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Äbtissin Verena Historischer Roman von Greinz, Rudolf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.11.2015
  • Verlag: Reese Verlag
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Äbtissin Verena

Der Roman spielt um 1460 in der Gegend von Brixen. Er behandelt den Kampf zwischen Kirche und Landesherrn. Die Vermengung geistlicher und weltlicher Gewalt und das ungezügelte weltliche Machtstreben der kirchlichen Großen, hier des Kardinals Nikolaus von Cusa, der seine auf dem Basler Konzil verfochtenen Reformbestrebungen längst abgeschworen hat und ein eifriger Kämpfer des Papsttums geworden ist. Als solcher wurde er auf dem bischöflichen Stuhl zu Brixen erhoben und zum Reformator der verfallenen Klosterzucht ersehen; er versucht nun unter Mißbrauch seiner bischöflichen Gewalt die Gerichtsherrlichkeit und die Gerechtsamen des adligen Frauenstiftes Sonnenburg im Pustertal an sich zu bringen, obgleich dessen Briefe und Freiheiten von Päpsten und römischen Kaisern bestätigt waren und das Stift demgemäß als obersten Schirmvogt in allen weltlichen Dingen nur den in Innsbruck residierenden Herzog Sigmund anerkannte. Kräftig vertritt die Äbtissin, Verena von Stuben, die Rechte des Stiftes; daher, und weil sie als einzige den seltsamen Widerspruch im Wesen des Kardinals entdeckte, wird sie seine Feindin, nämlich den Widerspruch zwischen dem machtgierigen Kirchenfürsten und Eiferer, der längst Erschüttertes wieder aufbauen will, und dem edel und modern denkenden Gelehrten, der seiner Zeit vorauseilt. Mit dramatischer Steigerung und größter Anschaulichkeit werden nun die aus diesen Konflikt sich ergebenden Folgen aufgebaut: die Bannung der Äbtissin und die Verkündigung des Bannes sowie die Wirkung desselben auf das Volk; dann die Szene, in der die Äbtissin, von ihren Getreuen umgeben, in ihrem Stift den Gewappneten des Kardinals erfolgreich die Herausgabe des Sakraments verweigert, dann die Versammlung der Enneberger Bauern, die sich von Verena lossagen wollen, und als Höhepunkte die persönliche Aussprache zwischen dem Kardinal und Herzog Sigmund sowie die Erstürmung des Stiftes durch die Bischöflichen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 29.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959800051
    Verlag: Reese Verlag
    Größe: 447 kBytes
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Äbtissin Verena

2

Die bunten Glasmalereien an den hohen, schmalen Fenstern des Münsters leuchteten in die Winternacht. Es hatte zu schneien aufgehört. Am Himmel wurde da und dort der unendlich ferne Schimmer eines Sternes sichtbar. Noch immer fegte der eisig kalte Wind aus dem Pustertal.

Drinnen im Münster sangen sie die Weihnachtsmette. Kopf an Kopf drängten sich die Andächtigen in den Kirchenbänken, und noch weit nach hinten unter dem Orgeldach standen sie bis zu den Toren der Kathedrale.

Heller Kerzenglanz flammte auf den Altären, vor den geschnitzten Statuen der Heiligen im Kirchenschiff, leuchtete hinauf an Säulen und Wölbungen und gab den gemalten Fenstern ihr farbiges Leben. Dichte Weihrauchwolken erfüllten den mächtigen, weiten und gewaltig emporstrebenden Dom. Vom Chor erbrauste die Orgel, und es war doch wieder wie ein sanftes Spiel gegenüber dem ungeheuren Tonschwall des Orgelhorns auf dem Turm der bischöflichen Burg.

In die Stimmen der Domschüler am Chor mischten sich jetzt tiefe, starke Männerstimmen, die zu den Weisen der Orgel die Messe sangen.

Droben am Hochaltar erblickte man in prunkvoll gestickten Gewändern den Kardinal mit seinen Assistenten. In dem tiefbraunen geschnitzten Chorgestühl des Presbyteriums hatte sich das Domkapitel niedergelassen.

Die prunkvollen violetten und weinroten Festgewänder der Domherren und Pröbste stachen gegen das dunkle Getäfel der Chorstühle farbenprächtig ab.

Es war so manches scharf geschnittene Gesicht und so mancher geistvolle Kopf unter den Kapitelherren. Das Brixener Domkapitel zeichnete sich gerade in dieser Zeit durch eine hervorragende Pflege der Wissenschaften aus. Die Bibliothek der Domherren war eine der reichsten weit und breit und wurde ständig durch neue Abschriften von Büchern vermehrt. Die meisten unter den Domherren waren Doctores.

Im Chorgestühl des Presbyteriums knieten auch die beiden edlen Sonnenburger Frauen als Ehrengäste. Der Kardinal las am Hochaltar mit seiner tiefen, vollen Stimme im liturgischen Tonfall das Evangelium der Weihnacht. Alle Andächtigen erhoben sich und hörten stehend die frohe Botschaft.

Als die letzten Worte des lateinischen Textes verklungen waren, schritt der Kardinal langsam und schlürfend, den Krummstab in der Rechten vor sich auf den Boden setzend, die Stufen des Hochaltars hernieder bis zu dem aus Marmelstein gehauenen Bischofsstuhl im Presbyterium, der mit prächtigen seidenen Polstern ausgelegt war.

Langsam, fast müde ließ sich Nikolaus von Cusa in die Polster gleiten. Sein Antlitz war schier noch blässer als sonst. Wie graue Schatten lag es im Kerzenschimmer auf den welken Zügen. Nur die Augen, diese grauen, forschenden und herrschenden Augen hatten Leben, Willensstärke, Zielbewußtsein. Lind diese Augen suchten jetzt die Äbtissin von Sonnenburg, die gerade dem Bischofsstuhl gegenüber im Chorgestühl kniete. Nach der Beendigung des Evangeliums hatte sie nebst den anderen wieder die kniende Stellung eingenommen.

In der Türe der Sakristei erschien plötzlich der bischöfliche Kanzelschreiber Lorenz Hammer. Völlig unvermutet war er aufgetaucht und hastete nun mit trippelnden Schritten, seine schiefgewachsenen gebeugten Schultern eilig vor sich herschiebend, durch das Presbyterium hinunter in das Kirchenschiff bis zur Kanzelstiege.

Gleich einer geschäftigen dürren Spinne kroch er die Stiege empor und erschien ebenso rasch wie unter der Tür der Sakristei über der Brüstung der Kanzel.

Lorenz Hammer entfaltete ein Schriftstück, welches das bischöfliche Siegel mit dem Osterlamm und der Kreuzesfahne trug. Er begann mit einer harten, einförmigen und doch weithin vernehmbaren Stimme zu lesen ...

"Wir, Nikolaus Cusanus, durch Gottes Erbarmung Kardinal der Heiligen Römischen Kirche, Fürst und Bischof zu Brixen, tun hiermit allen Gläubigen in Christo kund:

Da es Unsere Pflicht ist, des Heiligen Vaters zu Rom Gebote au

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