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Andere machen das beruflich Roman von Sawatzki, Andrea (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2019
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Andere machen das beruflich

Andrea Sawatzkis hinreißende Heldin Gundula Bundschuh macht Schule: Endlich bietet sich für Gundula die Gelegenheit, auf eigenen Füßen zu stehen. Matz' Lehrerin fällt aus - und Gundula soll für sie einspringen. Eine Herausforderung, der sich Gundula kurzentschlossen stellt. Die Hegel-Schule richtet demnächst ihr 200stes Jubiläum aus - und Gundula soll ein Theaterstück auf die Beine stellen. Das wird nicht ohne die Unterstützung ihrer gesamten Familie über die Bühne gehen ... Andrea Sawatzki, geboren 1963, gehört zu den bekanntesten deutschen Film- und Fernsehschauspielerinnen. Nach ihrem Spiegel-Bestseller "Ein allzu braves Mädchen" erschien die turbulente Weihnachtskomödie "Tief durchatmen, die Familie kommt", die mit Andrea Sawatzki, Axel Milberg und anderen für das ZDF verfilmt wurde. Mit "Von Erholung war nie die Rede" und "Ihr seid natürlich eingeladen" veröffentlichte sie mittlerweile zwei weitere Bücher um die Familie Bundschuh. Andrea Sawatzki lebt zusammen mit ihrem Mann, dem Schauspieler Christian Berkel, und den zwei gemeinsamen Söhnen sowie drei Hunden in Berlin. Noch 2019 wird"Andere machen das beruflich" ins Fernsehen kommen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 01.10.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492994095
    Verlag: Piper Verlag
    Serie: Die Bundschuhs 4
    Größe: 6152 kBytes
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Andere machen das beruflich

1.
Kapitel

Ich habe immer vermieden, mich jemals wieder länger als irgend nötig in einem Schulgebäude aufzuhalten. Meine eigene Schullaufbahn war nah an der Traumatisierungsgrenze verlaufen. Die Albträume, die mich nach meinem hart erkämpften Realschulabschluss jede Nacht heimsuchten, habe ich nur durch intensive Analysestunden bei unserem Nachbarn und meinem Therapeuten Herrn Mussorkski aufarbeiten können. Ohne Herrn Mussorkski wäre von mir sowieso nichts mehr übrig. Auch meine Ehe mit Gerald hätte sich schon längst in Luft aufgelöst. Gerald ist hauptberuflich Finanzbeamter. Dann kommt lange nichts. Dann kommt seine alte Schlagerplattensammlung, dicht gefolgt von Mettwurstschnittchen und gedecktem Apfelkuchen mit Schlagsahne. Dann kommt wieder lange nichts. Dann seine Mutter Susanne, dann unsere Kinder Rolfi, Ricki und Matz. Dann seine Ente (ein Auto) und ganz am Ende ... ich. Gerald sagt, das liege nicht an mir, sondern an dem Umstand, dass sein Leben angefüllt sei mit interessanteren Dingen. Und ab einem gewissen Alter seien gute Gespräche nun mal wichtiger als Erotik. Das Schöne ist, dass ich ihm da uneingeschränkt zustimmen kann.

Ich weiß nicht genau, wie lang Gerald und ich jetzt schon zusammen sind. Aber da Rolfi dieses Jahr einundzwanzig wird, muss man also ungefähr sein Alter zu den zehn Jahren hinzurechnen, in denen ich nicht schwanger wurde. Nicht, dass wir uns keine Kinder gewünscht hätten, aber um Kinder zu bekommen, muss man das tun, was man heutzutage schon im Aufklärungsunterricht in der Vorschule lernt.

Jetzt jedenfalls haben wir sogar drei. Also Kinder. Alle sind gesund und in keiner Weise auf den Mund gefallen. Es war uns immer wichtig, unsere Kinder zu äußerster Selbstständigkeit zu erziehen. Was zum Teil auch daran liegt, dass Gerald meistens im Finanzamt festsitzt und ich mich damit herumschlage, eine perfekte Hausfrau und Mutter zu sein. Da muss man bei der Erziehung schon mal alle fünfe gerade sein lassen. Außerdem lernen die Kinder meiner Meinung nach in der Schule und unter ihresgleichen viel mehr als zu Hause.

Ich selbst bin, wie gesagt, nie gern zur Schule gegangen. Weder hatte ich besonders viele Freundinnen dort, noch kam ich mit den Lehrern klar. Nach jedem Schultag fing mich meine Mutter am Gartentor ab, um mich zu meinen Zensuren zu befragen. Stellen Sie sich ein kleines dürres Mädchen mit roten Zottelhaaren und Sommersprossen vor, das Tag für Tag von seiner wahnsinnigen Mutter am Gartentörchen aufgehalten und am Mittagessen gehindert wird, weil es lieber schweigt, als die Zensuren preiszugeben. Am Ende meiner Schullaufbahn war ich so dünn, dass man mich nur noch sehen konnte, wenn man zweimal hinschaute. Und ich hatte ein ausgewachsenes Mutter- und Schultrauma.

Deswegen frage ich meine Kinder bis heute nicht nach ihren Noten. Ich möchte ihnen meine eigenen Erfahrungen ersparen und bemühe mich stattdessen, ihnen durch Wärme und stille Zuwendung ein Zuhause zu bieten, in dem sie sich wohlfühlen. Rolfi ist leider nur noch selten bei uns, weil er nach seiner geplatzten Hochzeit zurück nach Amerika gegangen ist, um sein Studium zu beenden. Ricarda, unsere Neunzehnjährige, ist in der elften Klasse. Sie hat zwei Klassen wiederholt, was mich persönlich nicht stört. Die Kinder werden heutzutage viel zu früh ins Berufsleben geschickt. Ich finde es wichtig, dass man die Möglichkeit hat, vom geschützten heimischen Hafen aus die Fühler auszustrecken. Unser Jüngster, Matz, ist in der fünften Klasse. Er verbringt seine rare Freizeit am liebsten mit seinem Meerschweinchen Tapsi. Er hat schon ganze Generationen an Tapsis verschlissen, weil er seit zwei Jahren versucht, seinen jeweiligen Neuzugängen einen Salto mortale auf seiner Autorennbahn beizubringen. Er ist wirklich fleißig und macht sich viele Gedanken darüber, wie man ein Meerschweinchen schützen könnte, wenn es wieder aus der Kurve fliegt.

Was ich aber eigentlich erzählen wo

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