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Anatomie eines Skandals Du willst deinem Ehemann glauben Sie will ihn zerstören von Vaughan, Sarah (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.01.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 31.01.2019 per Download lieferbar

Online verfügbar

Anatomie eines Skandals

Sophie ist glückliche Ehefrau des charismatischen Parlamentspolitikers James. Bis er ihr eine Affäre mit seiner Assistentin gesteht. Die ihn nun wegen Vergewaltigung verklagt. James leugnet und setzt auf die Loyalität des Premierministers, der ihm noch einen Gefallen schuldet. Staatsanwältin Kate sieht die Anklageschrift mit großem Interesse auf ihren Schreibtisch flattern. Aus Gründen, die in ihre Zeit in Oxford zurückreichen. Ein Prozess mit unerwartetem Finale stellt Loyalitäten auf den Prüfstand. Und verändert nicht nur Sophies und James' Leben ...

Sarah Vaughan studierte in Oxford Englische Literatur und arbeitete elf Jahre als Journalistin für den Guardian. Sie lebt mit ihrer Familie in Cambridge, wo sie sich inzwischen hauptberuflich dem Schreiben eigener Werke widmet. Ihr dritter Roman Anatomy of a Scandal wurde in 18 Länder verkauft und euphorisch rezensiert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 445
    Erscheinungsdatum: 31.01.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732560981
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Anatomy of a Scandal
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Anatomie eines Skandals

KATE

2. Dezember 2016
Eins

Meine Perücke liegt in sich zusammengesunken auf dem Schreibtisch, wo ich sie hingeworfen habe. Eine gestrandete Qualle. Außerhalb des Gerichtssaals gehe ich ziemlich achtlos mit diesem entscheidenden Stück meiner Garderobe um und lasse der Perücke nicht die Achtung zukommen, die ihr eigentlich gebührt. Sie wurde von Hand aus Pferdehaar gefertigt, ist an die sechshundert Pfund wert. Ich hätte gern, dass sie schnell altert und an Würde und Lebenserfahrung gewinnt, die mir selbst fehlen, wie ich manchmal befürchte. Ich wünschte, der Haaransatz würde sich vom Schweiß der Jahre gelblich verfärben und die eng gedrehten, hellen Löckchen würden sich aushängen oder vom Staub ergrauen. Es ist neunzehn Jahre her, dass ich zur Prozessanwältin berufen wurde, doch meine Perücke wirkt immer noch so neu wie die einer übereifrigen Berufsanfängerin. Ihr fehlt die ehrwürdige Patina jener Kopfbedeckungen, die von einer Generation von Strafverteidigern zur nächsten weitergereicht werden, die vom Vater auf die Tochter - oder häufiger natürlich auf den Sohn - übergehen und die von Traditionsdenken, Reife und selbstverständlichem Führungsanspruch künden.

Ich streife meine Schuhe ab, Pumps aus schwarzem Lackleder, verziert mit einer goldenen Schnalle. Schuhe, die einem Gecken aus der Regency-Zeit gut angestanden hätten. Oder dem Zeremonienmeister im Oberhaus. Oder eben einer Prozessanwältin wie mir, die ihre Freude an den historischen Traditionen mit ihrem ganzen lächerlichen Brimborium hat. Teure Schuhe sind wichtig. Im Gespräch mit Kollegen oder Klienten, mit Gerichtsdienern oder der Polizei senken wir alle von Zeit zu Zeit den Blick, um nicht den Eindruck zu erwecken, wir seien auf Konfrontation aus. Jeder, der meine Schuhe betrachtet, erkennt sofort, dass ich diese Eigenheiten der menschlichen Psyche verstehe und mich selbst ernst nehme. Er erkennt in mir eine Frau, die sich kleidet, als wäre sie entschlossen zu siegen.

Kleider machen Leute, und ich kleide mich gern meiner Rolle entsprechend, korrekt in jeder Hinsicht. Weibliche Prozessanwälte können einen Kragen zum Umbinden tragen, eine Art Baumwolllatz mit spitzenbesetztem Kragenband, der lediglich um den Hals gebunden wird und etwa dreißig Pfund kostet. Oder sie kleiden sich wie ich - mit weißer, kragenloser Hemdbluse, an der vorn und hinten ein separater Kragen mit Kragenknöpfen befestigt wird. Manschettenknöpfe. Ein schwarzes Jackett aus Wollstoff und ein Rock oder eine lange Hose und - abhängig von Erfolg, Dienstalter und Rang - eine Robe aus schwarzer Wolle oder einem Wolle-Seide-Gemisch.

Im Moment trage ich das alles jedoch nicht. Ich habe einen Teil meiner Verkleidung im Ankleideraum des Old Bailey abgelegt. Die Robe ausgezogen. Den Kragen und die Manschetten aufgeknöpft. Das halblange blonde Haar, das ich bei Gericht zu einem Pferdeschwanz zurückgebunden trage, von seinem Haargummi befreit und ein bisschen zerzaust.

Ohne meine Amtstracht bin ich weiblicher. Ich weiß, dass ich mit Perücke und der schweren Hornbrille nahezu geschlechtslos wirke. Sicher nicht attraktiv - obwohl einem vielleicht meine Wangenknochen ins Auge fallen: Mit Mitte zwanzig bildeten sie sich so scharf heraus und sind im Laufe der Jahre immer schärfer und strenger geworden, genau wie auch ich immer schärfer und strenger wurde.

Ohne die Perücke bin ich eher ich selbst. Eher jener Mensch, der ich im tiefsten Innern bin, nicht die Person, die ich vor Gericht darstelle, und auch nicht irgendwelche früheren Versionen meiner Persönlichkeit. Das bin ich: Kate Woodcroft, QC , Kronanwältin, Strafverteidigerin, Mitglied des Inner Temple, eine erfahrene und gesuchte Expertin bei der strafrechtlichen Verfolgung von Sexualverbrechen. Zweiundvierzig, geschieden, kinderlos. Single. Ich stütze den Kopf in die Hände, lasse den Atem in einem langen, ruhigen Stoß entweichen und zwinge mi

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