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Das Fest der kleinen Wunder Roman von Renk, Ulrike (eBook)

  • Verlag: Aufbau Verlag
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Das Fest der kleinen Wunder

Der Geschmack von Pfefferkuchen. Ostpreußen im Winter 1925: Während im Reich alles im Umschwung ist, lebt man auf den Gütern in der ostpreußischen Provinz ein Leben mit den Jahreszeiten. Für Frederike ist es das letzte Jahr auf Gut Fennhusen, bevor sie eine höhere Töchterschule besuchen wird. Sie genießt es, mit ihrem Pony über die abgeernteten Felder zu reiten, den ersten Schnee zu riechen und an den Vorbereitungen für die große Jagd teilzuhaben. Nur Caramell, ihr Lieblingspferd, macht ihr Sorgen - es lässt sich plötzlich nicht mehr reiten. Dann taucht der Besitzer des Nachbarguts auf und möchte es kaufen. Jetzt muss schon ein kleines Wunder geschehen, dass es noch ein fröhliches Weihnachtsfest wird... Zauberhaft und besinnlich - Weihnachten auf Gut Fennhusen. Dieses Buch ist ein abgeschlossener Weihnachtsroman, der in den 20er Jahren auf Fennhusen spielt. Es ist nicht die chronologische Fortsetzung der Serie 'Die Ostpreußen Saga'. Ulrike Renk, Jahrgang 1967, studierte Literatur und Medienwissenschaften und lebt mit ihrer Familie in Krefeld. Familiengeschichten haben sie schon immer fasziniert, und so verwebt sie in ihren erfolgreichen Romanen Realität mit Fiktion. Im Aufbau Taschenbuch liegen ihre Australien-Saga und ihre Ostpreußen-Saga sowie zahlreiche historische Romane vor. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ulrikerenk.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841214782
    Verlag: Aufbau Verlag
    Größe: 2216 kBytes
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Das Fest der kleinen Wunder

Kapitel 1

Laut Kirchenkalender fiel der Erntedanktag dieses Jahr auf den dritten Oktober. Wie immer würden sie den Tag in ihrer Gemeinde begehen. Aber auf Fennhusen endete die Ernte des Getreides immer bereits Mitte September. Es war ein mildes Jahr gewesen und deshalb war die Ernte mit gutem Ertrag eingefahren worden. Und wie jedes Jahr vor der Ernte war die Zahl der Leute, die auf dem Gut beschäftigt wurden, beträchtlich gewachsen, denn die Schnitter kamen - die Erntehelfer. Jetzt, wo die Ernte eingebracht war, würden die Schnitter gen Westen ziehen, dort gab es in den kommenden Wochen noch reichlich Arbeit. Hier auf Fennhusen, in Ostpreußen, kam der Winter früh und war meist hart.

Das wird der Grund sein, dachte Frederike und zog sich ihr neues, schickes Kleid an, weshalb wir die Ernte immer so besonders feiern.

Erst seit wenigen Jahren lebte Frederike mit ihren beiden Halbgeschwistern Fritz und Gerta hier auf dem Gut in Ostpreußen. Und es würde vermutlich ihr letztes Jahr auf Fennhusen sein. Denn Frederike strebte die externe Schulprüfung an - sie wollte nächstes Jahr eine höhere Töchterschule besuchen. Aber das lag glücklicherweise noch in ferner Zukunft - jetzt freute sie sich erst einmal auf das Erntefest, einer der Höhepunkte des Gutsjahres, der nur vom Weihnachtsfest gekrönt wurde. Das Fest war immer schon wichtig gewesen, aber Frederike schien es so, als ob in den letzten Jahren, in den Jahren nach dem großen Krieg, der Europa zerstört hatte, die Feiern wilder und ausgelassener geworden wären.

"Freddy?", rief Mutter von unten. "Kommst du? Wir müssen los."

Frederike warf einen Blick aus dem Fenster in den Hof. Dort stand der Leiterwagen - gefüllt mit Strohballen und geschmückt mit Hopfenreben und Astern, den letzten Blüten des Geißblattes und Schafgarbendolden. Schnell zog sie die Schnallenschuhe an, die sie erst letzte Woche in Bromberg gekauft hatte, nahm ihr Umschlagtuch und hastete nach unten. Dort warteten schon ihre Mutter, der Stiefvater und Fritz und Gerta. Die drei Kleinen, die Kinder der dritten Ehe ihrer Mutter mit Erik von Fennhusen, blieben in der Obhut des Kindermädchens. Irgendwie beneidete Frederike sie. Zuhause war es so behaglich.

Der Leiterwagen fuhr die Familie auf eines der abgeernteten Felder. Wind zog auf und wehte den Getreidestaub hoch, es sah aus, als ob Frauen in dünnen Kleidern über das Feld tanzten. Gerta nieste in einem fort.

"Reiß' dich zusammen", murmelte Stefanie und reichte ihrer Tochter ein Taschentuch. "Es dauert doch nicht lange."

Dann trat einer der Erntehelfer vor.

"Wat seht ihr hier, in meener Hand, ihr alle hier zugejen?

Et iss Kranz der Ernte, wie bekannt, drum danket Jottes Sejen.

Er ist jeschmückt mit Blum' und Band, mit Disteln und mit Dornen,

dies alles schenkt det Vaters Hand ..."

So ging es noch eine Weile, und alle lauschten ehrfürchtig.

Dann sagte der erste Schnitter schließlich:

"Drum spielet nun den Lobjesang:

Nun danket alle Jott"

Sogleich stimmten die Versammelten das Lied an:

"Nun danket alle Gott / mit Herzen, Mund und Händen,

der große Dinge tut / an uns und allen Enden,

der uns von Mutterleib / und Kindesbeinen an

unzählig viel zugut / bis hierher hat getan."

Danach wurde den Mitgliedern der Gutsfamilie eine Schleife mit Ähren an den Ärmel gesteckt und anschließend ging es in die große Scheune, die ausgefegt worden war und an deren Seiten Tische und Bänke standen. Die große, kunstvoll gebundene Erntekrone nahm Onkel Erik, Frederikes Stiefvater, in Empfang. Sie würde bis zur Weihnachtszeit in der geräumigen Diele des Gutshauses hängen. Erst wenn sie dort den Weihnachtsbaum aufstellten, würde die Erntekrone abgenommen werden.

Weihnachten, dachte Frederike, das scheint noch so weit hin zu sein, aber die Zeit verlief immer schneller. Früher, als sie noch kleiner gewesen war, war Weihna

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