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Das Haus Eine Familiengeschichte vom Ende des vorigen Jahrhunderts von Andreas-Salomé, Lou (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
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Das Haus

Lou Andreas-Salomé (1861-1937) war eine weitgereiste deutsch-russische Schriftstellerin, Erzählerin, Essayistin und Psychoanalytikerin. Sie pflegte persönliche Beziehungen zu vielen prominenten Vertretern des deutschen Geisteslebens, insbesondere zu Friedrich Nietzsche, Rainer Maria Rilke und Sigmund Freud. Andreas-Salomé Werk "Das Haus" erschien 1921. Lou Andreas-Salomé (1861-1937) war eine weitgereiste deutsch-russische Schriftstellerin, Erzählerin, Essayistin und Psychoanalytikerin. Sie pflegte persönliche Beziehungen zu vielen prominenten Vertretern des deutschen Geisteslebens, insbesondere zu Friedrich Nietzsche, Rainer Maria Rilke und Sigmund Freud. Andreas-Salomés Werk Fenitschka / Eine Ausschweifung erschien 1898.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 245
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783744848336
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 662 kBytes
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Das Haus

I.

Das Haus lag an der Berglehne und überblickte die Stadt im Tal und langgestreckte Höhen jenseits davon. Von der Landstraße, die sich in großem Bogen den Bergwald hinaufwand, trat man gleich ins mittlere Stockwerk ein wie zu ebner Erde: so tief dem Berg eingebaut hatte das kleine weiße Haus sich.

Auf ihn gestützt aber sah es nach dem abfallenden Garten zu um so freier hinaus über die Weite; mit sehr vielen hellen Fensteraugen bis tief hinab, mit keck vorspringenden Erkern, Ausbauungen der ursprünglich zuwenig umfangreichen Gemächer, was ihm freilich eine etwas wunderliche Architektur, doch auch Anmut und Leichtigkeit verlieh - fast, als raste es da nur.

Über dem mittleren Erker schob sich zu oberst ein Altan breit vor ins baumbepflanzte, winterliche Gartenland, das eine Steinmauer, alt und bemoost, umschloß. Die Altantür stand trotz der frühen Morgenstunde schon weit geöffnet. Auf der Schwelle, das Gesäß vorsichtig ins warme Zimmer gedrückt, saß eine bejahrte kleine Hündin und blinzelte schläfrig nach den ab und zu schwirrenden hungrigen Vögeln, wie ein verwöhntes Hauskind sich bettelndes Gassenvolk betrachtet. In ihr selbst hatten sich zwar die verschiedensten Hundegeschlechter ein nichts weniger als aristokratisches Stelldichein gegeben, wie ihr Dackelgebein, ihr Mopsrumpf und ihr Terrierkopf verrieten - eine Vielseitigkeit, die noch vervollständigt wurde durch ein ferkelhaftes Ringelschwänzchen an ihrem anderen Ende. Weitaus das Merkwürdigste an dem kleinen Ungetüm jedoch blieb, daß es Salomo hieß. Jedermann erstaunte hierüber, außer der Tochter des Hauses, die auf diesem männlichen und königlichen Weisheitsnamen bestanden hatte, trotzdem Salomo ihr einst in hochträchtiger Verfassung zugelaufen war, worauf er vier gesunde Pinscher zur Welt brachte.

Die Vögel vollführten einen gewaltigen Lärm. Denn Finken und Blaumeisen, Rotkehlchen und Hänflinge, Grasmücken und andere noch scharten sich auf dem Altan um freihängenden - dadurch der Sperlingskonkurrenz enthobenen - Speck, sowie einen Napf mit Wasser, das wenige glimmende Kohlen in der Topfscherbe darunter vor dem Zufrieren schützten. An der Altantür aber stand die Hausfrau und warf überdies, fröhlich, emsig Körnerfutter hinaus.

Salomo trug seine richtiggehende Uhr im Leibe: nach der hatte man längst beim Morgenfrühstück zu sitzen. Glücklicherweise für ihn zog der Herr des Hauses jetzt seine aus der Westentasche: ins Zimmer tretend, gab er Salomos stummem Tadel entrüsteten Ausdruck.

"Na, Salomo, was sagst du dazu?! Über der Tochter Vogelvieh vergißt die Anneliese uns, ihre beiden hungrigen Hauptspatzen?"

Schon in einer Stunde mußte er unterwegs sein in die gynäkologische Klinik der Stadt. "Eine Pedanterie, sich nicht an den Frühstückstisch setzen zu wollen ohne seine Frau!" meinte er selber oft, aber er meinte auch: "Ärzte, diese Überbeschäftigten, müßten an einigen schönen Pedanterien festhalten, sonst würden sie unversehens wieder zu Junggesellen."

So holte er sich denn die Frau weg, um hinabzugehen in die unteren Wohnräume, wobei er seinen Arm durch den ihren schob. Anders - so wie es ehedem noch Mode gewesen, als sie einander fanden - hätte es sich weit schlechter gemacht: um ein so beträchtliches Stück war er kleiner gewachsen als sie.

Salomo folgte ihnen auf dem Fuß. In der Eßstube, vor deren Fenstern große Bäume verschneite Zweige wiegten, hatte er beim grün glasierten Kachelofen seinen Thron, einen umgestülpten Korb mit darauf befestigtem Kissen, denn Salomo saß gern hoch und übersah die Lage und nicht zum wenigsten den Eßtisch, der ihm schon morgens hocherfreulichen Anblick bot: wo reichlicher Imbiß des Hausherrn wartete, der an den Wochentagen erst abends Zeit fand zum Mittagsmahl daheim.

Anneliese hatte sich bereits gesetzt - da kehrte sie sich plötzlich um zum Manne, der neben ihr stand. Sie faßte nach seinem Arm, drückte ihr Gesicht daran, es unwillkürl

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