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Das Haus Eine Familiengeschichte von Andreas-Salomé, Lou (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.04.2016
  • Verlag: Nexx
eBook (ePUB)
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Das Haus

Die Eheleute Brandhardt und die Eheleute Lüdicke bewohnen das Ober- bzw. das Untergeschoß eines Hauses. Der Roman schildert das Zusammenleben udn die Konflikte der Familien und deren zurückkehrender Kinder. Lou Andreas-Salomé (1861-1937) war eine weitgereiste Schriftstellerin, Erzählerin, Essayistin und Psychoanalytikerin aus russisch-deutscher Familie mit hugenottischen Vorfahren. Sie war mit Nietzsche befreundet und lebte später mit Rilke zusammen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Erscheinungsdatum: 05.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783958705524
    Verlag: Nexx
    Größe: 571 kBytes
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Das Haus

Erster Teil

Erstes Kapitel

Das Haus lag an der Berglehne und überblickte die Stadt im Tal und langgestreckte Höhen jenseits davon. Von der Landstraße, die sich in großem Bogen den Bergwald hinaufwand, trat man gleich ins mittlere Stockwerk ein wie zu ebener Erde: so tief dem Berg eingebaut hatte das kleine weiße Haus sich.

Auf ihn gestützt aber sah es nach dem abfallenden Garten zu umso freier hinaus über die Weite; mit sehr vielen hellen Fensteraugen bis tief hinab, mit keck vorspringenden Erkern, Ausbauten der ursprünglich zu wenig umfangreichen Gemächer, was ihm freilich eine etwas wunderliche Architektur, doch auch Anmut und Leichtigkeit verlieh - fast, als raste es da nur.

Über dem mittleren Erker schob sich zuoberst ein Altan breit vor ins baumbepflanzte, winterliche Gartenland, das eine Steinmauer, alt und bemoost, umschloss. Die Altantür stand trotz der frühen Morgenstunde schon weit geöffnet. Auf der Schwelle, das Gesäß vorsichtig ins warme Zimmer gedrückt, saß eine bejahrte kleine Hündin und blinzelte schläfrig nach den ab und zu schwirrenden hungrigen Vögeln, wie ein verwöhntes Hauskind sich bettelndes Gassenvolk betrachtet. In ihr selbst hatten sich zwar die verschiedensten Hundegeschlechter ein nichts weniger als aristokratisches Stelldichein gegeben, wie ihr Dackelgebein, ihr Mopsrumpf und ihr Terrierkopf verrieten - eine Vielseitigkeit, die noch vervollständigt wurde durch ein ferkelhaftes Ringelschwänzchen an ihrem anderen Ende. Weitaus das Merkwürdigste an dem kleinen Ungetüm jedoch blieb, dass es Salomo hieß. Jedermann erstaunte hierüber, außer der Tochter des Hauses, die auf diesem männlichen und königlichen Weisheitsnamen bestanden hatte, trotzdem Salomo ihr einst in hochträchtiger Verfassung zugelaufen war, worauf er vier gesunde Pinscher zur Welt brachte.

Die Vögel vollführten einen gewaltigen Lärm. Denn Finken und Blaumeisen, Rotkehlchen und Hänflinge, Grasmücken und andere noch scharten sich auf dem Altan um freihängenden - dadurch der Sperlingskonkurrenz enthobenen - Speck, sowie einen Napf mit Wasser, das wenige glimmende Kohlen in der Topfscherbe darunter vor dem Zufrieren schützten. An der Altantür aber stand die Hausfrau und warf überdies, fröhlich, emsig Körnerfutter hinaus.

Salomo trug seine richtiggehende Uhr im Leibe: nach der hatte man längst beim Morgenfrühstück zu sitzen. Glücklicherweise für ihn zog der Herr des Hauses jetzt seine aus der Westentasche: ins Zimmer tretend, gab er Salomos stummem Tadel entrüsteten Ausdruck.

"Na, Salomo, was sagst du dazu?! Über der Tochter Vogelvieh vergisst die Anneliese uns, ihre beiden hungrigen Hauptspatzen?"

Schon in einer Stunde musste er unterwegs sein in die gynäkologische Klinik der Stadt. "Eine Pedanterie, sich nicht an den Frühstückstisch setzen zu wollen ohne seine Frau!" meinte er selber oft, aber er meinte auch: "Ärzte, diese Überbeschäftigten, müssten an einigen schönen Pedanterien festhalten, sonst würden sie unversehens wieder zu Junggesellen."

So holte er sich denn die Frau weg, um hinabzugehen in die unteren Wohnräume, wobei er seinen Arm durch den ihren schob. Anders - so wie es ehedem noch Mode gewesen, als sie einander fanden - hätte es sich weit schlechter gemacht: um ein so beträchtliches Stück war er kleiner gewachsen als sie.

Salomo folgte ihnen auf dem Fuß. In der Messstabe, vor deren Fenstern große Bäume verschneite Zweige wiegten, hatte er beim grün glasierten Kachelofen seinen Thron, einen umgestülpten Korb mit darauf befestigtem Kissen, denn Salomo saß gern hoch und übersah die Lage und nicht zum wenigsten den Esstisch, der ihm schon morgens hocherfreulichen Anblick bot: wo reichlicher Imbiss des Hausherrn wartete, der an den Wochentagen erst abends Zeit fand zum Mittagsmahl daheim.

Anneliese ha

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