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Thüringische Volksmärchen [im Original: Volksmährchen 1828] von Bechstein, Ludwig (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.01.2015
  • Verlag: Rockstuhl
eBook (ePUB)
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Thüringische Volksmärchen

Erstes Buch von Ludwig Bechstein, mit dem Pseudonym C.Bechstein im Jahre 1823 erschienen. 120 Seiten, Paperback. Wortgetreue Transkription des Originaltextes. Angehangen ist Harald von Eichen, eine romatische Sage der Vorzeit aus dem 10ten Jahrhundert. 2. Reprintauflage 2015/ (2002/1823)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 98
    Erscheinungsdatum: 11.01.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783867778169
    Verlag: Rockstuhl
    Größe: 396kBytes
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Thüringische Volksmärchen

Harald von Eichen.

Eine Skizze aus der 2ten Hälfte des 10ten Jahrhunderts

In dem hohen gewölbten Rittersaal, auf dem von seinem Vater, Ludwig III. erbauten Schloß Wartburg, stand am 3ten des Herbstmonats im Jahr 1165, Landgraf Ludwig der 4te, als Landgraf der 2te dieses Namens. Vor ihm kniete auf einem sammetnen Kissen Harald von Eichen, rings um ihn her standen viele Grafen, Edle und Ritter, Ludwigs Freunde und Vasallen; der Landgraf hob das Schwerdt empor, gab dem Knienden drei leichte Schläge auf die Achsel und sprach:

"Wir Ludwig der Zweite, Landgraf zu Thüringen und Herr zu Hessen, schlagen Euch, Harald von Eichen, zum Ritter im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, und außer diesen drei Schlägen sollt Ihr keinen mehr dulden; Ihr sollt auf Ritterehre halten, wie auf Euer Leben; Ihr sollt schützen die verfolgte Unschuld, Wittwen und Waisen zur Ehre Gottes; Ihr sollt beschirmen, und ehren die Damen zur Ehre der heiligen Jungfrau Maria; Ihr sollt treu seyn dem Kaiser, Eurem Oberherrn, und Eurem Landesfürsten, gleich als ihm, und sollt Uns das zu halten geloben auf Ritterwort mit einem Handschlag."

Harald gelobte, und stieg auf; Ludwig küßte ihn auf die Stirne, und viele Ritter traten herzu und schüttelten ihm treuherzig die Hände.

Oben auf dem Balkon stand mit ihren Dienerinnen der Landgräfin Jutta Hoffräulein, Adelgundis von Eschilbach, und sah der Feyerlichkeit zu. Mit besonderm Wohlgefallen weilte Adelgundens Blick auf des neuen Ritters schöner Jünglings-Gestalt. Und als er hinaufblickte zu ihr, die wie die Rose die Blumen, wie der Mond die Sterne, wie der Diamant die Edelsteine, an Schönheit alle Damen, die er je gesehen, überstrahlte, da ward sein Herz wunderbar bewegt, und in seiner Seele keimte der Wunsch auf, daß diese ihn lieben möge. Doch war jetzt nicht die Zeit, verliebten Träumen nachzuhängen, denn die Ritter brachen auf, und wie er wieder empor sah zu dem Himmel, wo seine Sonne ihm erschienen war, da war sie verschwunden. Zwey Ritter standen nicht weit von ihm, die heimlich flüsterten, und ihre spöttischen Blicke dabei fest auf ihn hefteten; schnell regte sich in ihm der Geist des Unmuths, und er wollte schon die Ritter fragen, ob sie von ihm sprächen, da ergriff der Landgraf seinen Arm und führte ihn aus dem Saale; paarweise folgten ihnen die versammelten Ritter in den geräumigen Speisesaal. Eppo von Heineck und Hugo von Brandenfels waren die Ritter, die über Harald leise spöttelten, und jetzt den Zug beschließend, das heimliche Zwey-Gespräch lauter fortsetzten.

"Wie sich das neugebackne Ritterlein aufbläht", sagte Hugo von Brandenfels - "und Wunder denkt, was er für Ritterthaten schon gethan, daß er einen Eber fällte, der unsern ehrenfesten, mannhaften Landgrafen abgesattelt hatte, welcher überhaupt ein gar gewaltiger Jäger ist."

"Unser Landgraf", nahm Eppo von Heineck das Wort, "bleibt sich überall gleich. Habt Ihr in Eurem ganzen Leben noch Jemanden so zum Ritter schlagen sehen? warlich, das Gastmahl, das er uns, seinem Günstling zu Ehren, heute giebt, muß sehr ausgezeichnet seyn, wenn sichs der Mühe verlohnen soll, daß wir uns auf die Wartburg bemühet haben."

"Vergeßt nicht, daß auch getanzt wird, und das Fräulein von Eschilbach auch mittanzen wird", erwiederte Hugo lächelnd, und fixirte den Mürrischen.

"Nun ja", meinte er zerstreut, und verbarg die Freude, die ihn bei diesen Gedanken durchbebte, "blos Trinkens halber, wäre ich auch nicht hergekommen. Etwas habt Ihr doch nicht gesehen", sprach Hugo mit einigermaßen höhnischem Ton. "Und das wäre?" fragte Eppo gespannt und blieb stehen vor der Thüre des Speisesaals. -

"Daß Herr Ritter Harald von Eichen recht absonderliche Blicke auf den Balkon warf, auf dem Eure Angebetete in ihrem schönsten Schmucke stand, und daß sie ihn auch recht scharf ins Auge zu fassen schien." -

"Hölle und Teufel!" fluc

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