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Antonias Wille von Durst-Benning, Petra (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.08.2012
  • Verlag: Ullstein HC
eBook (ePUB)
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Antonias Wille

In der wildromantischen Landschaft des südlichen Schwarzwalds erfüllt sich auf dramatische Weise das Schicksal zweier ungewöhnlicher Frauen. Die junge Julie erhält von einer entfernten Verwandten einen wunderschönen alten Berghof geschenkt. Doch es gibt eine Bedingung: Julie soll herausfinden, warum das Haus - einstmals das einzige Hotel weit und breit - seinen Zauber verlor und in einen Dornröschenschlaf fiel. Julie, die sich auf den ersten Blick in den Berghof verliebt hat, beginnt in alten Tagebüchern zu stöbern und taucht ein in eine Welt aus Leidenschaft, Eifersucht und tödlicher Liebe Petra Durst-Benning ist eine internationale Bestsellerautorin. Seit ihrem Debütroman begeistern ihre mutigen Frauenfiguren die Leserinnen und laden sie zu großen Abenteuern ein. Viele ihrer Romane werden verfilmt. Petra Durst-Benning lebt mit ihrem Mann bei Stuttgart.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 10.08.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843704090
    Verlag: Ullstein HC
    Größe: 3400 kBytes
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Antonias Wille

Das erste Mal bin ich Franziska Breuer an einem warmen Tag im Mai des Jahres 1897 über den Weg gelaufen, und zwar in der Rombacher Mühle, wo sie bei Käthe, der Müllerin, einkaufte.

Ich war zu diesem Zeitpunkt schon seit vier Tagen unterwegs. Nachts habe ich im Wald geschlafen und tagsüber bin ich auf der großen Straße Richtung Süden gelaufen. Ein paarmal wurde ich von Fuhrleuten gefragt, ob ich mitfahren wolle, doch ich lehnte stets ab. Stattdessen habe ich immer wieder Reisende - Uhrenhändler und Hausierer - gefragt, ob dies auch der richtige Weg in die Schweiz sei. Der Schwarzwald ist schließlich riesengroß, und die Vorstellung, im Kreis herumzuirren, machte mir Angst. Ja, hieß es immer nur, aber ich hätte noch ein gutes Stück vor mir, und irgendwann ginge es dann ziemlich steil bergab.

Die tagelangen Märsche bergauf und bergab hatten mich ziemlich erschöpft. Das Brot und die Scheibe Speck, die ich mir zu Hause eingepackt hatte, waren längst verspeist, und am Vortag hatte ich außer etwas frischem Sauerampfer, den ich am Wegesrand abgerupft hatte, nichts gegessen. Was gibt der Wald im Mai schon her? Aber ich hatte noch etwas Geld in der Tasche. Damit wollte ich zwar recht sparsam sein, trotzdem beschloss ich, mir im nächsten Ort einen Laib Brot zu kaufen, und das war zufällig Rombach.

Ein hübsches Dorf, mit einem Marktplatz, in dessen Mitte ein wunderschöner Maibaum prangte, und mit blühenden Kastanienbäumen vor den Häusern. Ich konnte das Blöken von Lämmern hören und das Muhen der Kühe. Ich kam an einer Schmiede vorbei und an einem amtlich aussehenden Gebäude, von dem ich erst später erfahren sollte, dass es das Rathaus war. Einen Krämerladen entdeckte ich allerdings nirgendwo, und so lief ich wieder zum Ortsanfang zurück, wo ich linker Hand eine Mühle gesehen hatte. Ich hoffte, dort etwas zu essen kaufen zu können.

Und da ...

Käthe Müllers Augen brannten, und in ihrer Nase kitzelte es. Kurz darauf musste sie mehrmals niesen. Wahrscheinlich bin ich die einzige Müllerin weit und breit, die so empfindlich auf Mehlstaub reagiert, ärgerte sie sich nicht zum ersten Mal, während sie mit Daumen und Zeigefinger den Rotz von ihrer Nase entfernte. Den ganzen Winter über hatte sie einigermaßen Ruhe gehabt, doch jetzt, da die ersten warmen Sonnenstrahlen durch die Luken in die Mühle fielen, ging die Nieserei wieder los. Schniefend nahm sie einen neuen Sack zur Hand, befestigte ihn an der Mahlgangsöffnung, legte einen Riegel um und ließ im nächsten Moment einen Schwall Mehl in den Sack rauschen. Um die unnötige Luft daraus zu verdrängen, stauchte sie ihn ein paarmal kräftig. Bevor sie ihn zuband, langte sie einer Eingebung folgend hinein und ließ eine Hand voll Mehl durch ihre Finger rieseln. Wie sie es sich gedacht hatte: viel zu grob! Dabei hatte die Wirtin des "Fuchsen" diese Woche ausdrücklich feines Mehl bestellt. "Gerhard!", kreischte Käthe.

Im nächsten Moment wurde das Tor aufgerissen.

"Verflixt noch mal, der Mühlstein gehört geschliffen, merkst du das denn nicht? Wie oft hat dein Vater, Gott hab ihn selig, dir gesagt, wie wichtig es ist, den ..." Sie drehte sich um und schrak zusammen, als sie Franziska Breuer sah.

"Grüß Gott, Käthe!" Mit einem letzten Schwung bugsierte die "Fuchsen"-Wirtin ihren Leiterwagen durch das Tor, bevor es hinter ihr zuschlug.

Die Müllerin grüßte brummend zurück. Hätte die Frau nicht ein paar Minuten später kommen können? Jetzt wusste sie gleich, dass das Mehl nicht so fein war, wie es sein sollte. Und überhaupt: Was tat sie hier, wo sie sonst doch immer ihre Tochter schickte? Wahrscheinlich ließ sich Gerhard deshalb nicht blicken! Hätte sich Kathi Breuer angesagt, würde er sich schon seit Ewigkeiten wie ein Taugenichts im Mahlstüble herumdrücken, um sie nur ja nicht zu verpassen!

Käthe wies auf den Sack Mehl zwischen ihren Beinen. "Das ist de

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