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Das Café der kleinen Kostbarkeiten Roman von Steinbach, Jan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.09.2018
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)

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Das Café der kleinen Kostbarkeiten

Der Duft von Zimt und Liebe. Auf der Flucht vor der Trauer um ihren verstorbenen Mann reist Luise nach Lübeck, um dort Weihnachten zu verbringen. Sie, die selbst leidenschaftlich backt, lernt den Marzipanbäcker Ludwig kennen, in dessen einladendem Café sie ihre Einsamkeit zu vergessen vermag. Und über köstlichen Backwaren aus Marzipan und dem Duft von Zimt und Vanille geschieht, womit keiner der beiden gerechnet hätte - sie verlieben sich. Aber Luise scheut den Neuanfang, zu groß ist ihre Angst vor neuem Kummer. Doch Ludwig will sie nicht ziehen lassen und hofft auf ein Weihnachtswunder ... Eine zauberhafte Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die nicht mehr mit der Liebe rechnen. Mit köstlichen Weihnachtsrezepten. Jan Steinbach, geboren 1973, ist das Pseudonym eines erfolgreichen deutschen Schriftstellers, der bei einer Reise an die Ostsee seine Leidenschaft für Lübeck und Travemünde entdeckte. Inspiriert von Marzipan und Weihnachtszauber entstand die Idee für diese weihnachtliche Liebesgeschichte. Bei Rütten & Loening erschienen zuletzt "Willems letzte Reise" und "Das Café der kleinen Kostbarkeiten".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 14.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841215871
    Verlag: Aufbau Verlag
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Das Café der kleinen Kostbarkeiten

Kapitel eins

H inter den Fenstern des Einfamilienhauses blieb alles unbewegt. Keiner hatte sie entdeckt. Luise umklammerte ihren Stapel Vorratsdosen und warf die Tür des Taxis hinter sich zu. Der Taxifahrer hupte gutgelaunt und fuhr mit quietschenden Reifen davon. Der Mann mit dem Schnauzer und der Halbglatze hatte die ganze Fahrt über geredet, über das Wetter, die schlechtgelaunten Fahrgäste in der Vorweihnachtszeit, über Straßen, die nicht repariert würden, und was von der Stadtverwaltung im Allgemeinen zu halten sei, und nicht im Geringsten bemerkt, wie unruhig und abwesend Luise war. Zögernd wandte sie sich nun zum Haus, voller Angst vor dem, was nun kommen würde. Eine einsame Schneeflocke tanzte vor ihrer Nase, wirbelte eine Weile durch die feuchtkalte Luft und landete auf dem Bürgersteig, wo sie augenblicklich schmolz und Teil eines schmutzigen Rinnsals wurde, das sich auf einen Gully zubewegte.

Luise ärgerte sich über sich selbst. Sie hatte das Gefühl, für diese Sache ihren ganzen Mut zusammennehmen zu müssen, wie ein Kind, das sich gegen seine Eltern durchsetzen wollte. Dabei war doch das Gegenteil der Fall. Man sollte denken, mit ihren fünfundsechzig Jahren wäre sie alt genug, um nur sich selbst und sonst keinem mehr Rechenschaft geben zu müssen. Trotzdem fiel es ihr nicht leicht, die Klingel zu drücken. Sie wollte sich in Erinnerung rufen, weshalb sie dies tat. Oder besser, für wen. Sich sein Lächeln vor Augen halten. Das würde ihr Unbehagen mildern.

Ein tiefer Gong schallte durchs Haus. Kurz darauf stand ihre Schwiegertochter Dagmar in der Tür. Sie wirkte abgekämpft, wie so oft. Die Haare hatte sie zum Pferdeschwanz gebunden, die Ärmel der Bluse waren hochgekrempelt, und ein leicht verkniffener Zug lag auf ihrem Gesicht. Als wäre sie nicht zufrieden mit der Richtung, die ihr Leben eingeschlagen hatte, und hätte sich doch damit abgefunden, daran nichts mehr ändern zu können. Sie war erst Anfang vierzig, doch ihr Job als Ärztin im Krankenhaus, die beiden Kinder, die sie auf Trab hielten, und dazu noch die Arbeit im Haushalt, bei der ihr Ehemann, Luises Sohn, zu deren Schande nicht nennenswert half, ließen sie älter aussehen. Sie versuchte zu lächeln, als sie ihre Schwiegermutter sah. Es misslang ihr.

"Luise. Da bist du ja. Komm rein. Ist ja ein scheußliches Wetter. Soll ich dir die Dosen abnehmen?"

"Es geht schon. Das schaffe ich."

Dagmar wandte sich zur Garderobe und schien ihre Schwiegermutter augenblicklich vergessen zu haben.

"Marie!", rief sie ärgerlich. "Dein Schulranzen liegt hier immer noch. Wann willst du eigentlich deine Hausaufgaben machen? Du bist schon viel zu spät dran." Und weil sie keine Antwort bekam, wurde sie lauter. "Marie!"

"Ja doch", kam es genervt von oben. "Ich komme ja schon."

"Komm rein, Luise. Du holst dir noch den Tod da draußen."

Im Mantel folgte Luise ihrer Schwiegertochter, die mit großen Schritten durchs Haus marschierte. Es ging durch das weitläufige Wohnzimmer, das man auf dem Weg zu der offenen Küche zu durchqueren hatte. Maries jüngerer Bruder Lukas lag auf dem Sofa und spielte mit dem Handy. Er löste seinen Blick nur für eine Sekunde vom Display, um zu sehen, wer da gekommen war, dann forderte das Handy wieder seine ganze Konzentration ein. "Hi Oma", murmelte er kurz, bevor er wieder abgetaucht war.

"Lukas!", schimpfte Dagmar. "Die Füße vom Tisch! Wo sind wir denn hier?"

Er stöhnte, als wäre seine Mutter eine einzige Zumutung, dann ließ er die Beine vom Tisch rutschen wie ein Bergarbeiter, der nach zwölf Stunden harter Arbeit im Schacht zu keiner Bewegung mehr fähig war. Luise hielt sich weiterhin an ihren Blechdosen fest. Sie durfte nicht vergessen: Es war ihre Entscheidung. Es gab nichts, wofür sie sich entschuldigen musste.

"Sag Papa, dass Oma da ist. Jetzt mach schon. Er ist oben in seinem Arbeitszimmer."

Wieder ein lautes Stöhnen. Zuerst sah es nicht so

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