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Mutter Kramers Fahrt zur Gnade/Eisenstein/Die Kunst des Fallens von Nußbaumeder, Christoph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.04.2013
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
19,99 €
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Mutter Kramers Fahrt zur Gnade/Eisenstein/Die Kunst des Fallens

Christoph Nußbaumeders Stücke sind moderne Volkstheaterstücke, in ihnen klingen die Dramentexte von Horváth, Marieluise Fleißer, Kroetz oder Martin Sperr nach. Der 1978 im bayerischen Eggenfelden geborene Nußbaumeder wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Als Erzähler ist er ein Solitär unter den jungen Dramatikern, der seine Figuren psychologisch ergründet, realitätsnahe Dialoge entwirft und dessen Schreiben durch den Anspruch geprägt ist, Gesellschaftskritik zu üben. Seit Thomas Ostermeiers Inszenierung von 'Liebe ist nur eine Möglichkeit' 2006 an der Berliner Schaubühne, ist Nußbaumeder einer der erfolgreichsten Dramatiker im deutschsprachigen Raum. Zahlreiche Nachspiele erfuhr vor allem sein Erfolgsstück Eisenstein, über das die 'Süddeutsche Zeitung' 2012 schrieb: 'Ein pralles, wundervolles Gespinst, knarzend und schroff, wild und ungestüm. Nußbaumeder braucht meist nur wenige Sätze, um eine Situation und die Menschen darin lebendig werden zu lassen. Schreiben kann er, Phantasie hat er.' Christoph Nußbaumeder, 1978 im niederbayerischen Eggenfelden geboren, ist Dramatiker und Autor. Nach Abitur und Zivildienst arbeitete er in einer Automobilfabrik in Pretoria/ Südafrika und studierte Rechtswissenschaften, Germanistik und Geschichte in Berlin. Seine Stücke wurden u.a. bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen, an der Berliner Schaubühne, am Schauspielhaus Bochum und am Schauspiel Köln uraufgeführt. Christoph Nußbaumeder lebt in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 253
    Erscheinungsdatum: 15.04.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518733042
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 2453 kBytes
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Mutter Kramers Fahrt zur Gnade/Eisenstein/Die Kunst des Fallens

1. Hallo, ich bins

In Anita Kramers Wohnzimmer. Ein großer Esstisch, der mit Stühlen bestückt ist, zwei Bücherregale und eine Kommode sind auszumachen. An der Wand steht ein Sofa. Das gesamte Ambiente spiegelt das bürgerliche Wohninventar einer älteren Frau. Ein schmaler Flur trennt den Raum von der Haustüre.

Eine Treppe führt in den ersten Stock. Das Zimmer gibt den Blick auf die an den Garten angrenzende Terrasse frei. Auf dem Tisch ist ein eingerahmtes Porträtfoto ihres verstorbenen Mannes aufgestellt, daneben steht eine brennende Kerze.

Anita setzt sich mit einer Tasse Kaffee an den Tisch, dann nimmt sie das Telefon zur Hand, sie atmet tief durch und tippt eine Nummer. Sie lauscht in den Hörer.

ANITA ?Hallo, ich bins. Deine Mutter. Ich wollte fragen, wie es dir geht? Mittlerweile akzeptiere ich ja deine Entscheidung, auch wenn ich immer noch nicht genau weiß, was dich umtreibt. Papa ist heute ein Jahr tot ... Schau, es gibt so viel Dinge im Leben, die einem nicht gefallen. Man muss hinwegsehen können. Lass uns wieder reden. Unser Verhältnis war doch immer gut. Papa war zwar immer der Fixpunkt für dich. Aber jetzt, wo er nicht mehr da ist ... Mich hat das auch schwer getroffen, das weißt du ganz genau. Eigentlich ist es ein Wunder, dass ich das überstanden habe. Man muss Gott dankbar sein. Ich möchte gern ... der Anrufbeantworter beendet die Aufnahme. Sie legt das Telefon beiseite ... dass wir uns wieder sehen.

Es klingelt an der Tür. Anita steht auf und öffnet sie. Elena, ihre Putzfrau, steht vor ihr. Sie hat einen Jutebeutel in der Hand.

ANITA ?Ach Sie. Ist es schon wieder so weit?

ELENA ?Hallo, Frau Kramer. Es ist Dienstag, 10 Uhr ...

ANITA ?Ich habe Sie glatt vergessen.

Elena tritt in die Wohnung.

ELENA ?Ich kenn das, ich bin auch schrecklich vergesslich. Die Zeit vergeht so schnell, und man selber kommt kaum hinterher. Man wird nur alt dabei.

ANITA ?Wahrscheinlich, letztens hab ich sogar mein Portemonnaie im Laden liegen lassen. Mir ist das vorher noch nie passiert. Wäre nicht jemand so freundlich gewesen und hätte es mir vorbeigebracht ...

ELENA ?Da haben Sie aber Glück gehabt.

Anita holt eine Kaffeekanne und eine weitere Tasse aus der Küche. Elena betrachtet die Fotografie. Beide setzen sich an den Tisch.

ANITA ?Heute ist es ein Jahr her.

ELENA ?Heute ein Jahr ... Es ging schnell.

ANITA ?Ja.

ELENA ?Ohne die Kinder wüsste ich auch nicht, ob sich alles noch lohnen würde. Ich seh sie zwar selten, außer Louis, aber dass es sie gibt, das ist schon viel wert.

ANITA ?Ja, sicher. Das ist goldwert. – Wie alt ist Louis jetzt?

ELENA ?Fünf.

ANITA ?Ich hab ihn zuletzt als Baby gesehen.

ELENA ?Wenn ich hier bin, ist er ja immer im Kindergarten ...

ANITA ?Und den Großen beiden gehts auch gut?

ELENA ?Die sind bei meiner Mutter, sonst ginge das alles gar nicht. Mit fünfzehn und sechzehn, die machen ihr Leben schon fast allein. – Und wie gehts Ihrer Tochter, der Carmen?

ANITA ?Was soll ich sagen, sie schlägt sich tapfer durchs Leben. Man weiß ja bei all den neuen Berufsfeldern gar nicht mehr genau, was die Jungen heute w

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