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Am Ende jener Tage von Clark, Clare (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.11.2015
  • Verlag: Atlantik Verlag
eBook (ePUB)
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Am Ende jener Tage

Von Glanz und Glamour einer großen Dynastie und dem Ende einer Epoche. Die Melvilles gehören zu den angesehensten Adelsfamilien Englands. Ihre legendären Feste sind glamourös, ihr Selbstbewusstsein so unerschütterlich wie die Mauern ihres Schlosses. Doch als der Erste Weltkrieg ausbricht, verändert sich alles. Clare Clark, geboren 1967 in London, studierte Geschichte am Trinity College in Cambridge. Sie arbeitete einige Jahre in den USA und lebt heute wieder in London. Bei Hoffmann und Campe erschienen ihre historischen Romane Der Vermesser , Der Apotheker und Die französische Braut.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 544
    Erscheinungsdatum: 13.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455170733
    Verlag: Atlantik Verlag
    Größe: 1041 kBytes
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Am Ende jener Tage

1

1910

Terence hielt den Rollstuhl fest, als Theo Jessica den Schal um die Augen band. Obwohl er ihn so stramm zog, dass er an ihrem Haar ziepte und ihr auf die Augen drückte, protestierte Jessica nicht. Während Terence sie nach draußen auf das Sträßchen schob, klammerte sie sich an die Peddigrohr-Armlehnen.

"Sag mal 'Cheese'!", rief Theo, worauf sie sich ein Grinsen abrang. Seine Kamera klickte. Jessica spürte, wie der Wind an den losen Enden ihres Schals zupfte und sich ihr vor Angst der Magen zusammenkrampfte. An dieser Stelle war die Straße so steil, dass die rotgesichtigen Radfahrerinnen, die verbissen die sanfte Steigung durch das Dorf hinaufgekeucht waren, absteigen und schieben mussten. Wenn ihre Mutter das sah, lachte sie. Manchmal, wenn sie mit dem Auto unterwegs waren, wies Eleanor Pritchard an, dicht aufzufahren und dann zu hupen. Phyllis hasste das, doch Eleanor lachte herzhaft, wenn die Radfahrerinnen schlingernd auf den Straßenrand auswichen. Sie erweise der Allgemeinheit nur einen Dienst, sagte sie zu Phyllis und Jessica, und im Übrigen sollten sich die rotgesichtigen Damen über diese kleine Aufregung freuen.

Die rotgesichtigen Damen schoben hier auch bergab. Vater sagte, das müssten sie auch, sonst gingen die Räder mit ihnen auf und davon, und Eleanor lachte und meinte: ja, aber nur die Räder, worauf die Lippen ihres Vaters zu einem dünnen Strich wurden. Vor ihrem geistigen Auge sah Jessica die holprige graue, von hohen Hecken gesäumte Straße, die sich wie eine Wäscherutsche nach unten neigte, um am tiefsten Punkt beim Tor zur Stream Farm über den Fluss hinweg scharf nach rechts abzubiegen. Theo sagte, der Rollstuhl würde an der Kurve geradeaus weiterrollen und schlimmstenfalls umkippen, wenn er ins dichte Gras neben dem Acker der Stream Farm geriete, was nicht weiter schlimm wäre, denn im Gras würde man weich landen. Jessica wusste, das war nicht das Schlimmste, was passieren konnte, aber es hatte keinen Sinn, es sich weiter auszumalen. Nanny, das Kinderfräulein, sagte, wenn man zu viel über schlimme Dinge nachdenke, beschwöre man sie erst herauf.

"Fertig?", fragte Theo, und Jessica nickte und krallte sich im Rohrgeflecht des Rollstuhls fest, um sich Mut zu machen. Es war dumm, Angst zu haben. Theo hatte gesagt, Angst sei der Grund, warum so viele Leute ein derart kleines, freudloses Leben führten. Jessica sei klein für ihr Alter, wurde Eleanor nicht müde zu wiederholen, aber Jessica hatte trotzdem nicht die Absicht, jemals freudlos zu sein.

"Weißt du was, Theo?", sagte Terence Connolly mit seinem breiten amerikanischen Akzent. "Du hast ja recht, wir glauben dir."

"Regel bleibt Regel. Wir haben gesagt, wer das rote Zündholz zieht. Stimmt's, Jess?"

Jessica nickte und biss sich auf die Innenseite der Lippen. Sie wünschte, Terence Connolly würde den Mund halten, damit sie die Sache hinter sich bringen konnte.

"Die Kleine hat doch schon Mumm genug bewiesen", wandte Terence ein. "Nicht nötig, sie auf die Straße klatschen zu lassen."

"Du bist doch nicht etwa ein Schlappschwanz, Connolly?", feixte Theo, ruckelte am Rollstuhl und ließ ihn kurz los, um ihn sofort wieder festzuhalten, als er zu rollen anfing. Jessica drehte sich der Magen um. Marjorie hinter ihr kicherte. Jessica musste sich zusammennehmen, um nicht aufzustehen und ihr eine zu knallen. Marjorie Maxwell Brooks hing immerzu auf Ellinghurst herum, weil ihre Mutter unbedingt mit Eleanor befreundet sein wollte; immerzu tapste sie um sie herum, säuselte, wie reizend sie die Soundsos gefunden habe - und woher nehme Eleanor nur dieses fabelhafte Gespür für Farben? Marjorie hatte Polypen, weshalb sie durch den Mund atmete und beim Sprechen wie eine blecherne Gießkanne klang, als sei sie schwer erkältet.

Auch war sie dermaßen idiotisch in Theo verknallt, wie Jessica es noch nie erlebt hatte. Marjorie konnte kein Wor

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