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Als Hemingway mich liebte von Wood, Naomi (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.03.2016
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Als Hemingway mich liebte

Im Sommer 1926 fahren Hemingway und seine Frau Hadley von Paris in ihr Haus in Südfrankreich. Sie verbringen ihre Tage mit Schwimmen, Bridge, Drinks und Hadleys bester Freundin Pauline. Dass sie zugleich Hemingways Geliebte ist, scheint Mrs. Hemingway Nr. 1 in Kauf zu nehmen - vorerst. Bald ist klar: Weder sie noch Pauline wird die letzte Ehefrau sein. Basierend auf Briefen und anderen authentischen Quellen beschwört Naomi Wood nicht nur die immer wieder scheiternden Ehen des Schriftstellers herauf, sondern auch die Atmosphäre in den Kreisen der Bohème jener Zeit. Eine tragische, herzzerreißende, großartig erzählte Geschichte über das Scheitern vierer Frauen an einem charismatischen Mann und erfolgreichen Schriftsteller. NAOMI WOOD, geboren 1983, studierte in Cambridge und promovierte an der University of East Anglia. Ihre Recherchen für diesen Roman führten sie von der British Library zur Library of Congress und zu Hemingways Wohnsitzen und Lieblingsplätzen in Chicago, Paris, Antibes, Key West und Kuba. Sie lebt in London. www.naomiwood.com

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 10.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455813876
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Größe: 759 kBytes
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Als Hemingway mich liebte

Hadley

1 Antibes, Frankreich, Juni 1926

Alles wird jetzt à trois gemacht. Frühstücken, Schwimmen, Mittagessen, anschließend Bridge, dann Dinner und das Trinken am Abend. Es gibt immer drei Frühstückstabletts, drei nasse Badeanzüge, drei Kartenblätter, die fächerartig auf dem Tisch liegen bleiben, wenn das Spiel abrupt und ohne Erklärung endet. Wo immer sie auch hingehen, werden Hadley und Ernest von einer dritten Person begleitet: Diese Frau gleitet so mühelos zwischen sie wie die Schneide eines Messers. Es ist Fife, die Geliebte ihres Gatten.

Hadley und Ernest schlafen in dem großen, weißen Zimmer der Villa, während Fife unten nächtigt, in einem als Einzelzimmer gedachten Raum. In der Villa herrschen Stille und Anspannung, bis einer ihrer Freunde mit Seife und Lebensmitteln auftaucht, am Gartentor verharrt und sich fragt, ob man die drei vielleicht besser nicht stören sollte.

Sie lungern im Haus herum - Hadley, Ernest und Fife -, und obwohl jeder von ihnen weiß, dass sie sich alle elend fühlen, möchte keiner als Erster klein beigeben: weder die Ehefrau noch der Ehemann noch die Geliebte. So geht das in der Villa seit Wochen; wie Tänzer in unablässiger Bewegung versuchen sie, einander in die Erschöpfung zu treiben, bis einer zusammenbricht.

Schon am Morgen ist es warm, und das Licht lässt die weißen Baumwolllaken blau leuchten. Ernest schläft. Sein Haar ist immer noch gescheitelt wie am Tag, und seine Haut verströmt einen warmen, schweren Geruch. Hadley würde ihn deshalb necken, wenn sie in der richtigen Stimmung wäre. Um seine Augen überzieht ein Strahlenkranz von Fältchen die gebräunte Haut; Hadley kann sich gut vorstellen, wie er auf dem Boot mit zusammengekniffenen Augen angestrengt über den Bug späht, um den besten Platz zum Ankern und Fischen auszumachen.

In Paris ist er für seine Schönheit geradezu berühmt; es ist schockierend, was er sich alles erlauben kann. Sogar den Männern in ihrem Freundeskreis verschlägt es angesichts seines Aussehens die Sprache, sie schwärmen noch mehr für ihn als die Bardamen. Andere erkennen hinter dieser Fassade sein unbeständiges Wesen - mal sanftmütig, mal unbeherrscht. Man erzählt sich, er habe im Bal Musette einem Mann wegen einer groben Bemerkung die Brille von der Nase geschlagen. Sogar einige seiner engsten Freunde haben Bammel vor ihm - auch Scott -, obwohl sie älter und erfolgreicher sind, aber darauf kommt es anscheinend nicht an. Was für widersprüchliche Gefühle er bei Männern auslöst! Die Frauen sind da schlichter - sie drehen ruckartig den Kopf nach ihm um und schauen ihm so lange nach, bis er verschwunden ist. Hadley kennt nur eine, bei der sein Charme nicht verfängt.

Sie liegt im Bett und starrt an die Decke. Die Balken sind zerfressen. Sie kann förmlich sehen, wie sich die Würmer durch das Holz arbeiten. Lampenschirme schwanken, als würde großes Gewicht auf ihnen lasten, dabei bestehen sie nur aus Papier und ein paar Verbindungsstücken. Auf dem Frisiertisch glitzern fremde Parfumfläschchen. Das Licht knallt auf die Jalousien. Heute wird es wieder heiß.

Eigentlich möchte Hadley nichts lieber als zurück ins kalte alte Paris, in ihre Wohnung, die nach über Kohlenfeuer gebratener Taube und dem Pissoir auf dem Treppenabsatz riecht. Sie sehnt sich zurück in ihre enge Küche und das Badezimmer, wo die Feuchtigkeit Sporen an der Wand hinterlässt. Sie möchte ihr gewohntes Mittagessen aus gekochten Eiern auf dem Tisch, der so klein ist, dass man seinem Gegenüber an die Knie stößt. Wobei an ebendiesem Tischchen ihr Verdacht bestätigt wurde, dass er eine Affäre hat. Ich habe das Gefühl, Ernest und Fife mögen sich sehr , hatte Fifes Schwester bemerkt. Mehr brauchte sie nicht zu sagen.

Ja, Hadley wäre in diesem Moment lieber in Paris oder sogar in St. Louis, in diesen Städten mit aschgr

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