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Wein und Haschisch Essays von Baudelaire, Charles (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.06.2017
  • Verlag: Manesse
eBook (ePUB)
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Wein und Haschisch

150. Todestag am 31. August 2017
Wer Charles Baudelaire ausschließlich als Verfasser der dunkel-brillanten Gedichte aus "Die Blumen des Bösen" kennt, lässt sich ein wahres Lesevergnügen entgehen. In seinen geist- und pointenreichen Essays vergleicht Baudelaire die unterschiedlichen - und nicht gleichermaßen empfehlenswerten - Wirkungen von Wein und Haschisch, gibt jungen Schriftstellerkollegen Tipps zum Umgang mit Gläubigern, schildert seine Begeisterung nach der ersten Aufführung einer Wagner-Oper in Paris oder erteilt Ratschläge, wie man das Glück in der Liebe finden kann. In dieser exklusiven Zusammenstellung in Neuübersetzung begegnet uns der feinsinnige Ästhet als ironischer Lebenskünstler, als hellsichtiger Literaturkritiker und als wortmächtiger Protagonist der Pariser Boheme. Gebunden in dunkelroten Samt mit Glanzfolienprägung, ist der Band zudem ein bibliophiler Hingucker.

Charles Baudelaire (1821-1867) war Dandy, Ästhet und Inbegriff der Pariser Künstlerbohème. 1857 veröffentlichte er den Gedichtzyklus 'Die Blumen des Bösen', der ihm eine Anklage wegen 'Beleidigung der öffentlichen Moral' eintrug. Seinen Zeitgenossen war er vor allem als scharfsinniger Kunst- und Literaturkritiker bekannt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 13.06.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641205690
    Verlag: Manesse
    Größe: 761kBytes
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Wein und Haschisch

AUSWAHL TRÖSTLICHER MAXIMEN ÜBER DIE LIEBE

Wer Maximen verfasst, will sich verkleiden - die Jungen schminken sich auf alt, die Alten putzen sich heraus.

Die Gesellschaft, dieses große System von Widersprüchen, schätzt Hinfälligkeit jeder Art hoch - schwärzen wir uns geschwind Runzeln ins Gesicht - und rühmt sich ihrer Empfindsamkeit, also lasst uns unser Herz wie ein Frontispiz schmücken.

Und wozu? - Wenn Sie keine wahren Menschen sind, seien Sie wahre Tiere. Seien Sie naiv, und so mancher wird Sie nützlich oder erfreulich finden. Mein Herz - schlüge es auf der Rechten - würde gewiss tausend Mitparias unter den drei Milliarden Geschöpfen erkennen, die an den Brennnesseln der Gefühlsseligkeit nagen!

Wenn ich mit der Liebe beginne, dann weil die Liebe für alle - mögen sie es ruhig leugnen - das Wichtigste im Leben ist!

Ihr alle, die ihr einen unersättlichen Geier nährt - hoffmanngleiche 1 Dichter, die ihr in kristallenen Gefilden zur Harmonika tanzt und denen die Violine das Herz zerreißt wie eine Klinge, ihr gierigen, unersättlichen Betrachter, die das Schauspiel der Natur in gefährliche Ekstasen versetzt -, möge die Liebe euch ein Beruhigungsmittel sein.

Stille Dichter, sachliche Dichter, edle Parteigänger der Methode, Architekten des Stils, gewiefte Köpfe, die ihr eine tägliche Pflicht zu erfüllen habt - möge die Liebe euch ein Exzitans sein, ein belebendes und anregendes Getränk, und die Gymnastik der Lust ständige Ermunterung zum Handeln!

Für die einen eine nervenberuhigende Arznei, für die anderen der Alkohol.

Ihr, die ihr die Natur für grausam und die Zeit für kostbar haltet - möge die Liebe euch ein heißer, Herz und Seele stärkender Trank sein.

Es heißt also, seine Liebschaften zu wählen.

Ohne die Liebe auf den ersten Blick zu leugnen, was undenkbar wäre - man vergleiche Stendhal, "Über die Liebe", 1. Buch, 23. Kapitel 2 -, muss man dennoch annehmen, dass Schicksalsfügungen gewissen Schwankungen unterliegen, hervorgerufen durch die menschliche Handlungsfreiheit.

So wie für die Theologen die Freiheit darin besteht, die Versuchung eher zu meiden, als ihr zu widerstehen, so besteht in der Liebe die Freiheit darin, die Frauen der gefährlichen Sorte zu meiden, das heißt die Frauen, die Ihnen gefährlich wären.

Ihre Geliebte, die Frau Ihres Himmelreichs, werden Ihnen Ihre naturgegebenen Vorlieben hinreichend deutlich offenbaren, das bestätigen auch Lavater 3 , die Malerei und die Bildhauerei.

Die physiognomischen Merkmale wären unfehlbar, kennte man sie allesamt und gründlich. Ich kann an dieser Stelle nicht alle weiblichen physiognomischen Merkmale aufführen, die für immer und ewig zu diesem oder jenem Mann passen. Vielleicht werde ich eines Tages diese titanische Aufgabe in einem Buch bewältigen, das zum Titel haben wird: "Der Katechismus der geliebten Frau", doch ich halte es für unstreitig, dass ein jeder, der sich von seinen gebieterischen, wenn auch schemenhaften Vorlieben und seiner Beobachtungsgabe leiten lässt, zu gegebener Zeit die erforderliche Frau finden kann. Außerdem sind unsere Vorlieben in aller Regel nicht gefährlich; beim Kochen wie in der Liebe versieht uns die Natur nur selten mit Geschmack an dem, was uns schadet.

Da ich den Begriff der Liebe im umfassendsten Sinn verstehe, sehe ich mich genötigt, einige besondere Maximen zu delikaten Fragen aufzustellen.

Mann des Nordens, der du dein Schiff mit Leidenschaft durch die trügerischen Nebel lenkst; der du die Schönheit des Polarlichts höher schätzt als die der Sonne; der du unermüdlich nach dem Ideal dürstest: Liebe die kalten Frauen! Liebe sie innig, denn sie zu lieben ist mühsamer und beschwerlicher und wird dir eines Tages zu größerer Ehre gereichen vor dem Liebesgericht, das jenseits der b

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