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Bella Clara Roman von Durst-Benning, Petra (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.03.2015
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Bella Clara

Großer Frauenroman, der von den Lebensgeschichten Helena Rubinsteins und Elizabeth Ardens inspiriert wurde
1906: Clara Gropius kann die Herrschsucht ihres Mannes nicht mehr ertragen und lässt sich scheiden. Sie verliert alles, vor allem das Sorgerecht für ihre Kinder. Mittellos versucht sie, an ihre Ausbildung in der Apotheke ihrer Eltern anzuknüpfen. Doch als geschiedene Frau ist sie ein Skandal. Niemand will sie einstellen, sie wird wie eine Ausgestoßene behandelt. Nur ihre Freundinnen Josephine und Isabelle stehen ihr bei. Und tapfer hält Clara an ihren Träumen fest, sie zieht an den Bodensee und baut sich dort ein neues Leben auf. Mit einer selbstgemachten Creme beginnt es, ihre Schönheitsrezepte finden großen Anklang, schließlich revolutioniert Claras Naturkosmetik die Gewohnheiten ihrer Kundinnen. Aber zu keinem Zeitpunkt trösten Erfolg, Ruhm und die Aufmerksamkeit der Männer sie über den großen Verlust in ihrem Leben hinweg: Clara sehnt sich nach ihren Kindern.

Petra Durst-Benning ist eine internationale Bestsellerautorin. Seit ihrem Debütroman begeistern ihre mutigen Frauenfiguren die Leserinnen und laden sie zu großen Abenteuern ein. Viele ihrer Romane werden verfilmt. Petra Durst-Benning lebt mit ihrem Mann bei Stuttgart.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 560
    Erscheinungsdatum: 06.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843710541
    Verlag: Ullstein
    Größe: 2813kBytes
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Bella Clara

1 . Kapitel

Sommer 1906

Die Luft in dem Berliner Gerichtssaal war zum Schneiden dick. Auf den Zuschauerbänken saßen die Leute dicht an dicht gedrängt: Marktfrauen, die ihren Fisch- oder Gemüsestand für die nächsten Stunden einem Angestellten überlassen hatten. Elegante Bürgersfrauen, die sich mit spitzenbesetzten Fächern Luft zuwedelten. Auch etliche honorig aussehende Herren saßen mit angewiderter Miene im Publikum - Ärzte aus den umliegenden Krankenhäusern, die gekommen waren, um einem der ihren beizustehen. Oder seinem Untergang beizuwohnen. Ganz klar war das nicht.

Eine Tür ging auf, drei ehrenwerte Herren betraten den Saal. Ein winziger Lufthauch kroch mit ihnen herein.

"Da, der Richter", sagte eine rothaarige Frau in der vordersten Reihe und biss schnell noch einmal von ihrem Butterbrot ab.

Die Frau neben ihr rutschte aufgeregt auf der Sitzbank nach vorn, um besser sehen zu können. "In seiner schwarzen Robe sieht er aus wie ein Scharfrichter, oder?" Ihre Augen glänzten sensationslüstern. "Wie viele Akten er auf seinem Pult verteilt ..."

"Da würd ich gern mal drin lesen, ist bestimmt spannend", sagte die Rothaarige und kicherte. Das letzte Stück Butterbrot verschwand in ihrem grell geschminkten Mund, zufrieden wischte sie sich die Hände an ihrem Rock ab. Von ihr aus konnten sie nun anfangen!

"Wem geht's heute eigentlich an den Kragen?", fragte ein Mann in Postbotenuniform, während er sich neben die Frauen quetschte. Er legte seine ölig glänzende Kappe vor sich auf den Boden, zog einen Apfel aus der Tasche und biss so kräftig hinein, dass der Saft der Rothaarigen ins Gesicht spritzte.

Die Frau wischte sich über die Wange und warf dem Mann einen verärgerten Blick zu. Dreist und keine Ahnung - den brauchten sie gerade noch! Doch dann siegte ihre Mitteilungsfreude, und sie sagte: "Um eine Frau Doktor geht's. Im eigenen Haus hat sie's mit ihrem Liebhaber getrieben, während der Herr Doktor die Brötchen verdiente."

"Vor den Augen ihrer Kinder", fügte die zweite Frau aufgeregt hinzu und wischte sich eine verschwitzte Haarsträhne aus der Stirn. "Und der Chef vom Herrn Doktor, der Herr Professor, hat's auch noch mitbekommen, weil er just in dem Moment zu Besuch kam. Das muss man sich mal vorstellen!"

"So eine Schande!", echauffierte sich die erste Frau.

Die Augen des Postboten verengten sich bösartig. "Na, die hätte ich verdroschen ..."

Hektisch zeigte die Rothaarige mit dem Zeigefinger auf eine zierliche blonde Frau, die in diesem Moment durch eine der vorderen Türen den Gerichtssaal betrat. "Ist sie das?"

Ihre Nachbarin runzelte die Stirn. "Das blasse Ding? Nee, das ist bestimmt nur die Amtsschreiberin ..." Gleichgültig krempelte sie ihre Blusenärmel nach oben und kratzte trockene Hautschuppen von ihrem rechten Oberarm. Im nächsten Moment bekam sie von der Rothaarigen einen kräftigen Puff in die Rippen.

"Von wegen - das ist sie doch!"

Erstaunt und fasziniert zugleich beobachtete das Publikum, wie die elegante blonde Frau auf einem Stuhl vor der Richterbank Platz nahm. Ein kollektives Raunen ging durch den Raum.

Die Angeklagte.

"Sieht eigentlich ganz harmlos aus", sagte der Postbote und klang enttäuscht.

"Das sind doch immer die Schlimmsten!", zischte die Rothaarige.

Eine Reihe hinter ihnen saßen auch zwei Frauen. Sie hielten sich an den Händen, als wollten sie sich dadurch gegenseitig Mut zusprechen. Die etwas größere der beiden war ebenfalls rothaarig, die andere brünett. Sie waren ungefähr im selben Alter, Mitte dreißig, und nach der neuesten Mode gekleidet. Mit ihren Hochsteckfrisuren, ihren verspielten Handtaschen und eleganten Schuhen hätten sie eher in ein Café am Spreeufer oder in eine Theaterpremiere gepasst als hierher. Im Gegensatz zu den Leuten um sie herum sprachen sie kein Wort, sondern schauten nur auf die blonde Frau auf der Anklage

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