text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Das bretonische Haus der Lügen Roman von Löw, Mia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.03.2019
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Das bretonische Haus der Lügen

Seit ihrer Kindheit verbringt Adrienne jeden Sommer im bretonischen Ferienhaus ihrer Adoptivmutter Eva. Bis es dort zu einem dramatischen Zerwürfnis zwischen den beiden Frauen kommt, weil sich Adrienne ausgerechnet in Jannis, Evas Sohn, verliebt. Doch als Eva die junge Ärztin Jahre später zu ihrem sechzigsten Geburtstag in das Anwesen einlädt, reist Adrienne im Irrglauben, das Vergangene würde sie nicht mehr berühren, an die Côte de Granit Rose. Aber kaum angekommen, brechen alte Wunden auf, und sie kommt einem erschütternden Geheimnis auf die Spur ... Mia Löw hat Jura und Germanistik studiert und als Anwältin und Regieassistentin am Theater gearbeitet. Heute schreibt sie (unter anderem unter Pseudonym) erfolgreiche Neuseelandsagas, Familiengeheimnis- und Liebesromane. Sie lebt mit ihrer Familie und Hund in Hamburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 01.03.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492991469
    Verlag: Piper Verlag
    Größe: 5433 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Das bretonische Haus der Lügen

Prolog

Riquewihr, Elsass, Juli 1985

An diesem Hochsommertag lag eine bleierne Hitze über dem Weinort, der wegen seines unversehrt aus dem sechzehnten Jahrhundert erhaltenen Stadtbilds als eines der schönsten französischen Dörfer galt. Im Stadtkern reihten sich die Fachwerkhäuser zu einer malerischen Kulisse aneinander.

Doch von der Schönheit dieser Perle der elsässischen Weingegend nahm Caroline wenig wahr. Wie getrieben eilte sie durch die Gassen, um zu ihrem Ziel zu gelangen. Jean hatte ihr einen Stadtplan zukommen lassen, in den er die Adresse eingezeichnet hatte. Und er hatte sie angewiesen, den Wagen unten im Ort zu parken und den Weg bis zu dem etwas außerhalb liegenden Haus zu Fuß zurückzulegen.

Sie trug einen großen Sonnenhut und wirkte in ihrem Modellkleid wie eine elegante Touristin. Niemand hätte sie für eine gesuchte Sympathisantin der Action directe gehalten, einer linksradikalen Untergrundorganisation. Unter ihrer damenhaften Verkleidung lief ihr der Schweiß allerdings den Nacken hinunter. Und das lag nicht nur an der sommerlichen Hitze, sondern an ihrer inneren Anspannung und der Angst, enttarnt zu werden, bevor sie sich freiwillig stellen konnte. Denn nur zu diesem Zweck hatte sie ihr Versteck im Schwarzwald verlassen und war über einen Riesenumweg schließlich im Elsass angekommen, um ihren Geliebten zu treffen. Gemeinsam wollten sie sich den französischen Behörden stellen. Sie war auf dem Weg dorthin über die Bretagne gefahren, um in Evas Ferienhaus noch einmal ... sie konnte den Gedanken nicht zu Ende denken, ohne in Tränen auszubrechen.

Da fiel ihr ein, dass sie Eva anrufen sollte, sobald sie in Riquewihr angekommen war. Also steuerte sie auf ein Weinlokal zu, das um die Mittagszeit bis auf den letzten Platz besetzt war.

"Darf ich wohl einmal kurz Ihr Telefon benutzen?", fragte sie in akzentfreiem Französisch, denn sie hatte zwei Jahre Philosophie und Geschichte an der Sorbonne studiert und später an einer internationalen Schule in Paris Deutsch und Geschichte unterrichtet.

Der Kellner reichte ihr das Telefon, und sie wählte Evas mobile Nummer, die sie auswendig kannte. Die Freundin wirkte seltsam hektisch, als wäre sie auf der Flucht. "Wann wirst du denn im Haus sein, Caro?", wollte sie statt einer Begrüßung wissen.

"In zehn Minuten bin ich dort. Ich melde mich, sobald es vollbracht ist und ich telefonieren darf", erwiderte Caroline knapp. Sie wollte sich nicht allzu lange in diesem Lokal aufhalten. Ihre Angst, dass man sie fasste, bevor sie freiwillig aussteigen konnte, gewann immer mehr Macht über sie. Wahrscheinlich würde sie erst aufatmen, wenn Jean wie verabredet bei Einbruch der Nacht zu ihr gestoßen war.

Caroline legte ein paar Münzen auf den Tresen und bedankte sich, bevor sie fast fluchtartig das Restaurant verließ. Sie entspannte sich merklich, als sie das Ortszentrum hinter sich gelassen hatte und auf der einsamen Dorfstraße keinem Menschen mehr begegnete. Zum ersten Mal seit ihrer Ankunft im Elsass nahm sie auch ganz bewusst den typischen Geruch von Holzkohle wahr, der zu jeder Jahreszeit über den elsässischen Weindörfern waberte. Ein wehmütiger Gedanke an die Frankreichreisen mit ihren Eltern, die oft auch durch das Elsass geführt hatten, überkam sie. An damals, als die Welt noch in Ordnung gewesen war und sie in ihrem Vater den liebevollen Patriarchen gesehen hatte ... Damals, als sie nicht geahnt hatte, dass er seinen Reichtum der sogenannten Arisierung zu verdanken hatte. Und dass nicht seine Familie das erfolgreiche Kaufhaus gegründet hatte, sondern die jüdische Familie Weizmann, die enteignet worden war. Später hatte man dann frech behauptet, der Verkauf sei völlig freiwillig erfolgt. Noch immer stieg eiskalte Wut in ihr auf, wenn sie sich vorstellte, wie sich ihr Großvater das Unternehmen seines ärgsten Konkurrenten unter den Nagel gerissen hatte.

Sof

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen