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Bergkristall - Folge 267 Die Schwestern vom Ziller-Hof von Burger, Marianne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.09.2016
  • Verlag: Bastei Lübbe
eBook (ePUB)
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Bergkristall - Folge 267

'Es wird Zeit, Franzl, dass ich dem Vater die Wahrheit sag', flüstert die junge Afra ihrem Franz zu, einem kräftigen Bursch mit krausem, braunen Haar und dunklen Augen. Doch ihre Stimme klingt besorgt und bebt ein klein wenig, denn noch weiß ihr jähzorniger Vater nichts davon, dass Afra Ziller und der Bittinger-Franz sich einig sind. 'Erst am letzten Sonntag hat er wieder gesagt, dass der Haberthaler-Sepp aus Neureuthen ein Auge auf mich geworfen hätte und dass er bald herkommen will, um mir einen Antrag zu machen.'

Franz nickt bedächtig. 'Mei, Afra, zwingen kann dich der Vater ja net, den Sepp zu heiraten. Aber es wird einen harten Streit geben, wenn du ihm sagst, dass wir zwei uns einig sind. Dein Vater hasst alles, was Bittinger heißt.'

Noch ahnen die beiden Verliebten nicht, was auf sie zukommt, denn bei einem Konflikt wird es nicht bleiben. Afras Vater und Sepp Haberthaler sind noch zu ganz anderem fähig ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 64
    Erscheinungsdatum: 20.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732535729
    Verlag: Bastei Lübbe
    Größe: 1211kBytes
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Bergkristall - Folge 267

Die Abendglocken läuteten im Tal von Tanners. Allenthalben hielten die Menschen in ihrer Arbeit inne, um das Ave-Maria zu beten. Auch die beiden jungen Leute, die droben, hoch über dem kleinen Dorf, in der Tannecker-Hütte beisammensaßen, falteten die Hände und sprachen jeder still für sich ihr Gebet, wie es Brauch war.

Als das Läuten verklungen war und der sanfte Abendwind ein leises Echo vom Felsmassiv des Tannerkogel zurückwarf, hob Afra Ziller langsam den Kopf und strich sich eine blonde Haarsträhne aus der Stirn. Ihre blauen Augen suchten den breitschultrigen jungen Mann, der ihr gegenübersaß. Liebe und Zärtlichkeit lag in Afras Blick.

"Es wird Zeit, Franzl, dass ich dem Vater die Wahrheit sag", sagte sie nun leise, doch ihre Stimme klang besorgt und bebte ein klein wenig. "Erst am letzten Sonntag hat er wieder so dahergeredet, dass der Haberthaler-Sepp aus Neureuthen ein Auge auf mich geworfen hätte und dass er bald herkommen will, um mir einen Antrag zu machen."

Franz Bittinger, ein kräftiger Bursch mit krausem, braunen Haar und dunklen Augen, nickte bedächtig.

"Mei, Afra, zwingen kann dich der Vater ja net, den Sepp zu heiraten. Aber es wird einen harten Streit geben, wenn du ihm sagst, dass wir zwei uns einig sind. Dein Vater hasst alles, was Bittinger heißt."

"Aber du kannst doch nix dafür, Franzl, dass mein Vater und der deine damals aneinander geraten sind, weil sie beide dasselbe Dirndl gerngehabt haben!", ereiferte sich Afra Ziller.

Franz zuckte mit den breiten Schultern.

"Na ja, seinerzeit wollte es der Ziller-Beatus halt net einsehen, dass die Malli Fastel ihm eine Abfuhr erteilt hat - ihm, dem größten Bauern im Dorf! Dein Vater hat's bis heute noch net verwinden können, dass sie den bettelarmen Holzfäller Ferdl Bittinger genommen hat!"

"Aber es hilft ja nix, sagen muss ich es ihm doch", murmelte Afra, und ihre Finger nestelten unruhig am Samtmieder.

"Und dann ist da noch etwas, Afra, das wir bedenken müssen", fuhr Franzl fort und seufzte, "dass meine Mutter so wunderlich geworden ist, seitdem der Vater gestorben ist, das ist auch so eine dumme Sache. Ich weiß wohl, dass man sie drunten im Dorf eine alte Hexe schimpft, obwohl sie doch gar nix Böses tut, sondern, im Gegenteil, den Leuten hilft, wenn Mensch oder Vieh krank ist."

Afra blickte Franz verständnisvoll an und nahm seine Hand.

"Aber weil sie seit Vaters Tod nimmer zur Kirche geht, ist sie dem Pfarrer ein Dorn im Auge, und man heißt sie eine! Sogar die Leute, denen sie geholfen hat, wollen beim helllichten Tag nix mit meiner Mutter zu schaffen haben. Nur bei Dunkelheit trauen sie sich auf den Bittinger-Hof, wenn sie Hilfe brauchen."

Afra Ziller nickte stumm, sie hatte Angst vor der Unterredung mit ihrem Vater, die sich jetzt nicht mehr länger aufschieben ließ. Der alte Ziller war ein Despot, auf seinem Hof galt kein anderes Gesetz außer seinem Wort, und wehe dem, der sich widersetzte!

Ihre Schwester Vroni hatte den Jäger Schorsch Brunner auserkoren, und damit war Beatus Ziller einverstanden, denn der Brunner war im Dorf überall beliebt, und in Kürze würde er zum Oberjäger ernannt werden. Das bedeutete eine kräftige Gehaltsaufbesserung und eine schöne Dienstwohnung im Forsthaus am Tannerkogel. Und später würde Schorsch Brunner sogar Forstmeister werden.

Franzl Bittinger erhob sich und trat zu dem Mädchen. Er legte behutsam seine großen, warmen Hände um ihr Gesicht und sah ihr tief in die Augen.

"Schau doch net so traurig drein", raunte er. "Du musst auch ein bisserl Gottvertrauen haben, dann wird sich schon alles einrenken! In zehn Monaten wirst du achtzehn Jahre alt, dann kann dir der Vater nix mehr aufzwingen, und du kannst heiraten, wen du willst ... Wenn du mich bis dahin noch lieb hast", setzte er leise hinzu.

"Wie kannst du nur so was Dummes sagen?", flüsterte Afra. Ihre Augen schimmerten feucht, sie schmiegte sich

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