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Auf hoher See von Hilderbrand, Elin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.12.2010
  • Verlag: Berlin Verlag
eBook (ePUB)
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Auf hoher See

Sie sind Freunde fürs Leben. Die vier Paare fahren zusammen in den Urlaub, passen gegenseitig auf ihre Kinder auf und vertrauen sich gegenseitig ihre Geheimnisse an. Doch an einem strahlenden Sommer tag auf der Insel Nantucket geschieht das Undenkbare: Tess und Greg, das Traumpärchen unter ihnen, haben einen fatalen Segelunfall. Das Rätsel darum, was auf dem Boot wirklich passiert ist, droht das harmonische Leben ihrer Freunde aufs Äußerste zu erschüttern ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 06.12.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783827071262
    Verlag: Berlin Verlag
    Größe: 1098 kBytes
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Auf hoher See

JEFFREY

Die dritte Juniwoche hatte in diesem Jahr einen bestimmten Geruch, und zwar den nach Erdbeeren. Normalerweise dauerte die Erdbeersaison ungefähr fünf Minuten, doch in diesem Jahr war der Frühling warm gewesen, unterbrochen von gerade ausreichend stetigem Regen, und voilà!, die Erdbeeren reagierten. Jeffrey hisste gleich zu Beginn der Woche die Erdbeerfahne, und die Leute kamen in Scharen zum Selberpflücken, sieben Dollar pro Pfund. Die Erdbeeren waren durch und durch rot und saftig, die süßesten Früchte, die man je gekostet hatte, winzige Paradiese, von der Ranke gezupft. Die Luft über der Seascape Farm schimmerte praktisch rosa. Sie lebten in einem Erdbeerdorado.

Am Nachmittag fuhr Jeffrey den Traktor zurück in den Schuppen, nachdem er das, was er zum Verkauf anbaute, gedüngt hatte - Mais, Kräuter, Blumen, Rote Bete, Gurken und Zucchini -, und erspähte auf dem Parkplatz den silbernen Rubicon seiner Frau. Delilah hatte die Kinder zum Beerenpflücken hergebracht.

Er und Delilah hatten den Tag auf dem falschen Fuß begonnen. Delilah war gestern Abend sehr lange im Begonia geblieben und hatte mit Thom und Faith, den Besitzern, und Greg, der dort Gitarre gespielt hatte, "ein paar Gläser" getrunken. "Ein paar Gläser" mit den dreien bedeutete fast immer ein Mordsbesäufnis. Thom und Faith waren professionelle Wodkatrinker und Greg, der ihnen in nichts nachstand, bestellte gern Tequila und Whiskey für alle, besonders wenn Thom und Faith die Zeche zahlten. Danach holte er, als wollte er die Wirkung der Getränke mildern, seine Gitarre hervor und spielte "Sunshine, Go Away Today" und "Carolina on My Mind", und alle sangen nuschelnd mit. Wenn Delilah dann auf die Uhr schaute und sah, dass es drei Uhr morgens war, konnte sie es gar nicht fassen.

Delilah war nachhause gestolpert gekommen, als die Sonne eben aufging. Um diese Zeit stand Jeffrey meistens auf. Er war gern bis um sechs mit dem Wässern fertig, und der Markt öffnete um sieben.

Er und Delilah waren sich im Badezimmer begegnet. Sie lag auf den Knien und erbrach sich in die Toilette.

"Guten Morgen", flüsterte er. Er versuchte, seine Stimme unbeschwert und spielerisch klingen zu lassen, denn Delilah beklagte sich ständig darüber, wie streng und kritisch er sei. Er verderbe ihr jeden Spaß und benehme sich mehr wie ihr Vater als ein Ehemann.

Und meinem Vater bin ich durchgebrannt, sagte sie.

Es stimmte: Jeffrey billigte es nicht, dass sie bis zum frühen Morgen wegblieb; er billigte das Kneipenleben generell nicht - dort nahmen die Leute Drogen und tranken -, und obwohl Delilah ihm versicherte, sie halte sich von allem fern außer einem Glas Wein nach ihrer Schicht, gerade so viel, dass sie einen klaren Kopf bekam, während sie ihre Füße ausruhte, glaubte er ihr nicht. Zwei-, dreimal pro Woche kam sie zu Unzeiten nachhause, roch nach Marihuana und landete hier: mit dem Kopf in der Kloschüssel.

Was sollen die Jungs denken?, fragte Jeffrey sie dann.

Ich mache ihnen Frühstück, blaffte Delilah. Ich bringe sie in sauberen Sachen und pünktlich zur Schule. Ich packe ihnen was Gesundes zum Mittagessen ein. Ich beschäftige mich mehr mit ihnen als du.

Sie hatte Recht: Wie spät es auch geworden war, wie viele Drinks sie sich genehmigt haben mochte, sie stand gemeinsam mit den Kindern auf, machte ihnen Pancakes, goss Saft ein, überprüfte ihre Hausaufgaben. Als Mutter konnte er ihr nur die besten Noten geben.

Du willst eine Farmersfrau aus mir machen, sagte Delilah. Du willst mich mit Zöpfen und Schürze sehen.

Ihre Streitigkeiten waren immer gleich, so gleich, als ob sie einfach immer wieder das Band zurückspulten und auf Play drückten.

Du solltest froh sein, dass ich unabhängig bin, mein eigenes Leben habe, einen Job, Freunde, ein zusätzliches Einkommen. Die Kinder verstehen das, sie respektieren es.

Jeffrey missgönnte seiner Frau ihr eigenes Leben nicht - er wünschte

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