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Das erste Fest von Buckwar, Nastasja (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Das erste Fest

Der Alte ist tot. Endlich. Mehr als ein halbes Jahrhundert des Missbrauchs und des Martyriums sind vorbei. Aber nicht in den Köpfen. Die Familienmitglieder, die das überlebt haben, wollen nun den neuen Lebensabschnitt gemeinsam feiern. Eine Familiengeschichte über Verlust, Elend und Leid - und der Suche nach einem Funken Hoffnung. Nastasja Buckwar wurde 1986 in Berlin geboren und absolvierte erfolgreich eine Ausbildung zur kaufmännischen Assistentin. Ihr fiel immer wieder auf, dass sie als Mutter nicht die 100 Prozent leisten konnte, die sie sich stets vorgenommen hatte. Etwas blockierte sie. Sie brach ihr Studium ab, ging nicht mehr zur Arbeit. Stattdessen begab sie sich in Therapie und arbeitete ihr Trauma auf - 14 Jahre sexuellen Missbrauch durch den Großvater. Heute, nach jahrelangem Kampf gegen sich selbst und gegen andere, sagt sie mit Stolz, dass sie eine Überlebende ist. Ihre Erfahrungen - und die anderer Betroffener aus ihrer Familie - hat sie nun zu Papier gebracht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 124
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783744849586
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 694kBytes
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Das erste Fest

eins

"Was soll mit ihm sein?!", antwortete Jella flapsig.

"Jella, was hast du mir verheimlicht?!", fragte Palina ihre Freundin, die neben ihr stand und starr in den Kochtopf starrte. Sie ließ einfach nicht locker: "Jetzt sag schon, was ist passiert, was du mir nicht erzählen wolltest? Oder nicht erzählen konntest?"

Die beiden Frauen hatten sich im Alter von 4 und 6 Jahren beim Spielen vorm Haus kennengelernt. Viele Höhen, Tiefen und Phasen des langen Schweigens hatten sie durchlebt - das Band, was sie seit Kindertagen verband, riss nie.

Jella wusste, dass sie aus der Nummer nicht mehr raus kommen würde: "Formulieren wir es mal so - nach der ganzen Aufregung wegen der Beerdigung, dachte ich mir, dass ich dich damit nicht auch noch voll texten muss." Palina war verwundert; ihr Ton gewann an Dynamik: "Warum sagst du sowas? Wenn ich dich frage, wie es dir geht, dann will ich doch die Wahrheit wissen! Mich interessiert, was in deinem Leben so los ist."

"Ja, ich weiß. Aber ich habe einfach nur Angst, dass dir das dann alles zu viel wird und du keinen Bock mehr hast. Für mich ist das alles 'normal', für andere aber nicht. Und dann - ja dann, verlassen sie dich. Melden sich nicht mehr. Einfach so. Und wir 'kennen' uns fast unser ganzes Leben lang. Auch wir hatten unsere Pausen. Aber ich bin froh, dass ich dich habe; dass wir über so viel alltägliches reden. Zeit füreinander haben. Uns wirklich zuhören.

Dennoch...", sie hielt die Luft an. Sie wollte einfach nicht zu emotional werden.

"Ja, aber das ist doch klar."

"Ja - zwischen uns. Doch dann stehst du da, nach über acht Jahren. Ohne ihn. Einfach so."

Palina stellte die Schüssel, die sie in dem Moment abwaschen wollte, zur Seite. Sie wusste, dass Jella, so wie sie sich mit der Antwort zierte, das Ganze noch immer arg beschäftigen musste. Daher entschloss sie sich, egal wie lange es dauern würde, einfach nicht loszulassen.

"Wie, einfach so. Jetzt komm, sag, WAS ist vorgefallen?" Sie schaute ihre Freundin an, die immer noch in den Kochtopf starrte. "Schau mich an und sprich mit mir! Dafür bin ich da."

"Wenn ich dich nun anschauen würde, würde mir die Zitronencrème verbrennen - und du weißt, wir haben einen Zeitplan, den es einzuhalten gilt."

Palina atmete schwer. In dem Moment wusste Jella, dass sie mit der Sprache rausrücken musste; schließlich wollte sie ihre Freundin nicht explodieren sehen. Sie holte tief Luft.

"Du weißt, ich hatte ihm meine Liebe gestanden."

"...und ausgerechnet an dem Abend musste er dir sagen, dass er mit der Thekenschlampe, ach, verzeih, 'Bardame', was am Laufen hatte. Aber das ist doch nun schon einige Wochen her..."

"Hm..." Tränen schossen Jella in die Augen, sie blinzelte, wischte sich das Augenwasser an der hochgekrempelten Bluse ab. Palina griff nach dem Handtuch, wohlwissend, dass es in den nächsten Minuten anderweitig genutzt werden würde. Jella zog die Zitronencrème zur Seite, machte den Herd aus und drehte sich nun endlich zu ihrer Freundin.

"Was auch immer das eigentlich all die Jahre zwischen uns war. Über all die Jahre entwickelte sich etwas. Etwas tiefes, inniges. Was ich so zuvor noch nicht hatte."

"Wenn ich dich grad sehe, ist es wohl immer noch so."

Palina streichelte ihrer Freundin den Oberarm.

Jella schluckte. Sie versuchte die Tränen zu unterdrücken, "Nein. Es ist eher so, dass ich versuche, ihn nicht zu hassen."

"Du 'versuchst' es?"

"Ja. Ich hätte ihn gern aus meinen Gedanken radiert.

Ehrlich. Auch wenn wir zwischendurch längere Pausen hatten - so viele Jahre vergisst man nicht so leicht. Ich versuche immer, sobald mich was an ihn erinnert und ich am Explodieren bin, einfach an was schönes zu denken, wie z. B. an das leckere Essen beim ersten Date. Oder die Umarmung, als ich das erste mal seit langem vor jemanden weinte und er, der ja nun mal über einen Kopf größer ist, mich ei

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