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Das Haus der Verlassenen Roman von Gunnis, Emily (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2019
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Das Haus der Verlassenen

Sussex, 1956. Als die junge Ivy Jenkins schwanger wird, schickt ihr liebloser Stiefvater sie fort - ins St. Margaret's Heim für ledige Mütter. Sie wird den düsteren, berüchtigten Klosterbau nie mehr verlassen ... Sechzig Jahre später stößt die Journalistin Sam in der Wohnung ihrer Großeltern auf einen flehentlichen Brief Ivys. Er ist an den Vater ihres Kindes adressiert - aber wie ist er in den Besitz von Sams Großvater gelangt? Sam beginnt die schreckliche Geschichte von St. Margaret's zu recherchieren. Dabei stößt sie auf finstere Geheimnisse, die eine blutige Spur bis in die Gegenwart ziehen. Und die tief verstrickt sind mit ihrer eigenen Familiengeschichte. Emily Gunnis arbeitete lange beim Fernsehen, unter anderem als erfolgreiche Drehbuchautorin. "Das Haus der Verlassenen" ist ihr Debutroman. Die Tochter der internationalen Bestsellerautorin Penny Vincenzi lebt mit ihrer Familie im südenglischen Sussex.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 01.02.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641235727
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: The Girl in the Letter
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Das Haus der Verlassenen

Prolog

Freitag, 13. Februar 1959

Meine geliebte Elvira,

wie soll ich diesen Brief nur beginnen?

Es fällt mir sehr schwer, einem kleinen Mädchen wie Dir zu erklären, warum ich beschlossen habe, aus dem Leben zu scheiden und Dich allein zurückzulassen. Du bist meine Tochter, und wenn Du auch nicht mein leibliches Kind bist, so gehört Dir doch mein ganzes Herz. Ich weiß, dass mein Tun all dem Kummer, den Du bereits in den acht langen Jahren Deines kurzen Lebens erlitten hast, noch einen weiteren Schmerz hinzufügen wird.

Ivy hielt inne und versuchte, sich zu sammeln, damit ihre Hand zu zittern aufhörte und sie weiterschreiben konnte. Sie blickte sich in dem großen Trockenraum um, wo sie sich in einer Ecke versteckt hatte. Von der Decke hingen dicke Stangen mit Laken und Handtüchern herab, die die aufgerissenen und geschwollenen Hände der schwangeren Mädchen in St. Margaret's makellos sauber gewaschen hatten und die nach dem Bügeln im unteren Stockwerk bereit waren für die nichts ahnende Welt außerhalb dieser Mauern. Ivy senkte den Blick wieder auf das zerknüllte Blatt Papier auf dem Boden vor ihr.

Wärst Du nicht gewesen, Elvira, ich hätte den Kampf darum, auf dieser Welt zu bleiben, schon viel früher aufgegeben. Seit man mir Rose weggenommen hat, spüre ich keine Lebensfreude mehr. Eine Mutter kann ihr Baby ebenso wenig vergessen wie ein Baby seine Mutter. Ich weiß, dass Deine Mutter, wäre sie noch am Leben, jede Minute eines jeden Tages an Dich denken würde.

Wenn Du von hier fliehst - und Du wirst fliehen, Liebes -, musst Du nach ihr Ausschau halten. In den Sonnenuntergängen und den Blumen, in allem, was dieses wunderbare Lächeln auf Deine Lippen zaubert. Denn sie ist in der Luft, die Deine Lungen füllt, sie gibt Deinem Körper Kraft, um stark zu werden und ein erfülltes Leben führen zu können. Du wurdest geliebt, Elvi, jeden Tag, den Du im Bauch Deiner Mutter herangewachsen bist. Das musst Du ganz fest glauben und stets im Gedächtnis behalten.

Ihre Hand verkrampfte sich, als sie Schritte über sich hörte. Ihr Atem beschleunigte sich ebenso wie ihr Herzschlag, und unter dem braunen Kittel war ihr Körper schweißbedeckt. Sie wusste, dass sie nicht mehr viel Zeit hatte, bis Schwester Angelica zurückkäme und den einzigen Moment am Tag beendete, in dem sie unbeobachtet war. Ivy blickte auf den hastig hingekritzelten Brief und sah Elviras wunderhübsches Gesicht im Geiste vor sich. Tränen stiegen in ihr auf, die sie eilig unterdrückte, als sie sich die weit aufgerissenen braunen Augen und die bleichen, zitternden Hände der Achtjährigen vorstellte, während sie mühsam Wort für Wort entzifferte.

Jetzt hältst Du den Schlüssel in Händen, den ich mit in das Kuvert stecke. Es ist der Schlüssel zum Tunnel und zu Deiner Freiheit. Ich werde Schwester Faith, so gut ich kann, ablenken, aber Du wirst nicht viel Zeit haben. Sobald der Hausalarm schrillt, wird Schwester Faith aus dem Bügelzimmer kommen. Du musst sofort loslaufen. Schließ die Tür zum Tunnel am Ende des Raums auf und steig die Treppe hinunter. Dann biegst Du rechts auf den Friedhof ab. Lauf zum Nebengebäude und sieh Dich nicht um!

Sie unterstrich die letzten Worte so kraftvoll, dass der Stift ein Loch ins Papier riss.

Es tut mir wirklich leid, dass ich es Dir nicht persönlich gesagt habe, aber ich hatte Angst, Du wärst bestürzt über mein Vorhaben und könntest uns verraten. Als ich gestern Abend zu Dir kam, dachte ich, sie würden mich nach Hause schicken, aber das tun sie nicht, sie haben anderes mit mir vor. Aus diesem Grund benutze ich meine Flügel, um St. Margaret's zu verlassen, und das ist Deine Gelegenheit zu entkommen. Du musst Dich bis Sonntag in der Früh verstecken, also bis übermorgen, deshalb nimm eine Decke mit. Und pass auf, dass Dich niemand sieht.

Ivy biss sich auf die Unterlippe, und der metallische Blutgeschmack breitete sich in ihrem Mund aus.

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