen aufsuchten, kam es, was nicht hätte kommen dürfen, in Lykiens Breiten längs um den Mittag zum Rückfall gottloser Bauern ins Tierreich.

Immer und immer kehrt wieder das Unheil, die peinliche Stunde, gestern ist heute, das Schicksal der Heiden, und morgen bleibt heute.

Seht ihr die Arbeiter, Plebs in der Gruppe am Hochlandgestade, barfuß bis zu den Knöcheln im Schlingschlang watend das Schilfrohr schneiden? Schalmeien wollen sie schnitzen, Flöten und Pfeifen, tönende Liebes- und Lebenslust, für Herren und Götter käufliche Ware, nicht ihnen selbst, den Schöpfern, vergnüglich.

Seht ihr die Göttin Latona? Sie beugt sich wie eine der Mägde nieder zum See. Mit gierigen Zügen schlürft sie sein Wasser, Hundstage plagen die Fauna und Flora entsetzlich. Die Männer, schweißtriefend, wütend, versteckt in dem Ried, sie grollen der Fremden, die ohne Furcht, eine Frau ganz allein, sich erkühnte, zu wandern weit übers Land von irgendwoher, um schließlich als Herrin streitig zu machen den Platz ihrer Arbeit. Jetzt aber nicht länger Stille gehalten, heraus aus dem Schilf mit Schreien und Brüllen, Spucken und Geifern. Die Göttin, sie staunt, sie fällt in Gedanken:

Möglich ist alles, wenn Menschen als Eigner die Freiheit beschwören, Freiheit ist möglich, wenn alle besitzen Himmel und Erde, Sonne, Luft und Gewässer. Warum viele Worte verschwenden? Wer, wenn nicht sie, wäre frei, was allen gehört, zu begreifen?

Nicht so das Mannsvolk der Frau gegenüber! Mit riesigen Sprüngen, alles vermögend wie alle Natur und die Folgen mißachtend, wühlen sie johlend Grund und Stank, gestauten Morast auf.

Trinke, mein Liebchen! höhnen die Rüpel, obszön die Gebärden. Das befriedigt noch nicht, denn Spott begnügt sich nur selten. Ärsche ins Wasser und furzen und scheißen, der See lädt zum Bade. Ohrenbetäubend gellt ihr Gelächter, die Frau ist erniedrigt, wenn sie nicht widersteht dem patriarchalischen Haufen.

Steil reckt die Göttin, bebend vor Zorn, ihre Hände zum Himmel. Wissen die nicht, was sie tun? ruft sie. Holt euren Lohn aus der Lache!

Und es geschieht, was dem Pöbel geziemt! Im Wasser zu weilen freut die frivole Bande, bald unterzutauchen im Modder, bald hervorzustecken das Haupt, bald oben zu schwimmen, bald am Ufer des Teiches zu hocken und bald in die kalte Patsche zurückzuspringen in Hast. Schmähsüchtige Zungen haben sie alle, hört! Wie sie schreien mit schamloser Frechheit! Ob auch das Wasser sie schirmt, keck zanken sie, keifen und schimpfen.

Lästerei dehnt ihr weit aufgerissenes Maul in die Breite, Schulter berührt den Kopf, dazwischen der Hals scheint zu fehlen, grün ist der Rücken und weiß der Bauch und ihr Maul eine Blase. Also hüpfen sie nun als Frösche im Schlamm der Gewässer, hüpfen so lange, bis wiederum Menschen, verwandelnd die Erde gleich blinden Göttern, verschmutzen das lebenspendende Wasser.

Der Latonentempel

Abdera ohne Frösche ist wie Athen ohne Eulen oder Rom ohne Gänse, ärmer an Geschichte und Geschichten oder g

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