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Das Kreuz im Apfel von Schmid, Sabrina (eBook)

  • Verlag: neobooks Self-Publishing
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Das Kreuz im Apfel

Wien in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Gebär- und Findelhaus soll die hohe Mordrate an unerwünschten Neugeborenen senken. Ein Assistenzarzt sucht verzweifelt nach der Ursache des tödlichen Kindbettfiebers. Die Studenten erheben die Waffen und kämpfen gegen die absolutistische Unterdrückung. Eine Baronin gründet den ersten demokratischen Frauenverein und schafft sich damit mächtige Feinde. Dieses Umfeld bildet den historischen Hintergrund für die Geschichte von Katharina, eine bildungshungrige und mutige Frau, die die Liebe an einen Scheideweg bringt.

Ich wurde 1981 in Oberösterreich geboren und studierte Publizistik an der Universität Wien mit Schwerpunkt Kommunikationsgeschichte und Frauenforschung. www.sabrinaschmid.at

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 328
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783742762290
    Verlag: neobooks Self-Publishing
    Größe: 809 kBytes
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Das Kreuz im Apfel

2

September 1833, Wien

"Die Zustände in der Außenpflege sind vielerorts untragbar! Davor können wir nicht die Augen verschließen!"

"Die Leitung verschließt keineswegs die Augen davor. Fällt so eine Pflegepartei dem Visitator ins Auge, wird sie mit sofortigem Entzug des Pfleglings bestraft."

"Der letzte Fall ist äußerst pikant. Beim Bericht des Visitators überkommt einen das Schaudern. Es zeigt erneut, dass die derzeitigen Kontrollen nicht ausreichen. Über Jahre hinweg hatte dieses Weib aus Ottakring Kinder aus dem Findelhaus in Pflege. Keiner wusste, welch unehrbarer und verwerflicher Machenschaften sie sich dazu bediente. Im Protokoll heißt es und ich zitiere: Nachdem ich an ihrer verschlossenen Tür eine geraume Weile gewartet hatte, kam sie, angeblich aus der Apotheke zurück, und welcher Anblick bot sich mir nun in der bewussten Stube dar! Auf einem elenden, über zwei Tische gebreiteten Strohlager lagen vier Findlinge, keiner noch zwei Monate alt, nebeneinander; drei davon vom Durchfall besudelt, der vierte, vielleicht seit einer Stunde schon, tot ... Die Untersuchung des Falles wurde umgehend eingeleitet und was dabei herauskam, kann getrost als verbrecherisch bezeichnet werden." Der Redner machte eine bedeutungsschwere Pause, um die versammelte Kommission auf die erschreckenden Einzelheiten der Untersuchung einzustimmen.

"Vom Herbst 1825 bis zum ersten Halbjahr 1833 nahm die verheiratete Bäuerin Therese Hochstätter siebzehn Findlinge auf. Die ersten sieben starben nach spätestens einem Monat. Die Verordnung des Findelhauses, nur an Brustparteien abzugeben, umging diese Person, indem sie ihre erst kürzlich niedergekommene Tochter schickte. Die beiden etwa siebenjährigen Mädchen und der fünfjährige Junge, die trotz erbärmlicher Zustände der Säuglinge, guter Gesundheit vorzufinden waren, befinden sich mittlerweile in anderweitiger Pflege. Über die Zuständigkeit für das Mädchen, das Katharina genannt wird, jedoch nirgends aufscheint, weder bei der weltlichen Obrigkeit noch im Taufregister, wird derzeit noch beraten. Der Pfarrer, ein gewisser Johann Lutner, gibt an, nichts von den Zuständen gewusst zu haben. Er hat die Pfarre in Ottakring vor einem Jahr von dem verstorbenen Pfarrer Gregor Kaller übernommen. Dieser hatte der Therese Hochstätter jahrelang die Ehrzeugnisse ausgestellt." Der Kommissär massierte seine Schläfe, bevor er mit seinem Schreckensbericht fortfuhr. "Johann Hochstätter gab bei der Vernehmung zu, seine Tochter mehrmals geschwängert zu haben. Wie viele Kinder er tatsächlich mit ihr gezeugt hatte, konnte er nicht konkret angeben. Mit den Betrügereien am Findelhaus hatte er angeblich nichts zu tun. Dies war alleiniges Nebengeschäft seiner Gattin. Zwei der vier Säuglinge, die der Visitator Mückisch laut seinem Bericht auf dem Küchentisch aufgereiht vorfand, stammten aus dem Findelhaus. Unhaltbare Zustände! Diese raffgierigen Frauen tun den Findlingen nicht einmal die nötigste Pflege an."

"Das ist keine neue Erkenntnis, so traurig sie sein mag. Die Findlingspflege hat sich in gewissen Regionen sozusagen zu einem eigenen Erwerbszweig entwickelt. Da kann noch so oft an den Christenmenschen appelliert werden. Reiche, wohlsituierte Familien nehmen selten einen Findling auf. In der Regel sind es die armen Volksklassen, die sich mit dem Kostgeld oft selbst über die Runden bringen."

"Die ordentliche Versorgung der Kinder muss trotz dieser Tatsache sichergestellt werden. Darin sind wir uns hoffentlich einig. Eine neue Regelung über die Kontrollorgane wird hermüssen."

"Werte Herren, nicht nur die Zustände außerhalb sind untragbar, auch der Zustand im Haus."

"Wie dürfen wir das auffassen?"

"Ich zitiere gerne eine Stelle aus dem Bericht besagten Arztes. Er ist seit dem Jahr 1810 Aufseher der Findelanstalt. Ich kenne ein Weib, welches in einem Jahr zum 13. Male einen lebenden Findling gegen einen unter ihren Händen gestorbene

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