text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Das Haus - Eine Familiengeschichte vom Ende des vorigen Jahrhunderts von Andreas-Salomé, Lou (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.09.2016
  • Verlag: e-artnow
eBook (ePUB)
0,49 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Das Haus - Eine Familiengeschichte vom Ende des vorigen Jahrhunderts

Dieses eBook: 'Das Haus - Eine Familiengeschichte vom Ende des vorigen Jahrhunderts' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. In dem Roman 'Das Haus' setzt Lou Andreas-Salomé vertraute Menschen ihres Lebens in eine Geschichte, die sich um ein Haus rankt. Lou Andreas-Salomé (1861-1937) war eine weitgereiste Schriftstellerin, Erzählerin, Essayistin und Psychoanalytikerin aus russisch-deutscher Familie. Die Art ihrer persönlichen Beziehungen zu prominenten Vertretern des deutschen Geisteslebens - in erster Linie zu Friedrich Nietzsche, Rainer Maria Rilke und Sigmund Freud - war und ist bis heute Gegenstand unterschiedlicher Interpretationen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 210
    Erscheinungsdatum: 30.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026868590
    Verlag: e-artnow
    Größe: 558 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Das Haus - Eine Familiengeschichte vom Ende des vorigen Jahrhunderts

Kapitel 2
Inhaltsverzeichnis
Wenn Branhardt abends heimkam, klang ihm schon eine Strecke vor dem Hause Musik entgegen.

Er freute sich eines jeden Males, wo er so empfangen wurde, und er wußte manchen Grund dafür. Vor ihrer Verheiratung, die seine Frau schon in ihrem siebzehnten Jahre schloß, hatte sie sich zur Musikvirtuosin ausbilden wollen, und ihr Mann empfand sehr wohl, daß die frühe Gebundenheit Anneliese von einer schönen Entwicklung abhielt. Wohl trat er niemals fordernd gegen etwas auf: doch sie, gegen sich selber, tat das -. Vielleicht aus Furcht, daß gar zu weit die Seele sich ihr verlieren könnte - zu weit fort vom Pflichtenkreis eines materiell sehr beengten und daher strengen Lebens, in das sie beide ziemlich lange Zeit hindurch gebannt blieben.

Als deshalb Anneliese, zögernd erst, dann immer länger und ernsthafter, ihren damaligen Stutzflügel wieder in Gebrauch nahm - als sie, von Jahr zu Jahr unbekümmerter und voller, den Unterstrom ihres inneren Lebens musikalisch freigab, da galt ihm das einer köstlichen Liebeserfahrung gleich: einer endgültig gefestigten Gebundenheit aneinander - einem Lautwerden gleichsam alles dessen, was sie und Branhardt verband. Anneliesens Musik: das war noch einmal Anneliesens Vermählung.

Trat Branhardt abends ins Haus, dann nahm er gewöhnlich gleich den Weg ins noch unerhellte Wohnzimmer; mit seinem leichten, nie lauten Gang kam er fast unmerklich, blieb fast unmerklich in einem der tiefen Sessel, aus denen er sich nicht weit heraushob. Dies war ihm das liebste Ausruhen, das er kannte.

Selbst unmusikalisch, auch durch Zeitmangel dem Hören von Musik ferngehalten, wurde er mit ihr nahezu ausschließlich durch Anneliese vertraut. Deshalb wirkte so vieles daran auf ihn allmählich wie eine Wesensäußerung Anneliesens selbst. Daß Musik ihm in gewisser Weise ebensoviel von seiner Frau erschloß wie diese von jener, darin bestand eigentlich der musikalische Reiz für ihn.

Und Anneliese lernte immer mehr und besser, sich auch noch anders, als er wußte, dessen zu bedienen: auf solchem Wege bis zu ihm zu gelangen mit manchem, was ihm sonst Überschwenglichkeit gehießen hätte. Sie verbrauchte einen starken Gefühlsschwung und war frisch und froh genug, um ihn sicher zu bewältigen. In ihres Mannes Schweigen, während der Flügel sprach, genoß sie nicht ohne seine Schalkhaftigkeit ein wortloses Ihn-Überreden, sein besiegtes Sie-Umfangen.

Rief dann Frau Lüdecke mit überbehutsamem Türöffnen zum Mittagsmahl und blickte in der unvermittelten Helle der Eßstube Branhardt auf seine Frau, dann lag auf ihrem Gesicht jedesmal das Herzensfreudige, Lebenleuchtende, das noch die schwermütigste Musik darüber zu breiten pflegte.

Und einem solchen Gesicht gegenüber erzählte es sich noch einmal so gut von des Tages Mühe und Arbeit.

Mit der ihr eigenen Unbedingtheit vergötterte Anneliese ihres Mannes Beruf, verwechselte ihn gewissermaßen mit ihm selbst; ob er nicht am Ende auch einen andern hätte ergreifen können, das hatte längst keinen Zugang mehr in ihren Vorstellungskreis. Zudem verknüpfte ja sein Berufsleben sich gleichzeitig mit seinem Eheleben so sehr, daß in allen entscheidenden Vorkommnissen der Frauenschaft oder Mutterschaft die Autorität des Mannes von der des Arztes sich nicht mehr trennen ließ. Und gern legte Anneliese sich die Dinge so zurecht, als ob in Branhardts ärztlichem Dasein wiederum etwas Feinstes, Menschlichstes ihm erst als eine Frucht erwachse ihres persönlichsten, gegenseitigen Verhaltens.

Jetzt, während der Abwesenheit der Kinder, konnte ihre Unterhaltung sich noch unbehinderter als sonst ergehen. Dennoch vermißten sie Tag für Tag "ihre beiden", wenn sie sich so gegenüber saßen zu zweien, gerade wie einst als junge, kinderlose Leute.

Nach der Mahlzeit, als sie noch bei Tisch verweilten, meinte Branhardt deshalb einmal:

"Was groß wird, rückt aus! Kleiner Nachwuchs tät uns eigentlich not

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen