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Celia Garth von Bristow, Gwen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.03.2017
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Celia Garth

Die junge Waise Celia Garth lebt nach dem Tod ihrer Eltern bei Verwandten, die sie jedoch lieblos behandeln und als billige Haushaltshilfe ausnutzen. Celia nimmt ihren Mut zusammen, entflieht der Abhängigkeit und baut sich als Schneiderin eine unabhängige Existenz in Charleston auf. Als sie den jungen Offizier Jimmy trifft ist ihr Glück perfekt. Doch dann bricht der Unabhängigkeitskrieg aus und nichts ist mehr so wie es war... Ein großer historischer Roman, der in dramatischen Bildern die Wirren des Bürgerkriegs schildert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 570
    Erscheinungsdatum: 03.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732527809
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1863 kBytes
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Celia Garth

Erstes Kapitel

C elia Garth hatte blondes Haar und braune Augen. Das Haar war voll und weich und hatte einen goldenen Schimmer. Die Augen waren dunkel und blickten frisch und munter in die Welt. Sie hatte eine gute Figur, war stolz darauf und pflegte gerade und aufrecht zu gehen. Ihr Gesicht war sehr lebendig und von etwas unregelmäßigem Schnitt: ein eigensinniger Mund, ein eckiges Kinn und eine kecke, gerade Nase mit Sommersprossen. Es war kein klassisches Gesicht, aber es verriet Temperament, Schwung und gesunden Mutterwitz. Wenn sie das Kinn vorstreckte und das Näschen aufwarf, war man versucht, sie Fräulein Naseweis zu nennen.

Celia war zwanzig Jahre alt. Jetzt, im September 1779, war sie seit drei Monaten Lehrmädchen in Mrs. Thorleys Modesalon in Charleston, Südkarolina. Als sie an diesem Morgen vor dem Frühstück zu Mrs. Thorley ging, um ihre Anweisungen für den Tag entgegenzunehmen, bemühte sie sich, ein sanftmütiges Gesicht aufzusetzen. Dies gelang ihr nicht, aber sie wirkte unzweifelhaft interessant.

Sie trug das blonde Haar aus der Stirn zurückgekämmt; es wellte sich, sorgfältig gebürstet, unter einem flotten kleinen Käppchen aus weißem Batist. Ein weißes, über dem Busen verknotetes Halstuch deckte ihre Schultern. Das Material ihres Kleides bestand aus handgesponnenem Leinen. Dieses Leinen, von den Flachsbauern in Kingstree gewebt und in Ballen nach Charleston transportiert, war derb, billig und ziemlich gewöhnlich, aber an Celia wirkte es keineswegs so.

Die natürliche Farbe des Stoffes war ein schmutziges, unansehnliches Braun, aber Celia hatte ihn so lange gewaschen und gebleicht, bis aus dem Braun ein zartes Beige wurde, das ausgezeichnet zu ihren dunklen Augen und ihrem hellen Haar passte. Das Mieder schmiegte sich wie Satin um Brust und Taille. Die Ärmel fielen in tiefen, weißen Rüschen fast bis zu den Handgelenken herab. Der Rock bauschte sich graziös wie eine Glockenblume und war kurz genug, um ein paar Zentimeter ihrer weißen Strümpfe und ihre schwarzen Schnallenschuhe sehen zu lassen. Celia hatte in ihrem ganzen Leben kein kostbares Kleid besessen, aber sie liebte schöne Kleider, wie sie in ihre eigene hübsche Erscheinung verliebt war, und legte großen Wert darauf, immer sauber und adrett auszusehen.

Die Inhaberin des Modesalons, Mrs. Thorley, saß an ihrem Schreibtisch. Celia stand vor ihr und beantwortete jede ihrer Äußerungen mit einem gehorsamen: "Jawohl, Madam!" Dabei hatte sie hinter ihrem naseweisen Gesicht naseweise Gedanken. Sie versuchte sich vorzustellen, wie Mrs. Thorley von einem Mann geküsst würde. Sie musste unzweifelhaft einmal geküsst worden sein, denn sie war Mrs. Thorley und also einmal verheiratet gewesen, aber Celia vermochte sich das Bild nicht auszumalen. Mrs. Thorley war eine stattliche, ziemlich korpulente Dame; ihr gestärktes graues Kleid umgab sie wie eine Ritterrüstung, und ihre gestärkte weiße Haube saß wie ein Helm auf ihrem Kopf. Sie hatte blaue Augen, schiefergraues Haar und eine tiefe, grollende Stimme. Celia fragte sich, was für eine Art Mann Mr. Thorley wohl gewesen sein mochte. Es war nicht weiter wichtig, denn wie immer er ausgesehen hatte, die bloße Vorstellung, wie Mrs. Thorley von einem Mann umarmt wurde, war fürchterlich.

Celia war des Öfteren geküsst worden, allerdings nicht während der Monate, da sie hier im Modesalon tätig war. Mrs. Thorley war streng und hatte gewisse unwandelbare Grundsätze. Sie beschäftigte nur Mädchen aus ehrbaren und angesehenen Familien. Angestellte, deren Angehörige nicht in Charleston ansässig waren, wohnten in ihrem Haus und wurden wie Zöglinge eines Internates gehalten. Mrs. Thorley war sehr stolz auf die Sorge, die sie ihren Mädchen angedeihen ließ. (Sie pflegte von ihren Näherinnen stets als von ihren 'Mädchen' oder ihren 'jungen Damen' zu sprechen, obwohl einige von ihnen die vierzig bereits überschritten hatten.)

Mrs. Thorley wies Celia an, zu

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