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Das Geisterhaus Roman von Allende, Isabel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.08.2012
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Das Geisterhaus

Eine Familiensaga, die zum Welterfolg wurde: Isabel Allende erzählt die wechselhafte Geschichte der Familie des chilenischen Patriarchen Esteban Trueba und seiner hellsichtigen Frau Clara und führt uns mit der ihr eigenen Fabulierkunst durch eine Zeit, in der persönliche Schicksale und politische Gewalt eng miteinander verwoben sind. Der Erfolg dieses Buches verdankt sich dem hinreißenden Erzähltemperament Isabel Allendes: Mit Phantasie, Witz und Zärtlichkeit malt die Autorin das bunte Tableau einer Familie über vier Generationen hinweg.

Isabel Allende, 1942 in Chile geboren, ging nach Pinochets Militärputsch 1973 ins Exil. Die Erinnerungen ihrer Familie, die untrennbar mit der Geschichte ihres Landes verwoben sind, verarbeitete sie in dem Weltbestseller Das Geisterhaus . Allende zählt zu den meistgelesenen Autorinnen weltweit, ihr gesamtes Werk erscheint auf Deutsch im Suhrkamp Verlag.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 885
    Erscheinungsdatum: 02.08.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518730300
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: La casa de los espiritus
    Größe: 5092 kBytes
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Das Geisterhaus

Zweites Kapitel

Die Drei Marien

Im Eßzimmer seines Hauses, zwischen altmodischen, abgenutzten Möbeln, die in ferner Vergangenheit einmal gute viktorianische Stücke gewesen waren, aß Esteban Trueba mit seiner Schwester Férula die gleiche fette Suppe wie alle Tage und den gleichen faden Fisch wie jeden Freitag. Bedient wurden sie von einer alten Hausangestellten, die sie in der damals noch herrschenden Tradition entlohnter Haussklaven ihr Leben lang bedient hatte. Gebückt und halb blind, aber noch energisch, kam und ging die alte Frau zwischen Küche und Eßzimmer, die Schüsseln feierlich auf- und abtragend. Doñ;a Ester Trueba aß nicht mit ihren Kindern am Tisch. Sie verbrachte die Vormittage bewegungslos in ihrem Lehnstuhl, beobachtete durchs Fenster den Betrieb auf der Straße und sah zu, wie das Viertel, das in ihrer Jugend ein vornehmes Viertel gewesen war, im Lauf der Jahre verfiel. Nach dem Mittagessen wurde sie in ihr Schlafzimmer gebracht und halb sitzend gebettet, die einzige Stellung, die ihre Arthritis zuließ. Da blieb sie, ohne anderen Zeitvertreib als die erbauliche Lektüre ihrer frommen Heftchen über das Leben und die Wunder der Heiligen, bis zum nächsten Tag, dessen Ablauf sich routinemäßig wiederholte. Aus dem Haus kam sie nur, um an der Sonntagsmesse teilzunehmen, zu der Férula und die Angestellte sie im Rollstuhl in die zwei Straßen weiter gelegene Kirche San Sebastián fuhren.

Esteban hatte das letzte weißliche Fischfleisch aus dem Gewirr der Gräten herausgekratzt und das Besteck auf den Teller gelegt. Er saß so, wie er ging, steif, sehr aufrecht, den Kopf ein wenig nach hinten und leicht zur Seite geneigt, aus den Augenwinkeln schauend in einer Mischung aus Hochmut, Mißtrauen und Kurzsichtigkeit. Diese Haltung hätte abstoßend gewirkt, wären nicht seine Augen überraschend sanft und klar gewesen. Seine starre Haltung hätte eher zu einem kleinen Dicken gepaßt, der größer erscheinen wollte, aber er maß einen Meter achtzig und war gertenschlank. Alle Linien seines Körpers verliefen senkrecht und aufsteigend, von der scharfen Adlernase und den spitzen Augenbrauen bis zu der hohen Stirn und der nach hinten gekämmten Löwenmähne. Er ging mit großen Schritten, bewegte sich energisch und wirkte stark, ermangelte aber nicht einer gewissen Anmut in den Bewegungen. Sein Gesicht war harmonisch, trotz der abweisenden, finsteren Züge und des häufig mißlaunigen Gesichtsausdrucks. Seine hervorstechende Eigenschaft war sein Jähzorn, die Neigung, aufzubrausen und den Kopf zu verlieren. So war er schon in seiner Kindheit gewesen: mit Schaum vor dem Mund und wie ein Besessener um sich schlagend warf er sich auf den Boden und bekam vor Wut keine Luft mehr. Man mußte ihn mit eiskaltem Wasser begießen, damit er wieder zu sich kam. Später lernte er es, sich zu beherrschen, aber sein Leben lang blieb ihm der rasch aufsteigende Zorn, der nur des geringsten Anlasses bedurfte, um sich in fürchterlichen Ausbrüchen Luft zu machen.

"Ich gehe nicht in die Mine zurück", sagte er.

Es war der erste Satz, den er bei Tisch zu seiner Schwester sprach. Er hatte es letzte Nacht beschlossen, als ihm klar wurde, daß es sinnlos war, weiter auf der Suche nach dem raschen Reichtum das Leben eines Eremiten zu führen. Er hatte die Konzession auf die Mine zwei Jahre verlängert bekommen, Zeit genug, die wunderbare Ader, die er entdeckt hatte, auszubeuten, aber kein Grund, dachte er, sich wieder in der Wüste zu begraben, selbst wenn ihn der Vorarbeiter ein wenig bestahl oder nicht so gut arbeitete wie er selbst. Ohne Rosa h

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