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Auf nach irgendwo! Roman von Veenstra, Simone (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.01.2019
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Auf nach irgendwo!

Der alte Jakob ist mit seinem umgebauten VW-Bus, einigen überholten Straßenkarten und einem Monatsvorrat an Instantkaffee auf der Autobahn unterwegs. Sein Ziel: in Tschechien historische Dampflokomotiven zu fotografieren. Auf einer Raststätte liest er Miro auf, einen schweigsamen Jungen, der aus Alltagsgeräuschen Soundschleifen komponiert und die verschollene Jugendliebe seiner Großmutter aufspüren will. Gemeinsam macht sich das ungleiche Paar auf die abenteuerliche Fahrt nach Osten ... Simone Veenstra wuchs in Franken auf und studierte Film, Theater und Literatur. Gemeinsam mit Dorothea Martin gründete sie den Independent-Verlag 'Das wilde Dutzend'. Heute lebt sie in Berlin und schreibt Romane, Drehbücher, Hörspiele, für Games und Magazine. Für ihre Geschichten geht Simone Veenstra gerne auf Entdeckungstour - in Archiven, Bibliotheken und am liebsten vor Ort.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Erscheinungsdatum: 14.01.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641225810
    Verlag: Heyne
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Auf nach irgendwo!

Die Dunkelheit und Jakob Grünberg würden keine Freunde mehr werden. Das war schon immer so gewesen. Sie gaukelte ihm Dinge vor, die es nicht gab: Fahrradfahrer und Kühe auf dem Standstreifen, eine Dampflokomotive, die sich als Kastenwagen entpuppte.

Immer länger werdende Schatten verschmolzen mit dem Einheitsgrau des Straßenbelags. Er musste bald eine Pause einlegen. Seine Augen begannen zu tränen.

Viel zu spät war er losgekommen, hatte sich nur schwer verabschieden können: von dem nicht länger benutzten Stallanbau, dem windschiefen Häuschen, dem inzwischen überwucherten Garten. Von dem Briefkasten und dem löchrigen Zaun, von den in der Sonne tschilpenden Vögeln und von dem Baum weiter hinten, unter dem er Gustav verstreut hatte. Doch noch eine Nacht zu bleiben, nur geduldeter Besucher im eigenen Zuhause - das hatte er nicht gekonnt.

Ein Glück, dass es Bienchen gab. All die Jahre, in denen er sie gehegt und gepflegt hatte, war er nie auf die Idee gekommen, dass ausgerechnet sie ihn einmal begleiten würde. Anfangs hatte er den alten VW-Bus nur deshalb so gut in Schuss gehalten, weil er dachte, eines Tages würde der Besitzer zurückkommen. Irgendwann dann war das Schrauben zu einer lieben Gewohnheit geworden. Der leere Stall hatte neben diversen vierbeinigen Streunern auch Bienchen eine gemütliche Unterkunft geboten.

Jakob rüttelte an der Verstellung seines Sitzes, beugte sich weiter in Richtung Windschutzscheibe und drosselte das Tempo. Wütend hupende Lkws donnerten vorbei und scherten gefährlich nahe vor ihm wieder ein.

Seufzend massierte er sein Knie - das linke, das manchmal ohne Vorwarnung einrastete, aber die Kupplung betätigen musste. Wäre alles nach Plan verlaufen, säße er längst gemütlich bei einer Tasse löslichem Kaffee auf dem Campingplatz. Doch Straßenarbeiten und absurde Umleitungen hatten seinen genau getakteten Zeitplan torpediert.

Jakob vertraute keinem Navigationsgerät. Die Straßenkarten hatten schon seinem Großvater Gustav treue Dienste geleistet und waren mit Symbolen und Abkürzungen übersät, die inzwischen nur Jakob noch zu enträtseln wusste. Genauso sollte es sein.

"Meiden Sie Fahrten im Dunkeln", hatte ihm der Augenarzt empfohlen, nachdem sich Jakob einem nicht ganz freiwilligen Sehtest zum Erhalt seiner Fahrtauglichkeit unterzogen hatte. Ob der Doktor geahnt hatte, dass Jakob seine kurze Abwesenheit dazu genutzt hatte, Buchstaben- und Ziffernfolgen an der Wand auswendig zu lernen? Jakobs Gedächtnis funktionierte noch immer, ohne zu stottern. Sehen konnte er nicht mehr ganz so gut wie früher. Doch davon durfte er sich nicht einschränken lassen. Nichts wurde so schnell kleiner wie die Freiheit. Sie war anfälliger für Verschleiß als der eigene Körper.

Das Blinken am Rand seines Gesichtsfelds verbuchte er zunächst als optische Täuschung. Noch rund einhundertzwanzig Kilometer bis zur ersten geplanten Übernachtung. Doch das Signal blieb hartnäckig, und schließlich musste er sich eingestehen, dass der Tank leer war. Noch mehr Verzögerung! Seine Laune sank weiter.

Wenigstens war die nächste Raststätte gut ausgeleuchtet, die Zapfsäulen waren frei. Jakob konzentrierte sich auf die Tankpistole in seiner Hand, wollte das Walzen der Preisanzeige nicht sehen. Was für ein verbrecherischer einarmiger Bandit!

Die Dame hinter der Kasse zwitscherte wie ein Kanarienvogel auf Helium: "Hallihallo und guten Abend, Sie waren an der zwei, richtig? Haben Sie eine Bonuskarte?"

"Ja. Nein."

Sie blinzelte überrascht, violetter Lidschatten in den netten Lachfältchen verklumpt, ein Fingerbreit Scheitelgrau strafte das Feuerrot ihrer Haare Lügen. Alles an ihr wirkte, als verlöre sie den Kampf gegen eine Müdigkeit, die nicht nur mit zu häufigen Abendschichten zu tun hatte. Sah man genauer hin, wirkte selbst ihr Lächeln abgekämpft. "Wie war das nun, ja oder nein?"

Jakob seufzte - nun bekam er auch noch Mitleid. "Ja zur Zapfsäule Nummer z

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