text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Minnas Buch eine Zeitgeschichte aus Ostpreußen von Störk, Regina (eBook)

  • Verlag: neobooks Self-Publishing
eBook (ePUB)
5,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Minnas Buch

Minnas Buch, Wilhelmines Geschichte, spielt in der Zeit zwischen 1920 und 1925 in einem kleinen Dorf in Ostpreußen. Wilhelmine wächst als behütete Tochter auf einem Gutshof in Ostpreußen auf und soll endlich heiraten, damit sie den Hof übernehmen kann. Stattdessen wird sie schwanger und das natürlich völlig unpassend. Wilhelmine sieht keinen Ausweg aus ihrer Situation. Der Besuch bei einem Arzt in Neidenburg endet in einem Desaster. Bis zur Geburt ihres Kindes soll Wilhelmine schließlich in Elbing in einem Kinderheim arbeiten. Doch sie hat riesiges Heimweh. Die Familie findet schließlich einen Ehemann für Wilhelmine, der das Gut verwalten kann. Brautwerbung und Hochzeit finden nach alten ostpreußischen Traditionen statt. Doch die Ehe hält nur bis zum Beginn des Dritten Reichs, Hitlers Machtübernahme. Als Wilhelmine vierzig Jahre alt ist, hat der Krieg bereits begonnen. Mit Hilfe ihrer polnischen Landarbeiter und dem treuen Kriegsgefangenen Leszek, der ihr zugewiesen ist, verwaltet sie das Gut alleine. Doch dann kommen die Einschläge der Kriegshandlungen näher. Die ersten Fluchtvorbereitungen finden statt. Wilhelmines Cousine nimmt Erika und Christel mit in den Westen. Wilhelmine erlebt das Ende des Krieges nicht. Minna ist die Schildkröte in Wilhelmines Leben und ihre engste Vertraute. Sie ist weise, wie Schildkröten nun einmal sind und weiß mehr als die Menschen ahnen. Sie sieht die Dinge aus ihrer ganz anderen Perspektive und ist manchmal wunderbar pragmatisch. 2016 sitzen Josefine und Tom am Küchentisch und machen sich Gedanken über die aktuelle politische Lage. Und auch bei Josefine und Tom gibt es eine Minna. Sie lebt, anders als ihre Namensschwester vor fast 100 Jahren in einem Terrarium. Regina Störk erzählt Geschichten. Mehr als 30 Jahre war sie als Journalistin für Tageszeitungen und Augenoptik-Fachzeitschriften unterwegs, hat lange Jahre als Sängerin und Keyboarderin auf der Bühne gestanden. Sie kommt aus dem Norden und lebt mit Ihrer Familie seit mehr als 20 Jahren in Süddeutschland. Sie mag Menschen und ihre Geschichten, stolpert über Alltägliches und Randnotizen und fesselt ihre Leser mit Humor und Wortwitz. Mehr unter www.reginastoerk.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 432
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783742746320
    Verlag: neobooks Self-Publishing
    Größe: 459kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Minnas Buch

CHAPTER DREI

1922

Wilhelmine saß vor dem Waschtisch in ihrem Schlafzimmer. Der neue Hut passte hervorragend zu ihren blonden Locken.

Sie hielt den kleinen Handspiegel so geschickt, dass sie ihr Aussehen von allen Seiten gut überprüfen konnte.

Wilhelmine fand sich hübsch.

Sie zupfte noch etwas an der Locke, die sich vorwitzig unter dem Hut hervorgewagt hatte. Ihre sonst eher glatten blonden Haare hatte sie mit einer Brennschere bearbeitet, so dass sie nun in weichen Wellen ihr Gesicht umspielten. Das Ergebnis gefiel ihr.

Der Hut hatte eine breite Krempe. Genau so, wie sie es erst neulich in einem Magazin gesehen hatte. Das Schleifenband war aus Seide.

Ich mag den neuen Hut, dachte Wilhelmine.

Und mich.

"Wilhelmine, kommst du?", rief die Mutter inzwischen von unten. "Magda ist hier, um dich abzuholen."

Ein Blick noch in den Spiegel und Wilhelmine lief die Treppen hinunter zu ihrer Freundin.

Die Freundin war ein bisschen jünger als Wilhelmine. Ein bisschen kleiner, ein bisschen runder. Magda war unkompliziert. Sie lachte gern und viel. Ihre Fröhlichkeit war ansteckend. Niemand konnte in ihrer Gegenwart lange ernst bleiben. Kein Wunder, dass Männer sie umschwärmten wie Motten das Licht. Aber genau wie Wilhelmine hatte sie überhaupt noch keine Lust, sich schon zu binden. "Der Richtige ist mir eben noch nicht begegnet", zuckte sie mit den Schultern, wenn sie jemand fragte, warum sie denn immer noch nicht verheiratet war.

"Ich hab doch noch so viel Zeit", lachte sie dann.

Wilhelmine fand, dass sie mindestens genau so viel Zeit hatte wie die Freundin.

Ihre Eltern fanden das nicht.

Ständig lagen sie ihr mit irgendwelchen guten Partien in den Ohren.

Aber Wilhelmine wollte nicht.

Heute sollte der Maibaum an der Linde beim Gasthof aufgestellt und mit bunten Bändern geschmückt werden. Alle jungen Burschen im heiratsfähigen Alter würden da sein. Genau so wie die Mädchen aus dem Ort, die das Angebot in Augenschein nahmen und vielleicht schon mal ein Auge riskieren, ein bisschen flirten und Charme und Chancen an dem Mann ihrer Wahl ausprobieren würden.

Wilhelmine und Magda hatten sich eingehakt und liefen über die Wiesen entlang der Skottau in Richtung Dorfplatz.

"Psst - guck mal", sagte Magda, legte den Zeigefinger vor den Mund und ging vorsichtig in die Hocke.

"Was denn?", fragte Wilhelmine.

"Psst!", sagte Magda noch einmal und zeigte mit dem Finger zum Ufer des kleinen Flüsschens, wo das Wasser ganz leise plätschernd über ein paar Steine hüpfte.

"Ich sehe nichts", sagte Wilhelmine, während sie mit ihren Augen das Ufer absuchte.

"Oh...", rief sie dann plötzlich aus und schlug sich mit der Hand vor den Mund.

"Hast du gewusst, dass es bei uns Schildkröten gibt?", fragte Magda.

"Ja klar, die europäische Sumpfschildkröte. Sie leben überall da, wo Störche zu Hause sind. Sie mögen trockene, sandige und sonnige Stellen und lieben Böschungen, Hänge und Waldränder, die nach Süden ausgerichtet sind, und davon haben wir hier eine Menge. Und Störche gibt es schließlich auch."

"Streberin!", lachte Magda. "Aber guck mal, die sieht aus, als würde sie uns beobachten."

Die kleine Schildkröte hob das rechte Beinchen, hielt es in der Luft, so dass es in Richtung Linde zeigte, und ließ den Blick nicht von den beiden Mädels. "Ja, ich finde auch, sie starrt uns an", stimmte Wilhel

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen