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DAS LÄCHELN DER TRAUERWEIDE Roman von BIDINGER, ROLF (eBook)

  • Verlag: BookRix
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DAS LÄCHELN DER TRAUERWEIDE

Der fünfzigste Geburtstag ist für jeden Mann eine Katastrophe. Josef-Maria findet sich damit nur schwer ab. Er entscheidet sich zu einem drastischen Schritt.Er sucht Freundschaften. Doch kaum hat er jemanden gefunden, da geschieht Merkwürdiges und er ist wieder alleine. Vollmundig und desillusioniert verkündet er sein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Leben. Einfacher als gedacht! Auch für Friedemann Müller ist es keine leichte Zeit. Der junge Kaplan schlägt sich mit seiner Haushälterin, seiner Mutter und den Niederungen der Lokalpolitik herum. Und als er auf Josef-Maria trifft, beginnen erst die Probleme und sein Glauben gerät ins Wanken. Bisher erschienen: (K)ein Bestseller - Roman -auch als Hardcover erhältlich Laubingers letzter Fall - Roman Die Taube, die nicht hören wollte - Kurzgeschichten

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 385
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783743810808
    Verlag: BookRix
    Größe: 1018 kBytes
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DAS LÄCHELN DER TRAUERWEIDE

Kapitel 1

Selbstgespräche dienen dazu, sich einer Situation klar zu werden, wenn man niemanden hat, der einem zuhört. Selbst wenn man jemanden hat, der einem sein Gehör schenkt, heißt das noch lange nicht, dass man auch verstanden wird. Ich fühle mich oft nicht verstanden, selbst wenn man mir versichert, vollkommendes Verständnis für mich aufzubringen. Aber ich werde das Gefühl nicht los, sie sagen es nur, damit sie baldmöglichst wieder ihre Ruhe haben können und sich mit ihren eigenen Problemen zu quälen.

Wirkliche Zuhörer, die zu dem noch Verständnis aufbringen und im besten Fall sich damit dann auch noch auseinandersetzen, sind rar gesät. Je mehr Probleme man hat, desto weniger Menschen zeigen Interesse daran, sich diesen, meinen Problemen zu stellen. Und ich habe Probleme! Und darüber rede ich dann mit mir. Nicht selten erwische ich mich in der Bahn oder bei einem gemütlichen Einkaufsbummel, wie ich mich mit mir auseinandersetze. Gelegentlich geschieht es auch, dass sich diese innere Diskussion dahin gehend entwickelt, halblaut durch die Straßen geführt zu werden. Ich bemerke dies zunächst nicht, so sehr bin ich in das Gespräch mit mir vertieft. Es fällt mir dann erst auf, wenn mich Passanten mit einem mitleidigen Blick ansehen. Manche schütteln auch einfach nur den Kopf.

Einmal lief eine interessierte Frau minutenlang neben mir her, in der Hoffnung, zu verstehen, worüber ich sprach. "Das finde ich aber nicht.", hörte ich sie plötzlich sagen. Erst da bemerkte ich sie. Sie riss mich mit ihrer Aussage aus meinen Gedanken. "Bitte?", fragte ich und sah sie mir etwas genauer an. Rein äußerlich sah sie wie eine Sozialkundelehrerin im Ruhestand aus. Dennoch hatte sie ein freundliches Gesicht. Ihre Augen versteckte sie hinter einer dunklen Sonnenbrille. Am liebsten hätte ich sie gebeten die Brille abzusetzen, um ihr direkt in die Augen sehen zu können. Bei Frauen achte ich immer zuerst auf die Augen, denn sie können viel über den Menschen erzählen. Andere Männer achten ja eher auf die Brust oder den Hintern. Aber was sagt so ein Hintern schon aus? Nichts! Und eine Frau nur auf ihre Brüste zu reduzieren ist unhöflich. Da stellt sich höchstens die Frage: Operiert oder Natur!

Ein kurzer Blick, ok, den konnte ich mir nicht verkneifen, ließ mich stark vermuten, hier musste es sich um einen Naturbusen handeln. Ihr grüner Pullover, der fast senkrecht an ihr herunterhing, zeigte nur eine kleine Wölbung, vielmehr Zwei natürlich. "Natürlich!", dachte ich und achtete peinlich genau darauf, dass ich es nur dachte und nicht versehentlich zu mir sagte. Wäre mir peinlich gewesen. "Warum hadern sie mit sich?" Sie sah mich neugierig an. Jetzt gehöre ich nicht zu denjenigen Menschen, die anderen meine Probleme erzählen. Zumindest nicht fremden Frauen und dazu noch mitten auf der Straße, zwischen Drogeriemarkt und Brillenfachgeschäft. "Sie sind doch noch ein junger Mann. Sie haben ihr leben noch vor sich. Genießen sie doch lieber den schönen Tag, statt zu grübeln."

Ich lächelte sie an. "Danke für den "Jungen Mann"! Aber ich bin älter, als ich aussehe. Ich bin heute Fünfzig geworden!" Sie reichte mir ihre Hand. "Da gratuliere ich aber herzlichst." Sie strahlte über das ganze Gesicht. Dann nahm sie die Sonnenbrille ab und ich sah in ihre mandelbraunen Augen. "Das ist doch ein Grund zum feiern. Man wird nur einmal fünfzig!" Da hatte sie natürlich recht. Man wird nur einmal fünfzig. Man wird aber auch nur einmal neunundvierzig! Und neunundvierzig hört sich besser an als fünfzig. Mit neunundvierzig ist man noch jung, mit fünfzig ist man alt. Das kommt über Nacht. Man schläft mit neunundvierzig ein und wacht als alter Fünfziger auf und kommt kaum noch aus dem Bett. "Fünfzig ist kein Grund zum feiern.", stellte ich resigniert fest. "Das ist doch Blödsinn!", fuhr sie mich etwas an. "Ich bin dreiundsiebzig. Da müsste ich ja nur noch deprimiert durc

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