text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Abenteuer und Magie. Band I von Federn, Karl (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.08.2015
  • Verlag: OTB eBook publishing
eBook (ePUB)
0,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Abenteuer und Magie. Band I

Karl Federn ( 2. Februar 1868 in Wien, 22. März 1943 in London) war ein österreichischer Jurist, Übersetzer und Schriftsteller. Er emigrierte 1933 nach Dänemark und ging 1938 nach London, wo er sich einen Namen als Kritiker des Marxismus machte. Sein Buch "Hauptmann Latour" wurde in Deutschland von den Nationalsozialisten verboten. (Auszug aus Wikipedia)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 388
    Erscheinungsdatum: 11.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956765025
    Verlag: OTB eBook publishing
    Größe: 497 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Abenteuer und Magie. Band I

Der Pfau von Irville

Als Antoine von Chamillac - von den Cloré-Chamillac, die sich seit langem für die erste Familie von Aix hielten, - die Tochter des Marquis von Irville als Gattin heimgeführt hatte, wuchs sein Stolz über die Maßen. Er war sonst ein tapferer und rechtschaffener Mann, wohlgebildet und, bis auf seinen Hochmut, von feinen Sitten, und er vergötterte den Boden, den die Füße seiner schönen jungen Frau betraten. Ihr zu Ehren hatte er den Landsitz, auf dem sie den größten Teil des Jahres wohnten, gleichfalls Irville genannt und mit Terrassen und Gärten verschönt. Zwischen meist im Grün versteckten Mauern zog sich der Park mit den wundervollen Blumen und Büschen des Südens hin; der Duft der Rosen und des Jasmins, und wieder der Zitronen- und Orangenblüten erfüllte die warme Luft, und wenn Marguerite von Irville, ihr in weiße Seide gekleidetes Söhnchen an der Hand, die Sommerwege entlang ging, so hatten alle, die es sahen, ihr Wohlgefallen daran. Antoine von Chamillac war freigebig und gastfrei und seinen Leuten kein ungütiger Herr, und es fehlte ihm nicht an Freunden. So lebte er im dreifachen Genuß der Liebe, des Reichtums und höchsten Selbstgefühls.

An einem heißen Sommernachmittag schritt er, vom Präsidial kommend, seinem Parktor zu. Er war allein, denn er hatte seinen Diener in einem Auftrag vorausgeschickt; die Straße, die sich zwischen langen, von Efeu und Lorbeer überwachsenen Mauern hinzog, war menschenleer. Am Tage zuvor war er in Valdogne gewesen, wo er seine Weinberge hatte. Er war in den weiten kühlen Kellern gewesen, in denen die mächtigen Fässer lagen, er hatte auf einer Steinbank unter den Rosenbüschen sitzend aus einer Zinnkanne den schweren süßen selbstgekelterten Wein getrunken und mit frohen Augen die rebenschweren Holzgestänge gesehen und die eine neue üppige Ernte verheißenden Gewinde, die sich an Steingängen, Pfeilern und Mauern hinzogen. Er dachte auch mit Vergnügen daran zurück, daß die kleineren Edelleute des Tals ihm entgegengeritten waren und ihn eingeholt hatten, und fast hätten zwei davon sich um die Ehre geschlagen, ihn an ihrem Tische bewirten zu dürfen. Wenn der Erzbischof oder der Statthalter der Provinz gekommen wäre, sie hätten es nicht anders halten können. An all dies dachte er mit hoher Befriedigung, dann kam ihm der Erlaß zu Sinn, den er soeben beim Präsidial diktiert hatte, und laut vor sich hinsprechend wiederholte er: "Wir, Antoine Cloré, Herr von Chamillac, Baron von Valdogne und von Châteaurenard, Herr von Irville, Rat am Parlament ..."; er wollte mit seinen Titeln und Würden fortfahren, als ein tiefes stoßweises Lachen, ein höhnisches "Hü, hü, hü!" störend und ärgerlich in seinen Traum tönte. Unwillkürlich sah er empor, aber sein Blick traf nur das dichte Grün und die Mauer des Nachbargrundstücks. Er hatte den Degen schon halb gezogen; vor ihm war die schweigende Mauer, der alte Diodati, der Narr, der sich seinesgleichen dünkte, obwohl er von Luccheser Kaufleuten stammte, war es, der Stimme nach zu urteilen, nicht gewesen, ebensowenig der junge Edmond, auch keine der Frauen und Mädchen; wenn es ein geringerer gewesen war, konnte er ihn nur von seinen Leuten prügeln lassen, das heißt, wenn er ihn entdeckte; aber es schien kaum denkbar, daß ein Geringerer ihn so zu verhöhnen wagte.

In seine fröhliche Laune war ein Tropfen Bitterkeit gefallen; unmutig ging er weiter, schritt durch das Tor seines Parks, und stieg, vom Verdruß getrieben, zu einer erhöhten Terrasse empor, von der er einen Teil des andern Grundstücks übersehen konnte: die vergitterten Fenster an der Rückseite des mächtigen steinernen Hauses und die niederen Wirtschaftsgebäude, die sich zu beiden Seiten herüberzogen. Dazwischen lag ein großer viereckiger, rings mit Bäumen bepflanzter Hof, auf dem der Diodati ungezähltes Geflügel hielt. Da gab es Gänse und Enten, buntfarbige Hühner von jeder Größe und Art, schlankhalsige g

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen