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Alles, was wir verloren haben von Geary, Valerie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2018
  • Verlag: HarperCollins
eBook (ePUB)
16,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 01.10.2018 per Download lieferbar

Online verfügbar

Alles, was wir verloren haben

Lucy Durant war erst vierzehn Jahre alt, als sie ihren älteren Bruder Nolan verlor. Zuerst an seine paranoiden Wahnvorstellungen, als er zunehmend von UFOs und Verschwörungstheorien besessen war. Dann, als er spurlos verschwand.
Zehn Jahre später kämpft Lucy immer noch mit dem Verlust. Sie fühlt sich wie in einer Warteschleife gefangen und tut, was sie kann, um nicht an Nolan zu denken. Aber als eine Reihe mysteriöser Ereignisse Lucy in ihre Heimatstadt Bishop zurückführen, ist sie gezwungen, sich mit den verworrenen Erinnerungen ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen, um endlich herauszufinden, was wirklich mit ihrem Bruder passiert ist.

Gone Girl Akte X, bei diesem faszinierenden Sprung in die Tiefen der Erinnerung und des Schmerzes."
Carrie La Seur, Autorin von "Denn wir waren Schwestern"

"Meisterhaft schafft es die Autorin zwei mögliche Szenarien vorzugeben: Entweder war Nolan paranoid - oder er wurde tatsächlich von den "Men in Black" verfolgt. Der Leser sollte niemandem trauen und alles infrage stellen! Perfekt für Fans von Joyce Maynard und Jennifer McMahon."
Booklist

Die Autorin Valerie Geary machte sich in den USA bereits mit ihren tiefgründigen Kurzgeschichten einen Namen in den großen Literaturmagazinen. "Das Schweigen der Bienen", ihr vielbeachtetes Romandebüt, war 2016 für den "Ken Kesey Award" nominiert. Valerie Geary lebt mit ihrer Familie in Portland, Oregon.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 512
    Erscheinungsdatum: 01.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959677936
    Verlag: HarperCollins
    Originaltitel: Everything We Lost
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Alles, was wir verloren haben

1

L ucy Durant stand auf dem Haus ihres Vaters, mit den Fußspitzen an der Dachkante, und blickte in einen schwarzen Abgrund hinunter. Es war fast Mitternacht, der Himmel mondlos. Tiefe Dunkelheit erfüllte den Vorgarten. Die Schwerkraft zog an ihren Schultern. Wie leicht es doch wäre, sich einfach fallen zu lassen, sich ins Vergessen zu stürzen. Wie hoch war es wohl? Sechs Meter? Zehn? Hoch genug jedenfalls, um sich alle Knochen zu brechen. Doch ihr war, als würde sie womöglich ewig in die Finsternis hinabstürzen, ohne je am Boden aufzuschlagen, falls sie wirklich springen würde.

Im Haus erklang lautes Gelächter. Gläser klirrten. Jazzmusik strömte hinter ihr aus dem offenen Dachbodenfenster. Die Verlobungsparty lief seit vier Stunden, und nichts deutete darauf hin, dass sie bald vorüber sein würde. Niemand hatte es bemerkt, als sie hinausgegangen war. Davor hatte sie auch niemand beachtet, während sie in der Wohnzimmerecke herumgestanden und auf ihre Füße gestarrt hatte. Das Augenmerk der Gäste galt allein Robert und Marnie, den glückstrunkenen Bald-Vermählten. An jedem anderen Tag wäre nichts dagegen einzuwenden gewesen. Aber die Party hatte ja ausgerechnet heute stattfinden müssen, am fünften Dezember - dem Tag, an dem vor zehn Jahren ihr Bruder verschwunden war.

Sie hatte Robert gebeten, einen anderen Termin zu finden. Jeder andere Samstag wäre in Ordnung gewesen, aber Marnie hatte auf dem Fünften bestanden. Sie und Robert hatten sich vor fünf Monaten am fünften Juli um 17.55 Uhr kennengelernt, als der Fahrstuhl, in dem sie standen, zwischen dem fünften und sechsten Stock stecken geblieben war. Sie hatten fünfundfünfzig Minuten festgesessen, ehe die Feuerwehr sie schließlich befreit hatte. Auf dem Feuerwehrfahrzeug hatte die Nummer 55 gestanden. Es sei Schicksal, sagte Marnie. Ihre Glückszahl sei immer die Fünf gewesen, und wenn das jetzt kein Zeichen war, dann wüsste sie auch nicht mehr. Das Universum habe sie und Robert zusammengeführt; nun wollte sie ihr märchenhaftes Happy End und sie bekam es auch.

"Wir haben nie großes Aufheben darum gemacht", hatte Robert zu Lucy gesagt, als sie zu bedenken gab, wie unpassend es sei, dass die Verlobungsparty ausgerechnet an ihrem inoffiziellen Trauertag stattfinden sollte.

Es stimmte ja. In den letzten Jahren war der fünfte Dezember immer ohne großes Brimborium vergangen. Robert hatte den Tag nie erwähnt, und einige Male hatte selbst Lucy ihn vergessen, und hinterher hatte sie ein schlechtes Gewissen gehabt, weil sie dieses wichtige Datum verschwitzt hatte. Aber es gab auch die anderen Jahre, wo sie in den Tagen vor und nach dem fünften Dezember eine düstere Schwermut erfasste. Die Jahre, in denen sie keinen Sinn darin sah, überhaupt aus dem Bett zu steigen. Zehn Jahre waren eine lange Zeit, um jemanden zu vermissen, und doch wurde der hohle Schmerz in ihrem Inneren nicht weniger.

Nachdem ihr Vater sich geweigert hatte, die Verlobungsparty zu verschieben, hatte Lucy versucht sich abzulenken, indem sie bei den Vorbereitungen mithalf. Sie verschickte die Einladungen und half beim Dekorieren des Hauses. Am Morgen des großes Ereignisses erbot sie sich sogar, Marnies fünfstöckige, achthundert Dollar teure Verlobungstorte von der Bäckerei abzuholen. Was danach geschah, war nicht ihre Schuld.

Ein paar Schritte neben dem Bäckereieingang hatte ein Straßenprediger sein Podium aufgebaut, einen umgedrehten Dreißig-Liter-Farbeimer, auf dem er barfuß stand und der sich unter dem Gewicht des Mannes bog. Die weiße Schmuddeldecke, die er sich wie eine Toga umgelegt hatte, war mit rosa Gänseblümchen gemustert und am Saum völlig ausgefranst gewesen. Mit weit aufgerissenen Augen blickte er auf die kleine Schar der Neugierigen, zeigte seine spitzen gelben Zähne. Sein schwarzes ungewaschenes Haar fiel ihm in knotigen Zotteln wirr auf die Schultern, im Bart hingen Essensreste. Er roch säu

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