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Alles ist möglich Roman von Strout, Elizabeth (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.11.2018
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag
eBook (ePUB)
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Alles ist möglich

In ihrem neuen Roman erzählt Elizabeth Strout unvergessliche Geschichten über die Menschen einer Kleinstadt, die sich nach Liebe und Glück sehnen, aber oft Kummer und Schmerz erleben.
Da sind zwei Schwestern: Die eine gibt für die Ehe mit einem reichen Mann ihre Selbstachtung auf, während die andere sich von einem Buch dazu inspirieren lässt, ihr Leben zu ändern. Der Hausmeister der Schule will einem Außenseiter helfen und stürzt dabei in eine Glaubenskrise; eine erwachsene Frau sehnt sich immer noch wie ein Kind nach der Liebe ihrer Mutter. Und eine in New York erfolgreiche Schriftstellerin kehrt nach siebzehn Jahren zum ersten Mal in ihre Heimat zurück, um ihre Geschwister zu besuchen.
Die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle, von Hass und Neid, Einsamkeit und Wut bis zu innigster Menschenliebe entfaltet sich in diesen Familiengeschichten. Es sind Geschichten über die Natur des Menschen in all seiner Verletzlichkeit und Stärke, über die unendliche Vielfältigkeit des Lebens.

Elizabeth Strout wurde 1956 in Portland, Maine, geboren. Für ihren Roman "Mit Blick aufs Meer" bekam sie 2009 den Pulitzerpreis. "Die Unvollkommenheit der Liebe" kam auf die Longlist des Man Booker Prize 2016. "Alles ist möglich" erhielt ein überwältigendes Presseecho in den USA und stand in allen großen Medien auf den Empfehlungslisten; die Übersetzungsrechte wurden in 16 Länder verkauft. Elizabeth Strout lebt in Maine und in New York City.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 12.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641198022
    Verlag: Luchterhand Literaturverlag
    Originaltitel: Anything Is Possible
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Alles ist möglich

Das Zeichen

Tommy Guptill hatte früher ein Milchbetrieb gehört, den er von seinem Vater geerbt hatte, gut zwei Meilen außerhalb von Amgash, Illinois. Das war jetzt viele Jahre her, aber noch heute schreckte Tommy manchmal aus dem Schlaf hoch, wenn ihn wieder die Bilder der Nacht bedrängten, als sein Hof abgebrannt war. Das Haus war mit abgebrannt; der Wind hatte die Funken zum Haus hinübergetragen, das nicht weit von den Ställen stand. Es war seine eigene Schuld gewesen - etwas anderes wäre ihm nie eingefallen -, weil er sich an dem Abend nicht vergewissert hatte, dass die Melkmaschinen alle ordnungsgemäß abgeschaltet waren, und bei den Melkmaschinen war das Feuer ausgebrochen. Und nachdem es einmal ausgebrochen war, hatte es in Windeseile um sich gegriffen. Sie hatten alles verloren, bis auf den Messingrahmen des Wohnzimmerspiegels, den er am nächsten Tag in den Trümmern entdeckt und einfach liegen gelassen hatte. Die Leute sammelten für sie, etliche Wochen gingen seine Kinder in den Kleidern ihrer Klassenkameraden zur Schule, bis er seine Sinne und das wenige Geld, das er besaß, halbwegs beisammenhatte; das Land verkaufte er dem Besitzer der Nachbarfarm, aber viel brachte es nicht ein. Dann kauften er und seine Frau, eine kleine, hübsche Frau namens Shirley, neue Kleider, und er kaufte auch ein Haus; Shirley hatte das alles bewundernswert gut verkraftet. Es reichte nur zu einem Haus in Amgash, einem heruntergewirtschafteten Ort, und seine Kinder mussten die Schule wechseln; zuvor hatten sie die Schule in Carlisle besuchen können, denn die Farm lag genau an der Grenze zwischen den beiden Landkreisen. Tommy nahm eine Stelle als Hausmeister in der Schule an; es war etwas Beständiges an dem Job, das ihm zusagte, und auf der Farm eines anderen hätte er nicht arbeiten können, das hätte er nicht ertragen. Er war zu der Zeit fünfunddreißig Jahre alt.

Die Kinder waren inzwischen erwachsen, sie hatten eigene Kinder, die auch schon erwachsen waren, und er und Shirley lebten noch immer in ihrem Häuschen; Shirley hatte rundherum Blumen gepflanzt, was man in dieser Stadt sonst nicht oft sah. Tommy hatte sich zur Zeit des Feuers große Sorgen um seine Kinder gemacht: Eben noch hatten sie ein Zuhause gehabt, zu dem Schulausflüge unternommen wurden - jedes Frühjahr waren die Fünftklässler aus Carlisle für einen Tag zu ihnen herausgekommen, um auf den Holzbänken draußen ein Picknick zu machen und dann durch die Ställe zu trappeln, wo die Kühe gemolken wurden und wo durchsichtige Plastikschläuche die weiße, schäumende Flüssigkeit zur Decke hinaufpumpten und dort über ihren Köpfen entlangbeförderten -, und nun mussten sie zuschauen, wie ihr Vater, in grauer Hose und einem weißen Hemd, auf dem ein rotes Tommy eingestickt war, das "Zauberpulver" wegfegte, das über das Erbrochene gestreut wurde, wenn ein Kind sich im Gang übergeben hatte.

Nun gut. Sie hatten es alle überlebt.

An diesem Vormittag war Tommy nach Carlisle unterwegs, um Besorgungen zu machen; es war ein sonniger Samstag im Mai, und bis zum zweiundachtzigsten Geburtstag seiner Frau blieben nur noch ein paar Tage. Er fuhr langsam; ringsum breiteten sich Felder aus, der Mais war frisch gepflanzt, die Sojabohnen ebenso. Eine Reihe von Äckern lag noch brach, gepflügt und bereit für die Saat, aber hauptsächlich war da der hohe blaue Himmel mit ein paar vereinzelten weißen Wölkchen nahe dem Horizont. Tommy fuhr an dem Schild an der Stichstraße vorbei, auf der man zu den Bartons kam; SCHNEIDER - UND ÄNDERUNGSARBEITEN stand da immer noch, obwohl die Frau, die das Schneidern und Ändern besorgt hatte, Lydia Barton, schon seit vielen Jahren tot war. Die Bartons waren Ausgestoßene gewesen, selbst in einem Städtchen wie Amgash, was an ihrer extremen Armut und ihrem merkwürdigen Verhalten lag. Das Älteste der Kinder, ein Mann namens Pete, lebte jetzt allein in dem Haus, die mittlere Tocht

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