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Abenteuer und Magie. Band II von Federn, Karl (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.08.2015
  • Verlag: OTB eBook publishing
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Abenteuer und Magie. Band II

Karl Federn ( 2. Februar 1868 in Wien, 22. März 1943 in London) war ein österreichischer Jurist, Übersetzer und Schriftsteller. Er emigrierte 1933 nach Dänemark und ging 1938 nach London, wo er sich einen Namen als Kritiker des Marxismus machte. Sein Buch "Hauptmann Latour" wurde in Deutschland von den Nationalsozialisten verboten. (Auszug aus Wikipedia)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 389
    Erscheinungsdatum: 11.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956765049
    Verlag: OTB eBook publishing
    Größe: 497kBytes
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Abenteuer und Magie. Band II

Die Verbannten

Es war an einem Sommerabend im Jahre 1808. Auf der Terrasse eines österreichischen Schlosses saßen Menschen, die, von den Stürmen jener Zeit entwurzelt und fortgerissen, durch manche Zufälle hier zusammengetroffen waren. Neben dem schlanken hochgewachsenen Hausherrn mit dem schmalen seinen Kopfe saß schwergebaut, mit breitem rotem Gesicht, ein deutscher Fürst, der seinen Thron verloren hatte. Zu seiner Rechten saß, noch dunkelhaarig, im langen weißen Kleide die Hausfrau, neben ihr auf der anderen Seite ein französischer Bischof, der mit Lächeln und mit geistlicher Zurückhaltung ihrer jugendlichen Tochter Liebenswürdigkeiten sagte. Etwas abseits am Steingeländer stand der Adjutant des Fürsten mit einem preußischen Offizier, der in die österreichische Armee überzutreten beabsichtigte, im Gespräch über die letzten Nachrichten aus Madrid. Der Generalvikar des Bischofs saß zurückgelehnt und nachdenklich in seinem Stuhl und hörte seinem Landsmann, dem Marquis von Faverolles, zu, der mit einiger Erregung davon sprach, wieviele ihresgleichen heute an den verschiedensten Stätten im Norden und Osten Europas geflüchtet säßen, und wie gemein das Schicksal gefallener Macht geworden, das einst unerhört erschienen wäre.

"Und ist doch auch vorgekommen," sagte der Abbé, "und ich könnte Ihnen davon erzählen. Seltener und seltsamer noch war es freilich."

"Sie sollten es erzählen", erwiderte der Marquis aus Höflichkeit. Aber die Hausfrau, die herübergehört hatte, da der Fürst neben ihr sich in seiner trüben Stimmung mit dem Wein allein zu erheitern suchte, bat ihn ernstlich darum. Und da auch die andern, deren Gespräch sich eben nur hingeschleppt hatte, einstimmten, und der Bischof selbst ihm zunickte, begann er zu erzählen.

"Ich führe Sie", sagte der Abbé Chazin, "in eine untergegangene Welt zurück. Und doch liegt sie kaum hinter uns, und wenn wir nicht solch eine Sündflut der Ereignisse erlebt hätten, wäre sie beinahe noch die unsere. Aber wo sind die Hügel und Wiesen unserer Kindertage? Damals schien eine andere wärmere Sonne, und ruhigere gelassenere Menschen wandelten unter ihr.

Ich verbrachte den Sommer bei meinem Oheim, dem Pfarrer von Saint-Eloi. Seine Güte und die Empfehlung des Herrn Marquis von Saint-Eloi hatten mir einen halben Freiplatz im Seminar von Sens verschafft; aber die Ferien auf dem Lande waren lang und angenehm. Ich erinnere mich, daß ich eines Abends vom Feld nach Hause kam, - die schrägen Sonnenstrahlen fielen auf den stillen Marktplatz, und nur der große gefleckte Hund des Wirts zur Glocke lag träge am Gartenzaun, als mit schwerem Rasseln ein Wagen, von der Landstraße einbiegend, über das schlechte Pflaster fuhr und vor dem Tore der Wirtschaft hielt. Es war ein großer brauner Reisewagen, von drei mageren Gäulen gezogen, auf knirschenden, wackeligen, schiefgefahrenen Rädern, um die brüchige rostige Eisenreifen gelegt waren. Lackierung und Farbe waren an vielen Stellen abgesprungen, so daß der Wagen krank und fleckig aussah, und abgebrochen waren die einst vergoldeten Knäufe an den Ecken des Daches. Neben dem barfüßigen Kutscher, der die Tiere zu einer letzten Anstrengung getrieben hatte, saß ein Diener in einer uralten, abgetragenen und verfärbten Livree, der jetzt mühsam herabkletterte und den verklemmten Schlag zu öffnen suchte. Gleichzeitig kam ein zweiter Wagen von der Landstraße, mit einem Pferd und einem Ochsen bespannt, auf dem unter einer vielfach geflickten grauen Leinwanddecke einige alte Truhen, Koffer und Bündel lagen. Der Hund hatte einmal kurz gebellt, der Wirt war, hemdärmelig, die kurze Schürze vorgebunden, auf die Türstufen getreten, und eine Anzahl barfüßiger und holzschuhtragender Jungen hatte sich angesammelt. Ich stand unter ihnen. Mein Onkel, der Abbé Chazin, war, vom plötzlichen Lärm gestört, einen Augenblick am Fenster des Pfarrhauses erschienen und sah herüber, aber ich glaube, er kehrte bal

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