text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Das Haus des Schlafes von Coe, Jonathan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.06.2014
  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
3,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Das Haus des Schlafes

Die Kulisse: ein düsteres Schloß in England am Meer, einst luxuriöses Studentenwohnheim, jetzt eine Klinik für Patienten mit Schlafstörungen, geleitet von dem exzentrischen Doktor Dudden. Hier treffen aufgrund seltsamer Zufälle ehemalige Studenten wieder aufeinander, jeder mit seinem individuellen Schlafproblem. In einer brillanten Tour de force voller Komik und Raffinesse führt Jonathan Coe in diesem Nachtstück durch die Verwirrung der Gefühle und Besessenheiten. Ein Roman, der vom Schlafen und Wachsein handelt, vom Träumen und vom Erinnern, von der Sehnsucht und der Jagd nach Liebe.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 20.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955304256
    Verlag: Edel Elements
    Größe: 2130 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Das Haus des Schlafes

2

Hier, über eine Strecke von wenigen hundert Metern, bemühte sich die Stadt plötzlich, ihre Küstenlage zu nutzen und sich endlich wie ein Urlaubsort zu gebärden. Zwanzig Badehütten, in schäbigem Blaßgelb, – grün und – blau gestrichen, standen zwischen Promenade und Strand. Ein Kiosk verkaufte Eis und Zuckerwatte. Liegestühle waren zu mieten. Doch das alles wirkte irgendwie oberflächlich, halbherzig. Es verpuffte, noch bevor es richtig begonnen hatte. Nur wenige Urlauber kamen hierher; nur wenige Zimmer in den unterschiedlichen Pensionen mit Meerblick waren belegt, selbst im sogenannten Hochsommer. Und heute, an diesem warmen, windigen Sonntag nachmittag Ende Juni, an dem weggeworfene Chipstüten trostlos gegen die Rauhputzwände der öffentlichen Toilette wehten und Möwen über den schwappenden Wellen der steigenden Flut tanzten, waren am Strand nur zwei Gestalten zu sehen. Eine vor ihnen, eine junge Frau um die Zwanzig mit langem, dünnem, tiefschwarzem Haar, stand, die nackten Arme verschränkt, nur wenige Schritte vom Wasser entfernt und blickte hinaus aufs Meer. Die andere, die vielleicht fünfzehn oder zwanzig Jahre älter war, saß auf einer Bank in der Nähe der Strandhütten, den Mantel ordentlich neben sich gefaltet, einen kleinen Koffer zu ihren Füßen, die Augen geschlossen, das Gesicht der Sonne zugeneigt, die ab und zu durchkam.

Die jüngere Frau drehte sich um und ging über den Kieselstrand zurück. Sie blieb stehen, bückte sich, nahm einen merkwürdig geformten Stein auf, warf ihn dann aber wieder fort. Sie trat versehentlich gegen eine Cola-Dose, und bei dem Geräusch merkte sie wieder, was für ein stiller Nachmittag es war.

Die ältere Frau hörte das Geräusch, öffnete die Augen und blickte sich um.

Es gab drei Bänke, doch eine war mutwillig zerstört worden, fast völlig auseinandergenommen, und daher nicht mehr zu benutzen, und die andere wurde gänzlich von der ausgestreckten, schlafenden Gestalt eines Mannes im mittleren Alter in Beschlag genommen. Er hatte ein rotes Gesicht und einen struppigen Bart, seine Kleidung roch ranzig, die rechte Hand hielt eine Dose Apfelwein umklammert.

Aber die jüngere Frau wollte sich trotzdem hinsetzen.

"Stört es Sie, wenn ich mich dazusetze?" mußte sie schließlich fragen.

Die ältere Frau lächelte, schüttelte den Kopf und legte ihren Mantel beiseite.

Die beiden Frauen saßen da, schweigend.

Die ältere Frau war müde. Sie war mit ihrem Koffer den ganzen Weg vom Bahnhof zum Strand zu Fuß. Sie schwitzte stark, und sie hatte den leisen Verdacht, daß ihre Schuhe, die sie erst zwei Wochen zuvor gekauft hatte, eine halbe Nummer zu klein waren. Sie hatte sie ausgezogen, als sie sich auf die Bank setzte, und festgestellt, daß die nackten Füße feuerrote Striemen bekommen hatten, die erst jetzt allmählich verblaßten. Immer wieder beugte und streckte sie die Zehen, die die Freiheit genossen, bis sie merkte, daß die jüngere Frau ihr auf die Zehen starrte – mit einer Art ehrfürchtiger Faszination. Augenblicklich legte sie die Füße übereinander und versteckte sie unter der Bank. Sie konnte ihre plumpen, männlichen Füße und dicken Knöchel nicht ausstehen, und wie die Leute immer daraufstarrten – vor allem Frauen und vor allem (wie in diesem Fall) Frauen, die sie selbst attraktiv fand.

Die jüngere Frau blickte sie verlegen an und lächelte, schüchtern, entschuldigend. Jetzt war klar: Sie würden miteinander reden.

"Falls Sie ein Zimmer suchen", wagte die jüngere Frau sich vor, "könnte ich Ihnen

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen