text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Das Gedächtnis der Insel Roman von Buder, Christian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.03.2017
  • Verlag: Blessing
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Das Gedächtnis der Insel

Als der Pariser Archäologe Yann Schneider für zwei Tage zur Beerdigung seines Vaters auf seine bretonische Heimatinsel zurückkehrt, spürt er die Schatten seiner familiären Vergangenheit: Als Kind traumatisiert durch den Unfalltod seiner Mutter Abigale, muss er dreißig Jahre später erkennen, dass hinter dem Tod seiner Mutter andere Kräfte wirkten, als er immer annahm. Während ein fürchterlicher Sturm aufzieht, kommt Yann seiner eigenen Geschichte, seiner Wahrheit, seinem Schicksal auf die Spur und konfrontiert die Inselbewohner mit ihrer Vergangenheit und ihrer Schuld.
Ein packender, intensiver Roman um einen gewaltigen Sturm und ein jahrzehntealtes Liebesdrama mit tödlichen Konsequenzen

Christian Buder wurde 1968 in Memmingen geboren. Er studierte zuerst Betriebswirtschaft und dann Philosophie in Marburg, Paris und Chicago. Als freier Autor und Journalist schrieb Christian Buder Artikel für Die Zeit und andere Zeitschriften. Er lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in der Bretagne. Als Original-Taschenbücher liegen seine Kriminalromane Die Eistoten und Der Tote im Moor vor. 2015 erschien von ihm das Sachbuch Schwimmen ohne nass zu werden. Wie man mit Philosophie glücklich wird. Das Gedächtnis der Insel ist sein erster Roman bei Blessing.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 06.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641206727
    Verlag: Blessing
    Größe: 458 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Das Gedächtnis der Insel

Kapitel 1

Früher gab es die Welt nicht. Sie endete an den letzten Felsen der Insel. Daran glaubte Yann, bis sein Vater ihn aufs Festland mitnahm. Von den schroffen Felsen am äußersten Ende der Bretagne konnte er bei gutem Wetter den Leuchtturm der Insel sehen. Sie blieben nie länger als ein paar Stunden auf dem Festland. Bis auf die Felsen an der Pointe du Raz und dem Hafen von Audierne existierten die Landmassen mit ihren Felsen, Hügeln und Häusern nur abstrakt in seinem Schulatlas. Als Kind wollte er Ozeanforscher werden, wenn es diesen Beruf überhaupt gab. Jemand, der sich mit Fragen beschäftigte, warum eine intelligente Spezies wie der Mensch sich ausgerechnet auf dem Festland entwickelte und nicht im Meer. Mit solchen Fragen beschäftigten sich aber weder Ozeanforscher noch sonst jemand, was Yann erst erfahren sollte, als er die Insel verlassen hatte, nach dem Sturm und der Dunkelheit, die seitdem nicht mehr aufgehört hatte. Yann gefiel die Dunkelheit. Sie legte sich über die Zeit nach dem Sturm, als die Welle aus dem offenen Meer stieg und seine Mutter tötete. Als der Sturm vorüber war, bauten die Bewohner ihre Häuser wieder auf und begruben die Toten, die das Meer nicht geholt hatte. Seine Mutter blieb verschollen.

In Paris bewohnte Yann ein Zweizimmer-Appartement im Zweiten Arrondissement. Die Küste war weit genug entfernt. Er ging über keine Brücken, und er machte einen Bogen um jede Pfütze. Bei Regen verließ er das Haus nicht. Als Archäologe im Louvre konnte er arbeiten, wann er wollte. Doch das Wichtigste war: Er arbeitete alleine in seinem Büro. Niemand, der ihm Fragen stellte, und keine Frau, in die er sich hätte verlieben können. Nur fern von der Küste war er sicher. Das dachte er jedenfalls bis heute.

Von den Inselbewohnern sagte man, dass sie weder zum Festland gehörten noch zum Meer. Seit Jahrhunderten hockten sie auf einem grauen Granitfelsen und harrten aus, als warteten sie auf ein Zeichen des Aufbruchs. Fragte man einen Bewohner der Insel, warum er nicht längst die Insel verlassen habe, bekam man keine Antwort. Wer auf dieser Insel geboren wurde, der kam nirgendwo an. Die kantigen Granitfelsen, das ewige Heranschlagen der Brandung, die Stürme, die selbst die Leuchttürme zum Wanken brachten, formten den wahren Charakter der Bewohner. Wer hier geboren war, hatte es in den Adern. Das Meer färbte seine Seele. Und selbst wer nur einige Monate oder Jahre auf der Insel verbrachte, spürte, wie er sich veränderte. Der Wind und das Meer hinterließen Narben. Kein Mensch lebte freiwillig auf der Insel. - Nicht freiwillig, daran musste Yann denken, als er das Ticket gekauft hatte. Freiwillig ist keiner geboren, und keiner konnte sich aussuchen, wohin er kam, wenn er das Licht der Welt erblickte. Yanns wissenschaftlicher Verstand verbot es ihm, Fragen zu stellen wie: Wer entscheidet, ob jemand in einem Vorort von Paris, in den Favelas von La Paz oder auf einer Insel, acht Kilometer vom Festland entfernt, geboren wurde? Pflanzen hatten den evolutionären Nachteil, an dem Ort bleiben zu müssen, an dem sie Wurzeln gefasst hatten. Menschen konnten wegziehen. Doch für die Bewohner der Insel war dies nicht so einfach. Sie hatten keine Wurzeln, die sie in die Erde graben konnten. Dafür trugen sie ihre Wurzeln auf eine unerklärliche Weise mit sich herum und blieben.

Yanns Vater war tot. Die Frau am Telefon hatte sich gar nicht erst angestrengt, auch nur künstlich mitfühlend zu wirken: "Gendarmerie Nationale, ich muss Ihnen leider mitteilen ..." Mit diesen Worten begann die Nachricht vom Tod seines Vaters. Der Pater der Insel, Jean Baptiste Manois, hatte die Leiche von Mathieu Schneider beim frühmorgendlichen Spaziergang in dem nach fauligen Algen riechenden Hafenbecken entdeckt.

Das Meer schäumte. Am Horizont türmten sich dunkle Wolken. Yann hatte Glück gehabt. Er war einer der letzten Passagiere, die über die schwankende Brücke auf die Fähre kamen. Ein alter Matrose

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen