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Backnang Stories 2016 von Burkhardt, Marcus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.10.2016
  • Verlag: Leseratten Verlag
eBook (ePUB)
6,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Backnang Stories 2016

Warum ist Backnang der bessere Ort, um am Heiligabend ein Kind zur Welt zu bringen? Weshalb sollte jemand nackt auf den Stifts-turm steigen? Seit wann können Weihnachtsbäume sprechen oder unliebsame Menschen verschwinden lassen? Wie kann es einem Ingeneur gelingen, Weihnachten in einer anderen Backnang-Dimension zu feiern? Würde man den Fund einer Tüte voller Geld kurz vor den Feiertagen anzeigen? Was denkt wohl ein Schaf über menschliche Weihnachtsbräuche? Und seit wann wohnt eigentlich Santa Claus in Backnang? Dieses Weihnachtsbüchlein schenkt Ihnen die zwanzig besten Geschichten des Backnang Stories Schreibwettbewerbs. Lesen Sie erhei-ternde, besinnliche, spannende, zukunftsweisende, aber auch märchenhafte Kurzgeschichten für Jung und Alt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 186
    Erscheinungsdatum: 30.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783945230213
    Verlag: Leseratten Verlag
    Serie: Backnang Stories .3
    Größe: 4494 kBytes
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Backnang Stories 2016

Geborgen

Es begab sich zu der Zeit, als Angela Merkel noch Kanzlerin von Deutschland war und Frank Nopper als Oberbürgermeister über Backnang herrschte. Wir schreiben den 24. Dezember 2016.

"Ihr müsst einfach dieser Straße folgen, an der zweiten Kreuzung rechts abbiegen und dann kommt ihr zur Unterkunft. Das Zelt ist nicht zu übersehen. Alles Gute mit dem Baby und frohe Weihnachten!", hatte der Lastwagenfahrer noch gesagt, als er das junge Paar an der B14 aussteigen ließ.

Mariam und Ilias hatten ihr Glück bereits in der großen Unterkunft in München versucht, nachdem sie es über die österreichische Grenze geschafft hatten. Doch dort waren sie in die Landeserstaufnahmestelle, kurz LEA, nach Karlsruhe geschickt worden. Da hatte man sie nur noch verzweifelt fortgeschickt - kein Platz mehr. Es täte ihr sehr leid, hatte die Frau gesagt, aber man könne nichts tun.

Mutlos hatten sie sich an die Straße gestellt, in der Hoffnung, dass irgendjemand sie mitnehmen würde. Irgendjemand. Irgendwohin.

Dabei suchten sie doch nur einen sicheren Ort, wo ihr kleiner Sohn auf die Welt kommen konnte, denn es dauerte nicht mehr lange, das spürte Mariam ganz deutlich. Und Ilias konnte es aufgrund ihres regelmäßigen schmerzerfüllten Stöhnens erahnen.

Während sie auf das gelbe, eingeschneite Ortsschild mit der Aufschrift Große Kreisstadt Backnang, Rems-Murr-Kreis zugingen, sahen sie nichts von dem, was sie umgab. Nicht den Schnee, der in dichten Flocken vom Himmel fiel. Sie spürten nicht den eisigen Wind, der durch die Straßen wehte. Sie achteten auch nicht auf die Glocken, die den Beginn des Heiligabend-Gottesdienstes verkündeten. Die beiden waren ganz in ihre eigene Welt versunken, während Ilias seine schwache Frau stützte und die beiden sich die Straßen entlangschleppten.

In Gedanken sah Ilias wieder die fliegenden Trümmer vor sich. Und dann, wie er seine Frau weggezogen hatte. Weg von dem Haus ihrer Eltern, in dem ihre Familie war, als es in sich zusammenfiel. Es hatte einen lauten Knall gegeben und dort, wo er gestern noch mit dem kleinen Neffen gespielt hatte, blieb nichts als ein Schutthaufen.

Das war zu viel.

Zu diesem Zeitpunkt hatte er den Entschluss gefasst zu fliehen. Sie hatten alles zurückgelassen. Seine Familie, das neu gebautes Haus, ihre Freunde, die kleine christliche Gemeinde, die dort, mitten in Syrien, eine Botschaft der Hoffnung verbreitete, in all dem Leid. Was sie wohl morgen, zum syrischen Weihnachtsfest taten?

Er musste seine Frau schützen, deshalb waren sie gegangen. Er hatte das Leid nicht mehr ertragen können. Und jetzt, am Ziel ihrer Träume? Nichts als Ablehnung. Die Menschen sagten, es gäbe keinen Platz mehr in ihrem Land. Dabei besaßen doch viele von ihnen ein Haus oder zumindest eine Wohnung. So viel wollte er doch gar nicht. Nur einen sicheren Ort, an dem sie bleiben konnten.

Nun hatten sie die Straße erreicht, in die sie abbiegen sollten. Der Boden war vereist und Mariam stürzte fast.

Weit entfernt sah sie schon das Licht vom großen Zelt, das neben der Turnhalle, die ebenfalls als Flüchtlingsunterkunft diente, auf dem Gelände des beruflichen Schulzentrums stand.

Wird man uns dort helfen?, fragte sie sich. Warum Gott, warum? Wo soll unser kleiner Sohn nur geboren werden? Hilf uns!

Sie erinnerte sich an den Traum, den sie letzte Woche gehabt hatte. Sie hatte eine Stimme gehört, die sagte: "Lea wird euch helfen." Sie war sich sicher gewesen, dass das ein Hoffnungszeichen von Gott gewesen war. Aber man hatte sie in Karlsruhe nicht aufgenommen.

Was wird morgen sein? Herr, wir brauchen deine Hilfe! , betete sie im Stillen. Sie wollte die Hoffnung nicht verlieren. Heute war doch Weihnachten. Die Menschen feierten überall, dass Jesus auf die Erde gekommen war, wenn er auch für sie gekommen war, dann musste er

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