text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Brief eines Seelenverkäufers von Sørensen, Jens Smærup (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.12.2014
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
3,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Brief eines Seelenverkäufers

'Welches Gehör, welche Erotik, welche Lust zu töten. Dänische Literatur in Exportklasse A.' - Weekendavisen Jens Smærup Sørensen ist ein großartiger Erzähler, der den Leser gern an der Nase herumführt. Es beginnt immer völlig harmlos: Es kommen Menschen zu Wort, die, ausgehend von ihrer jetzigen Lebenssituation, vom entscheidenden Wendepunkt in ihrem Leben erzählen. Diese Wendepunkte sind für die Figuren wie plötzlich auftauchende Wendebojen beim Segeln - eine kleine, oftmals zufällige Bewegung genügt, und schon lenkt der Wind sie von ihrer vorgezeichneten Bahn ab. Dies geschieht plötzlich und unerwartet. Die Geschichten kippen und zeigen Menschen voll Neid und Missgunst und dem Wunsch, andere tot zu sehen. Ein echtes Lesevergnügen! ÜBER DEN AUTOR Jens Smærup Sørensen hat eine große Anzahl von Romanen und Erzählungsbänden veröffentlicht und war etliche Jahre Hausdramatiker am Theater in Århus. In seinem Schaffen setzt er sich mit gesellschaftlichen Entwicklungen und Phänomenen im heutigen Dänemark auseinander. Im Mittelpunkt steht häufig das Aufeinanderprallen einer bäuerlich geprägten Gesellschaft mit ihren traditionellen Werten und dem modernen Individuum, das nach Karriere, materiellem Erfolg und Anerkennung strebt. Zweimal wurde Jens Smærup Sørensen bereits für den Literaturpreis des Nordischen Rates nominiert: 1993 für den Erzählband 'Brief eines Seelenverkäufers' und 2007 für den Roman 'Mærkedage' (Gedenktage). PRESSESTIMMEN 'Welches Gehör, welche Erotik, welche Lust zu töten. Dänische Literatur in Exportklasse A.' - Weekendavisen 'Brief eines Seelenverkäufers ist gespickt mit künstlerisch scharf geschliffenen Diamanten, deren Berührung schmerzt ... Es kocht und brodelt wie in einem schwelenden Vulkan ... nichts Geringeres als ein meisterhaftes Buch.' - Politiken 'Das ironische Spiel mit der Rolle des Erzählers ist das Hauptkennzeichen von Smærup Sørensens Erzählungen, deren umständlicher Stil zur durchdachten Parodie wird. Indem seine Helden einem anderen schreiben, schreiben sie über sich selbst: überhebliche Machtmenschen, denen irgendwann aufgeht, dass sie keine Macht mehr haben und den Leuten auf die Nerven fallen.' - Frankfurter Allgemeine Zeitung

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 215
    Erscheinungsdatum: 09.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711327258
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 709 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Brief eines Seelenverkäufers

Ich bitte dich

Ob es Gott gibt, liebe Bodil, ist doch eine Frage, die heutzutage die Aufmerksamkeit der wenigsten in Anspruch nimmt. Ich habe nur ganz zufällig daran gedacht. Oder besser gesagt an etwas, worüber ich etwas gelesen habe, über einen Mann nämlich, der im Sterben lag, und der dann plötzlich, dort auf seinem Krankenlager, zu glauben anfing und Gott anbetete. Eine Person, oder wie soll man sagen ein Phänomen, ein Begriff, etwas, summa summarum, das er ansonsten, in seinem gesamten Erwachsenendasein, hatte verleugnen wollen. Genau in diesem Punkt hatte er sogar einen besonders augenfälligen Mangel an Gewandtheit an den Tag gelegt.

Persönlich habe ich nie etwas gegen Gott gehabt. Ob es den Betreffenden nun gibt oder nicht. Eine Wende dieser Art konnte für mich also nicht in Frage kommen. Mir ist es nur eingefallen, jetzt, wo ich selbst so daliege. Weil doch auch ich eine Wende vollzogen habe, vor kurzem, wie ich dir erklären muß. Und weil es hier im Bett für mich besonders wichtig geworden ist, auf neue Art verstanden zu werden. Als, ja, als sympathisch betrachtet zu werden. Nichts Geringeres.

Das wurde ich nämlich niemals, wirklich niemals zuvor, nicht soweit ich mich erinnern kann. Und ich war es wohl auch nie, ich meine sympathisch, wohl auch nicht in der Zeit, an die ich mich nicht erinnere. Ich war bestimmt drei oder vier Jahre alt, als es mir klar wurde. Als ich klar vernahm, daß ich andere Menschen befremde.

Es war eine meiner vielen Tanten, die es als erste zum Ausdruck brachte. Sie saß mit etlichen der anderen im Gartenzimmer. Ich ging zwischen ihren Knien umher und betrachtete ihre Näharbeitshände und ihre reingewaschenen Gesichter im Sommertageslicht. Es war, als hätte Seife ihre Haut dünn geschliffen. Dann brach sie endlich das Schweigen, jene Tante, die direkt hinter mir saß. Sie sagte: Ich konnte diesen Jungen noch nie leiden!

Ich bin mir ziemlich sicher, daß ich mich an den Wortlaut erinnere. Ich bin mir auch fast sicher, daß meine Mutter in diesem Augenblick gerade nicht anwesend war. Und da war niemand, der Einspruch erhob. Ich sah all ihre stummen Augen auf mir ruhen. Ich sah vielleicht einen einzigen Mund, der mir quasi zulächeln wollte. Doch niemand widersprach meiner Tante. Ich konnte nicht daran zweifeln, daß sie ausgesprochen hatte, was wohl alle dachten.

In den folgenden Jahren sollte ich das ein ums andere Mal bestätigt bekommen. Wohl selten so direkt; in meinem ganzen Leben ist es verblüffend selten passiert, daß jemand so unverblümt gesagt hat, was offenbar alle gefühlt haben. Eher war es so, daß sich die Leute von mir ferngehalten haben, persönlich sozusagen. So wie du es ja auch getan hast, Bodil. Versteh mich nicht falsch! Du hast mich tadellos gepflegt. In allerbester Übereinstimmung mit den Anforderungen, die dein Beruf dir stellt.

Schon damals, in meiner Schulzeit, war ich keiner Diskriminierung ausgesetzt. Ich gehörte beispielsweise nie zu den Bedauernswerten, auf die zuletzt gedeutet wurde, wenn die Anführer auf dem Fußballplatz ihre Mannschaften wählten. Denn ich war ein mehr als brauchbarer Flügelstürmer, und insofern hatte niemand etwas dagegen, mit mir zusammenzuspielen. Ähnlich hat es mir auch später, in meinem Berufsleben, nie an kooperationswilligen Partnern gemangelt. Sie haben es bloß unterlassen, mit mir kollegial zu verkehren. Sie konnten es wohl irgendwie nicht. Konnten es nicht über ihre Herzen bringen, wie man vermutlich sagt.

Nach all diesen Jahren verstehe ich immer noch nicht, warum. Warum ich so auf andere wirke. Ich habe ehrlich gesagt recht früh aufgegeben. Zu verstehen, was vonnöten wäre, um anders wirken zu können. Denn ich darf wohl sagen, daß ich ganz gut aussehe. Oder aussah, ehe ich hier in Therapie kam, und ich war und bin wohl auch nicht besonders maliziös, oder wie man es auch nennen mag, ich meine, im Grunde genommen habe ich anderen nie etwas Böses gewollt.

Verstehst du, Bodil,

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen