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Anatewka, Die Geschichte von Tewje, dem Milchmann von Scholem Alejchem (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.08.2015
  • Verlag: OTB eBook publishing
eBook (ePUB)
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Anatewka, Die Geschichte von Tewje, dem Milchmann

Scholem Alejchem , 1859-1916 war einer der bedeutendsten jiddisch sprachigen Schriftsteller und gilt neben Mendele und Perez als der dritte Klassiker der jiddischen Literatur. Er wurde auch der jüdische Mark Twain genannt. 'Tewje der Milchmann' - eines der bekanntesten Werke Scholem Alejchems, beinhaltet acht Geschichten aus dem Leben Tewjes, der seine Familie durch seine Arbeit als Milchmann ernährt. Tewje erzählt diese Episoden einem scheinbar guten Freund - Scholem Alejchem. Die Handlung des Romans spielt um das Jahr 1905 , kurz vor der Russischen Revolution, in den kleinen Dörfern Masepowka, Jehupez, Bojberik und Anatevka. Tewje lebt zusammen mit seiner Frau Golde und seinen sieben Töchtern in Bojberik. Tewje ist auf dem Gebiet der Tora, des Talmuds und des Midraschs sehr gebildet und findet für sehr viele Lebenssituationen einen passenden Vers aus diesen drei Texten. Weltweiten Ruhm erlangte die Musical Fassung "Anatevka"

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 11.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956767616
    Verlag: OTB eBook publishing
    Größe: 345 kBytes
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Anatewka, Die Geschichte von Tewje, dem Milchmann

I. Der Haupttreffer

Er richtet den Geringen auf aus dem Staube
und erhöhet den Armen aus dem Kot.

Psalm 113,7

Wenn einem der Haupttreffer beschert ist, hört Ihr, Reb Scholem-Alejchem, so kommt er zu einem ganz von selbst ins Haus, wie es in den Psalmen heißt: 'Vorzusingen auf der Githith': - wenn man Glück hat, so kommt es von allen Seiten gelaufen; und es gehört gar kein Verstand und keine Tüchtigkeit dazu. Wenn man aber, Gott behüte, kein Glück hat, so kann man reden, bis man zerspringt, und es wird nützen wie der vorjährige Schnee. Wie sagt man doch: 'Es gibt keine Weisheit und keinen Rat gegen ein schlechtes Pferd.' Der Mensch arbeitet, der Mensch plagt sich ab, und ist nahe daran, auf alle Feinde Zions sei es gesagt, sich hinzulegen und zu sterben! Und plötzlich kommt, man weiß nicht woher, von allen Seiten lauter Glück und Erfolg, wie es im Buche Esther steht: 'Hilfe und Errettung kommen den Juden.' Ich brauche es Euch wohl nicht zu übersetzen, doch der Sinn dieser Stelle ist, daß der Mensch, solange seine Seele in ihm ist, Gottvertrauen haben muß. Das habe ich am eigenen Leibe erfahren, wie der Ewige mich geleitet hat und wie ich zu meinem jetzigen Beruf gekommen bin: denn wie komme ich dazu, Käse und Butter zu verkaufen, wo die Großmutter meiner Großmutter niemals mit Milchwaren gehandelt hat. Es lohnt sich wirklich, die ganze Geschichte vom Anfang bis zum Ende anzuhören. Ich werde mich für eine Weile hier neben Euch ins Gras setzen, und mein Pferdchen soll inzwischen etwas kauen, wie wir es im Morgengebet sagen: 'Die Seele aller Lebenden preiset den Herrn.' Und das Pferdchen ist ja auch ein Geschöpf Gottes!

Kurz und gut, es war so um die Schwuoszeit herum, das heißt: ich will nicht lügen, es war eine oder zwei Wochen vor Schwuos, und vielleicht auch ein paar Wochen nach Schwuos. Vergeßt nicht, es ist schon - ich will es Euch ganz genau sagen - ein Jahr mit einem Mittwoch her, das heißt, es sind genau neun Jahre, vielleicht auch zehn und vielleicht auch etwas mehr. Ich war damals gar nicht der Tewje, wie Ihr mich jetzt seht; das heißt, eigentlich war ich derselbe Tewje, und doch ein anderer. Was heißt das? Nun, ich war damals ein siebenfacher Bettler. Die Wahrheit zu sagen, bin ich ja auch jetzt kein reicher Mann: was mir dazu fehlt, um so reich wie Brodskij 1 zu sein, können wir uns beide wünschen, in diesem Sommer bis nach Ssukkos zu verdienen. Aber immerhin, im Vergleich mit damals bin ich heute ein reicher Mann, der ein eigenes Pferd und einen eigenen Wagen hat und auch, unberufen, ein paar Kühe, die sich melken lassen und von denen die eine bald kalben muß. Ich will nicht mit den Lippen sündigen: ich habe alle Tage frischen Käse und Butter und Sahne, und alles ist mit eigenen Händen erarbeitet, denn wir arbeiten alle, und niemand sitzt müßig: mein Weib, sie soll leben, melkt die Kühe, die Kinder schleppen die Milchkannen, machen Butter, und ich selbst, wie Ihr mich da seht, fahre jeden Morgen auf den Markt hinaus; gehe durch Bojberik von einer Sommerwohnung zur anderen und komme auch manchmal mit Menschen zusammen, sogar mit den vornehmsten Herren aus Jehupez. Und wenn man so unter Menschen kommt und mit Menschen spricht, so fühlt man, daß man auch selbst ein Mensch auf der Welt ist, und kein hinkender Schneider. Und vom Sabbat gar nicht zu reden: am Sabbat bin ich König. Da schaue ich in ein jüdisches Buch hinein, ich nehme den Wochenabschnitt durch, lese ein wenig im Targum, in den Psalmen, in den Sprüchen der Väter usw. Ihr schaut mich an, Reb Scholem-Alejchem, und denkt Euch wohl in Eurem Herzen: 'Dieser Tewje ist doch wirklich ein Mensch, welcher ...'

Kurz und gut, was wollte ich erzählen? Ja, ich war also damals, mit Gottes Hilfe, ein elender Bettler, starb mit Weib und Kindern dreimal am Tage vor Hunger, arbeitete wie ein Pferd, schleppte Baumklötze aus dem Walde zur Bahn, ganze Wagenladungen Baumklötze, und bekam dafür, nehmt daran keine

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