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Blutorangen Roman von Boos, Verena (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.03.2015
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
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Blutorangen

'Verena Boos verbindet großes Erzähltalent mit historischer Präzision.' Jan Brandt Für die junge Spanierin Maite ist das Studium in München vor allem eine Chance, ihrem konservativen Elternhaus zu entfliehen. Ihre Heimat Valencia, berühmt für den Handel mit makellosen Orangen, wird ihr allmählich fremd. Sie verliebt sich in Carlos, der aus einer deutsch-spanischen Familie stammt, und befreundet sich mit seinem Großvater Antonio. Der alte Emigrant berichtet von nie gehörten Ereignissen und erzählt doch nicht alles. Eines Tages wird aus der Zuhörerin eine Fragerin: Wie gelangte ihr Vater in eine deutsche Uniform? Ausgezeichnet mit dem Mara-Cassens-Preis für das beste Debüt, Debütpreis des Buddenbrookhauses Lübeck, Grimmelshausen-Förderpreis und dem Gerhard-Beier-Preis. 'Verena Boos verknüpft deutsche und spanische Geschichte über einen Zeitraum von achtzig Jahren hinweg, mit Eindringlichkeit und narrativer Vielfalt. Der Leser hält einen erstaunlichen und höchst lesenswerten Debütroman in den Händen, der mit einer enormen Stoffvielfalt aufwartet, wie man sie nur von großen Romanciers kennt.' Thomas Lehr. Verena Boos, 1977 in Rottweil geboren, lebt in Frankfurt. Studium der Anglistik und Soziologie, Promotion in Zeitgeschichte. Mehrjährige Aufenthalte in Italien, Großbritannien und Spanien. Arbeit als Journalistin, Referentin und Autorin. Teilnahme am Klagenfurter Literaturkurs und der Schreibwerkstatt der Jürgen Ponto-Stiftung. Sie wurde für die Bayerische Akademie des Schreibens ausgewählt und las beim Open Mike.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 09.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841208835
    Verlag: Aufbau-Verlag
    Größe: 4667 kBytes
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Blutorangen

Der Druck seiner Hände

August 1990

Kommt er? Irene, der Chauffeur, die Mittagssonne und sie. Warten, ob er nun mitfährt. Die Sommerhitze ist plump, wölbt sich über den Asphalt und verflüssigt sich an den Rändern. Sie verflüssigt auch Geräusche, ein Auto, Liedfetzen, around the world ya ya ya , fährt vorbei. Maite zieht am Ausschnitt ihrer Bluse und lässt Luft an ihre Haut, aber auch das bringt keine Erleichterung. Es sind kaum Menschen auf der Straße. Essenszeit. Ein Hund pinkelt an eine Palme, die Bewässerungsschläuche an den Stämmen sind trocken. Der Chauffeur hat in der zweiten Reihe geparkt und blockiert eine Spur. Irene hält ihr Gesicht in den Luftstrahl der Klimaanlage. Der Chauffeur steht in der Sonne und hat die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Weil Maite sich nicht in den Wagen setzt, tut er es auch nicht.

Es ist wie immer. Es hätte einfacher sein können. Doch Maite wollte, dass er weiß, dass sie in München nicht ins Spanische Kolleg zum Heiligen Apostel Jakobus zieht. Stattdessen hat sie sich in der Studentenstadt angemeldet. So verlief ihr letzter Vormittag zu Hause wie immer. Seine flache Hand, die auf den Tisch niederfuhr, dass das Besteck klirrte. Seine laute Vaterstimme und ihre schrille Tochterstimme. Irene, die ihren kümmerlichen Hals zwischen die Schultern zog. Der Blick von Mama zu ihr, immer zu ihr, und ihr Machtwort: "¡Teresa!¡Ya está!"

Ihr Vater warf seine Serviette auf den Teller, wo sich das Leinen mit Olivenöl vollsog. Er stand auf und ging, sie hörte die Schlafzimmertür knallen. Ihre Mutter fischte die Serviette aus der goldgrünen Lache.

Immerhin nannte Mama sie noch nicht Maria Teresa. Maria Teresa ist höchste Alarmstufe bei ihrer Mutter und Normalzustand bei ihrem Vater, der auf dem vollen, doppelten, gut katholischen Namen beharrt, so viel Zeit muss sein. Irene ist es egal, sie hat sich an die Kurzform gewöhnt, wie sie sich immer an alles wird gewöhnen können. Sie wird heiraten und unter die Obhut eines anderen Mannes wechseln. Ihr älterer Bruder denkt wie der Vater und ruft sie natürlich auch wie dieser, der andere ist schon so lange fort und so selten hier, dass es keine Rolle spielt, bei welchem Namen er sie nennt. Maribel stellt sich auf niemandes Seite, sie sagt hija mía und mi niña . Mama lässt zumindest die Jungfrau Maria weg.

Sie schaute Maite durchdringend an. "Was ist?", wiederholte sie Maites Frage, als äffte sie sie nach. Irene kicherte. Sie hatte ihren Hals noch nicht wieder aus den Schultern geschoben. "Und du sei still!" Der militärische Ton hat bei Irene schon immer besser funktioniert. "Im Ernst? Was hast du dir dabei gedacht?"

"Alle Studenten wohnen da. Du bekommst als Erasmus einen Platz, quasi automatisch. Da leben deutsche und ausländische Studenten zusammen. International. Viel gemischter." Keine Kontrolle. Sie will nicht in einem spanischen Wohnheim wohnen. Wenn sie endlich nach München kommt, noch dazu in dieser aufregenden Zeit, will sie sich nicht in einer Art Konvent einsargen lassen, wo täglich Eucharistie gefeiert wird und Musik auf den Zimmern verboten ist. Könnte sie ja gleich hierbleiben. "Willst du deutsch sprechen oder international gemischt sein? Na?"

Maribel räumte den Tisch ab. Maite schüttelte den Kopf und hielt ihren Teller fest. Sie trägt ihr Geschirr immer selbst in die Küche. Ihr Vater spottete, dann dürfe sie auch nicht essen, was Maribel einkauft und zubereitet, Maite spuckte damals das Essen zurück auf den Teller. Sie kaufte trocken Brot im Laden um die Ecke, musste sich trotzdem zu den Mahlzeiten zu ihnen setzen. Maribel, um die es doch ging, konnte sie nicht verstehen, nannte sie albern und steckte ihr etwas zu, eine Orange hier, ein Sandwich dort. Mama legte eines ihrer Machtworte ein. Seither isst Maite, was auf den Tisch kommt, lässt sich aber nicht von Maribel bedienen und trägt ihr Geschirr selbst in die Küche.

"La

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