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Alles, worauf wir hofften Roman von Young, Louisa (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.03.2016
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Alles, worauf wir hofften

London, 1919: Nadine heiratet ihre große Liebe Riley, doch Normalität scheint nach dem Schrecken des Krieges unmöglich. Während Nadine ihre Zweisamkeit genießt, kämpft Riley gegen furchtbare Erinnerungen. Verzweifelt versucht Nadine zu ihm durchzudringen und an das Glück vergangener Zeiten anzuknüpfen. Doch wie können sie weitermachen in einer Welt, in der die Liebe neu gelernt werden muss? Louisa Young hat jahrelang als Journalistin gearbeitet, u. a. für Marie Claire und Guardian. Sie lebt mit ihrer Tochter in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 14.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843712583
    Verlag: Ullstein
    Größe: 2596 kBytes
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Alles, worauf wir hofften

KAPITEL 1

London, März 1919

RILEY PUREFOY DACHTE NICHT viel über den Krieg nach. Das brauchte er auch nicht. Er war Teil von ihm. Wenn andere davon sprachen ...

... aber das taten sie nicht - weder die anderen ehemaligen Soldaten, die zumeist sehr schnell erkannten, dass niemand hören wollte, was sie vielleicht zu sagen hatten, noch die Zivilisten, die sich ebenso schnell verdrückten, wie die Soldaten verstummten.

Ab und an tauchten unvermittelt Sätze oder Bildfetzen auf. Manchmal hatte er einen unidentifizierbaren Geschmack im Mund. Immer wieder das Bild ausgespuckter Stücke vergaster Lunge auf dem Boden eines Krankenwagens, das ihn für einen Moment zum Innehalten zwang. Auch anderthalb Jahre nachdem er vom Schlachtfeld getaumelt war, gab es Augenblicke, in denen ihn die Stille verwirrte wie der feste Boden die Beine eines Matrosen. Er hörte Peter Lockes Stimme, die sagte: "Dann haben Sie jetzt das Kommando, alter Knabe." Das vor allem klang in ihm nach, denn er wusste, so unwahrscheinlich es auch schien, es stimmte im Großen und Ganzen noch immer. Er hatte das Kommando.

Trotz seiner Versehrtheit war Riley gut ausgerüstet: Er war jung und kräftig und hatte einen klaren Blick. Und wenn er im Lauf der Monate doch einmal an den Krieg dachte, dann eher an einen künftigen Krieg und daran, wie man ihn verhindern könnte; an künftige Kinder und daran, wie man sie davor beschützen könnte; oder an das künftige Leben seiner versehrten Gefährten und daran, wie man es verbessern könnte. Er sah, wie die Leute ihn mitleidig und zweifelnd ansahen. Er registrierte das unwillkürliche leise (oder laute) Luftschnappen, das der Anblick seines entstellten Gesichts auslöste. Wenn ein Taxifahrer davonfuhr, weil er nicht verstand, was Riley sagte, bemühte Riley sich, Mitgefühl für die Verlegenheit des Mannes zu empfinden und nicht im Zorn über die immer wiederkehrende Demütigung unterzugehen.

Ihm war sehr wohl bewusst, dass die meisten Leute dachten, mit dem armen Kerl ist nicht viel anzufangen. Doch wenn die Tatsache, dass er in Stücke geschossen und wieder zusammengeflickt worden war, ihn eins gelehrt hatte, dann das: Tu, was du willst, und zwar jetzt.

Riley Purefoy und Nadine Waveney heirateten unter einer geradezu absurd schönen Woge von Blütenblättern, die über London niederging, einer Stadt, in der so lange Krieg geherrscht hatte, dass sie gar nicht wusste, was sie nun mit sich anfangen sollte. An der Wand des Standesamts hing ein Schild: "Konfetti werfen verboten", doch der Blütenregen scherte sich nicht darum, fegte in flirrenden Wirbeln durch die Frühlingsluft und sammelte sich in zuckerbäckerrosigen Häufchen in den feuchten Rinnsteinen von Chelsea. Nadine, die nach wie vor so mager war, dass sie noch nicht wieder ihre Regel hatte, trug ein Unterhemd von Riley und darüber Julia Lockes vollkommen unmodisches Hochzeitskleid aus der Zeit vor dem Krieg, mit ein paar Abnähern versehen. Riley war in Uniform. Peter Locke, Rileys früherer Kommandeur, groß, galant und fast nüchtern, war der Trauzeuge, seine Cousine Rose, mit weißen Handschuhen, die Brautjungfer, und sein Sohn Tom, flachsblondes Symbol der Unschuld und Zukunft, trug das Kissen mit den Ringen. Sonst war niemand dabei. Julia, Toms Mutter, hatte im Garten von Locke Hill ein paar frühe weiße Fliederrispen gepflückt und sie Rose mitgegeben, war aber zu Hause geblieben. Es ging ihr nicht gut, oder vielleicht mochte sie sich auch nicht zeigen. Ihr Zusammenbruch lag erst wenige Monate zurück. Alles lag erst wenige Monate zurück.

Hinterher gingen sie in das Pub auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wo Peter, wie sich herausstellte, zuvor zwei Flaschen feinsten Champagner deponiert hatte, über deren Herkunft er sich ausschwieg. Rose trug das dunkelgrüne Tweedkostüm, das sie auch bei der Hochzeit von Peter und Julia getragen hatte (was sie lieber für sich behielt), und gab zu, dass sie

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