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... und Jesus war eine Frau von Schrattenholzer, Elisabeth (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.09.2015
  • Verlag: Septime
eBook (ePUB)
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... und Jesus war eine Frau

"Ich habe solche Angst, dass alles aus ist zwischen uns. Thomas. Ich will ja nur dass du hörst, was ich sage!" Petra ist verzweifelt, dass Thomas im Bett den Unterschied zwischen eine Nummer abziehen und Liebe abstreitet. Während einer vereinbarten Auszeit schreibt sie ihm Briefe, in denen sie offen über ihre sexuellen Erfahrungen, Wünsche und Träume redet. Ihr Bemühen um Klärung der Beziehung führt sie nicht nur zeitlich, sondern auch geografisch weit fort: von der eisbedeckten Donau bis nach Jordanien in die 2000 Jahre alte Stadt, die denselben Namen trägt wie sie selbst, Petra. Petra ist Anfang dreißig. Die letzte gemeinsame Nacht mit Thomas hat ihr Vertrauen in ihn erschüttert. Sie beginnt aufzuschreiben, was sie ihrem Freund bis jetzt nie gesagt hat. Sexuelle Wünsche sind jedoch schwer zu kommunizieren. Passende Worte fehlen. Angst um ihre Beziehung, Wut und Ärger über Thomas kämpfen in Petra. In dem Versuch, ihre Träume und Fantasien zu erklären, schreibt sie über ihre Kindheit, über erste Erfahrungen und Enttäuschungen. Sie stärkt ihren Mut zur Konfrontation durch eine Erinnerung an Petra in Jordanien ... wo Jesus eine Frau war. Sie erinnert sich an diese Reise und an ihre Anstrengung, andere Zeiten und andere Welten zu erfassen. Eine Reise in eine 2000 Jahre alte Stadt. Elisabeth Schrattenholzer nennt sich am liebsten Sprachwerkerin, 'denn das umfasst als einziges alle meine beruflichen Tätigkeiten: sprechend, schreibend, lehrend und gestaltend habe ich mit Sprache zu tun'. Sie absolvierte eine Schauspielausbildung, war einige Jahre Englischlehrerin, promovierte aus Theaterwissenschaft und lehrt heute als a.o.Universitätsprofessorin an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien das Fach 'Sprachgestaltung'. Ihr erster Roman 'Ich habe das Wort so gern - Die Reise der Hiran Ganimud' erschien 2003. Zu zahlreichen Veröffentlichungen in Lyrikanthologien und Zeitschriften kommen Artikel über Sprache und Gesellschaft in wissenschaftlichen Werken sowie zwei Sachbücher, zuletzt 'Sorry, Nathan! Wortblind und sinntaub: Die Beschädigung des Denkens durch die Sprache des Patriarchats - Analysen, Betrachtungen, Gegenwehr' (Wien, 2005). Vorträge und Lesungen aus eigenen und anderen Werken führten sie nach Deutschland, in die Schweiz und in die USA. Zum Schreiben bewegt sie der drängende Wunsch, 'der Wirklichkeit auf die (Sprach-)Spur zu kommen'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 22.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783903061057
    Verlag: Septime
    Größe: 2836 kBytes
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... und Jesus war eine Frau

Den Anfang lösch ich, das zuallererst Hingekotzte in meiner Wut.

Löschen würde ich am liebsten den ganzen Streit.

War es bloß ein totales Missverständnis? Hoffentlich! Nur ein Auseinanderklaffen unserer Meinungen. Aber was für eines!

Ich habe solche Angst, dass alles aus ist zwischen uns, Thomas.

Ich will ja nur, dass du hörst, was ich sage! Du kannst doch nicht einfach etwas gehört haben, was ich nie gesagt habe.

Also noch einmal: Nein, nein, nein, dass es zu schnell war, habe ich nicht gesagt! Wir waren damals im spätabendlichen Wienerwald beide begeistert von unserem Quickie. Es gab auch noch ein oder zwei andere. Wir hatten beide Spaß. Du weißt das ganz genau. Wie kannst du mir dann diesmal plötzlich kommen mit: "Na gut, nie mehr ein Quickie, wenn du nicht willst."

Außerdem ist Quickie eine saublöde Bezeichnung. Irreführend und völlig daneben. Da war doch vorher viel. Spazierengehen nebeneinander, Reden miteinander, Hände ineinander, meine Schulter, die deinen Arm streift ... So viel Zeit möchte ich immer haben. Von wegen quick.

Falls ich dir das im Urlaub tatsächlich zu lesen gebe, dann hat das Schreiben eine Woche vorher begonnen. An dem Montag deiner Geschäftsreise, als du in Kairo warst. Und es kann mit uns nur weitergehen, wenn du begreifst, was mein Anliegen ist. Wenn du verstehst, was ich sage.

Nach Kroatien fahr ich sicher mit dir mit. Ich will mir nicht vorwerfen müssen, dass ich es nicht versucht habe. An mir soll es nicht liegen. Ich gebe uns die Chance.

Hoffentlich war der Riss nicht ... mitten durchs Herz, hätt ich bald gesagt.

Zweiter Anfang

Montag

Zum Verzweifeln. Das Herz will fort. Das Brustbein lässt es aber nicht raus. Der Hals ist auch zu eng. Lunge, Rippen fühlen sich an, als wäre ich in einem Schraubstock, der mich grade noch am Leben lässt.

Warum bloß haben wir Schweigen vereinbart? Für eine ganze Woche! Kaum mehr als zwei Tage sind vergangen, und mindestens zwanzigmal habe ich Mails gecheckt, und es war tatsächlich keines von dir dabei.

Anrufen möchte ich nicht. Da würden wir nur sofort den Streit fortsetzen. Ist wohl besser, ich halte mich an unsere Vereinbarung und schreibe für mich.

Warum bloß haben wir Schweigen vereinbart?

Nicht einmal die Uni hat mich abgelenkt. Obwohl Semesterende. Und die Wahnsinnskraft, die ich gebraucht habe, das Seminar zu halten, wo ich doch mit allen Fasern bei dir bin. Bei uns.

Die Studierenden, die bis jetzt dringeblieben sind, wirken auch schon ziemlich gestresst. Ich hatte als letztes Referat "Ufre Sarduk und ihr Menschenbild" angesetzt. Der Student konnte ungeniert eine Frau im Mittelpunkt seines Interesses stehen lassen, richtig wertschätzend. Ein Glück, dass er meine Lieblingsdichterin verstanden hat. Sonst wäre ich vermutlich ausgerastet.

Reden. Ich muss reden. Wenigstens mit dem PC. Die Mitternacht ist geduldig. Der PC auch. Mikro ein. Immerhin ein Anfang. Ich rede. Mein braves Diktierprogramm schreibt alles auf. Spracherkennung ohne Verstehen. Aber tröstlich. Die Worte sind sichtbar auf dem Bildschirm. Nicht zu leugnen. Ich habe es gesagt. Und zwar genau so, wie es da steht.

Was haben wir alles gesagt! Wir haben vorbeigeredet aneinander, du und ich. Fürchterlich aneinander vorbei.

Vorbeilieben. Aneinander vorbeigeliebt. Hast du geliebt?

"Es war schön wie immer!", stellst du trocken fest.

Es war überhaupt nichts wie sonst! Absolut nichts. Es war anders, ganz anders.

Vielleicht war das für dich trotzdem "so schön wie immer", mag ja sein. Aber ein Jahr Zusammensein, und du merkst keinen Unterschied zwischen Lieben, Strömen, Ineinanderfließen, Paradies, Vesuv, Universum ... und einer bloßen ... einer bloßen Nummer! Sexgymnastik Fickerei.

Er hat keinen Unterschied gemerkt, sagt er! Keinen Unters

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