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Asphaltengel Roman von Holmström, Johanna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.09.2014
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Asphaltengel

Klug, rebellisch und bei aller Dunkelheit durchdrungen von zartem Humor
Leilas finnische Mutter ist zum Islam konvertiert. Seitdem interessiert sie sich nur noch für die korrekte Auslegung des Korans. Sogar Familienfotos sind verboten. Leilas Vater kommt aus dem Maghreb und ist selbst Muslim - aber dieser Fanatismus ist ihm viel zu anstrengend. Und ihre große Schwester Samira ist längst vor dieser verrückten Familie geflohen. Alleine ist es schwer für Leila, zu Hause den Verstand nicht zu verlieren. Dann wird Samira eines Tages schwer verletzt am Fuß einer Treppe gefunden. Ist sie gefallen? Oder wurde sie gestoßen? Leila versucht herauszufinden, was mit ihrer Schwester passiert ist. Das Leben zwischen den Kulturen ist gefährlich, besonders für Mädchen. Aber Leila weigert sich, Opfer zu sein. Asphaltengel ist einer der beeindruckendsten und hinreißendsten Romane seit langem. Johanna Holmström wurde 1981 in Sibbo geboren. Sie gehört der schwedischsprachigen Minderheit in Finnland an. Seit einigen Jahren lebt sie mit ihren zwei Töchtern in Helsinki. Sie ist Journalistin und studiert arabische Literaturwissenschaft. Für ihre Erzählungen erhielt sie unter anderem den Literaturpreis des Svenska Dagbladet. Asphaltengel wurde von der Presse hymnisch besprochen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 12.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843709590
    Verlag: Ullstein
    Größe: 1429 kBytes
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Asphaltengel

Kapitel 4

Großmutter und Morra

Wenn Mama nicht gerade mit Papa oder Samira streitet, dann streitet sie mit Großmutter. Früher hat sie auch mit Großvater gestritten, aber der ist vor ein paar Jahren im Sommer plötzlich gestorben, und ihr letzter Streit konnte nicht mehr abgeschlossen werden. Nach Großvaters Tod lief Mama mehrere Wochen mit ganz leerem Blick herum. Sie sah aus wie die Male, als Papa ohne einen Cent von dem ganzen mitgenommenen Geld aus Dar El-Shams zurückkam. Sie fühlte sich immer so hintergangen, wenn sie am Geldautomaten stand und feststellen musste, dass das ganze Konto leergeräumt worden war.

Mama und Großvater bekamen nie Gelegenheit, fertigzustreiten. Nicht so wie Mama und Großmutter. Die haben noch jede Menge Zeit. Aber so sehr sie auch streiten, es sieht so aus, als würden sie nie richtig fertig werden. Jedes Mal, wenn wir zu Großmutter fahren, sagt Mama, dass sie dieses Mal, inshaallah , ganz bestimmt keine schlechte Laune bekommen wird. Diesmal wird es, so Gott will, richtig, richtig nett werden.

Und vielleicht geht es die erste halbe Stunde tatsächlich ganz gut, solange sie bloß auf dem Hof spazieren gehen und Großmutter Gunni mit ihren Sommerskistöcken auf die Krokusse zeigt, die ihre blauen Köpfe verdutzt aus der kalten Erde gereckt haben, um nachzusehen, wer ihren Schlaf stört. Es geht auch noch nett weiter, wenn Mama in den Birken nach Fledermäusen Ausschau hält und Gott für all die Schönheiten der Welt mit einem - mashaallah dankt, allerdings ganz leise, damit Großmutter es nicht hört. Die mag es nämlich nicht, wenn Mama Arabisch spricht, obwohl das Gottes Sprache ist. Doch sobald wir uns an die Kaffeetafel gesetzt haben, passiert es. Eine von beiden – wenn man sie fragen würde, würde natürlich jede behaupten, dass es die andere war – marschiert zielstrebig auf ein Minenfeld, und schon stecken wir mitten in Verteidigungsstrategien und Luftangriffen, und wenig später ist ein astreiner Atomkrieg entbrannt.

Später wird genau ermittelt, wer was gesagt und getan hat, und dann sitzt man da wie der Internationale Gerichtshof in Den Haag und verhängt mittellange Strafen für Kriegsverbrechen, während die beiden sich immer noch feindselig gegenübersitzen und sich misstrauisch mit dem Fernglas beobachten, damit sie bei der geringsten falschen Grimasse gleich wieder losfeuern können.

Eigentlich ist mir gar nicht so richtig klar, was für ein Grund hinter diesen Streitereien steckt, und wenn ich Mama frage, schüttelt sie bloß den Kopf und sagt:

"Sie beherrscht einfach die Kunst, einen Menschen wahnsinnig zu machen. Sie weiß genau, welche Knöpfe sie bei mir drücken muss, um mich ..."

Und wenn man Großmutter fragt, sagt sie:

"So war sie schon immer. So überempfindlich. Schon als Kind. Man konnte nichts sagen, ohne dass sie sich gleich auf den Schlips getreten fühlte."

Als Samira noch dabei war, sagte sie immer:

"Herrgott, ich will von dem ganzen Blödsinn echt nichts hören! Okay?"

Mama behauptet, dass Großmutter "anstrengend" ist. Jünger sein möchte, als sie ist. Sich nach Kräften amüsieren will und sich dafür immer die völlig falsche Art aussucht.

Großmutter ist schon über sechzig, aber es kann immer noch jederzeit vorkommen – vor allem im Sommer –, dass sie mit ihren Freundinnen ins Auto springt, und dann fahren sie alle zusammen kreischend und johlend los, lassen das frisch gefärbte Haar im Wind flattern und gehen in der Stadt in die Kneipe. Da trinken sie dann Mai Tais und tanzen. Ich glaube, vo

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