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Das Liebesgeheimnis Roman von Beauman, Sally (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.04.2015
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Das Liebesgeheimnis

Suffolk, 1967: Die junge Maisie lebt mit ihrer Familie im mittelalterlichen Kloster Wyken Abbey. Genauso wie das halb verfallene Gebäude voll dunkler Geheimnisse steckt, scheinen auch Maisies ältere Schwestern Julia und Finn etwas zu verheimlichen. Und welche Absichten verfolgen der exzentrische Maler Lucas und der faszinierende Außenseiter Daniel? In der Hitze der Sommertage knistert es vor Spannung zwischen den Bewohnern, doch nur Maisie ahnt, dass sich im Schatten der Abtei eine Katastrophe anbahnt, die ihr Leben für immer verändern wird ...

Sally Beauman, geboren 1944 im englischen Devon, studierte in Cambridge Englische Literaturwissenschaft. Nach ihrem Studium lebte sie drei Jahre in den USA und begann ihre Laufbahn als Journalistin. Sie arbeitete für viele angesehene Zeitschriften in England und Amerika, u. a. für die "New York Times", den "Daily Telegraph", den "Observer" und für "Vogue". Ihre Bücher sind international äußerst erfolgreich und in über zwanzig Sprachen übersetzt. Sie lebt mit ihrem Ehemann Alan Howard, einem bekannten Schauspieler der "Royal Shakespeare Company", in London und auf den Hebriden.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Erscheinungsdatum: 20.04.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641174446
    Verlag: Goldmann
    Größe: 800kBytes
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Das Liebesgeheimnis

1

Sommer-Maisie, 1967

B ei unserem ersten Aufenthalt in der Abtei regnete es fünf Tage lang von früh bis spät. Man hatte mich schon gewarnt, dass so etwas in England im Sommer und im Winter vorkommen kann, aber ich hatte es nicht glauben wollen. Jeden Morgen hockten wir stumm beim Frühstück. Großvater versteckte sich hinter seiner Zeitung, meine Schwestern blickten auf ihre Teller, und meine Mutter starrte Löcher in die Luft. Mich hatte man auf drei Kissen gesetzt, damit ich an mein Essen heranreichte. Die Welt vor dem Fenster war nass und todtraurig.

Damals waren die Lorbeersträucher am Haus noch unbeschnitten; sie schienen tiefschwarze Tränen zu weinen. Dahinter sah man eine Ecke des alten Klosters mit einem Wasserspeier, dem der Regen aus Mund und Augen schoss. Der Rasen war verwildert, und die Gräser ließen die Köpfe hängen wie eine Horde Büßer. Die Luft hier in England kam mir sonderbar dick und violett vor. Erbarmungslos fegte der Wind durch die Bäume; unter den Birken lagen abgerissene Gliedmaßen. Ich sah einen abgefallenen Arm, den Schenkelknochen eines Riesen und einen grässlichen knorrigen, von Efeublättern umwucherten Schädel mit zwei gewaltigen Augen. Ich wusste, dass sie beobachteten, wie diese ganze Trauer ins Haus sickerte. Sie betrachteten die Nässe, die an den Wänden entlangkroch, und zählten die Tropfen, die von der Decke fielen - in diesem Raum allein drei Eimer voll. Der Wind rumorte und heulte im Kamin, die Fenster klapperten. "Tja, Kinder", sagte Stella in diesem trockenen Tonfall, der nie Gutes verhieß, "heute können wir nicht spazieren gehen."

Fünf Tage lang machte sie diese Bemerkung jeden Morgen zur selben Zeit. Am sechsten Tag schloss sie sich in ihrem Zimmer ein. Wir versuchten es mit den üblichen Tricks: Blumen, Romane, Essen. Julia brachte ihr ein Tablett hinauf, Finn kam mit Büchern, ich pflückte mit Finns Hilfe im Nun Wood einen Strauß blaue Glockenblumen ( Hyacinthus nonscriptus). Am dritten Tag standen sie immer noch vor der Tür.

Inzwischen schien draußen die Sonne. Stella wollte sich nicht in dem großen Zimmer aufhalten, in dem früher Daddy und sie geschlafen hatten. Sie hatte sich in einer hässlichen kleinen Kammer auf dem Dachboden einquartiert, wo die Nonnen früher ihre Zellen gehabt hatten. In den dunklen engen Fluren dort oben roch es modrig. Das Wasser in dem Marmeladenglas war verdunstet, die Glockenblumen vertrocknet. Die Zigaretten, den Jack Daniels und die kleinen Sandwiches hatte sie nicht angerührt. Finn zählte die Bücher. Sie hatte sechs mitgebracht; Betty und ihre Schwestern, Mansfield Park, Jane Eyre, Der geheime Garten und Große Erwartungen lagen noch da, aber eines fehlte - ich glaube, es war Entführt. "Immerhin ein Fortschritt", meinte Finn und horchte an der Tür; kein Laut war zu hören. Die Luft in dem Haus ist eigenartig, wie du weißt, irgendwie schwer und lastend, was uns damals zu Anfang besonders auffiel, und so kam es uns vor, als belausche sie uns auch, während wir an der Tür lauschten. Es war ziemlich unheimlich.

Nach einer Weile meinte Finn, sie könne hören, wie Buchseiten umgeblättert würden. Erleichtert setzten wir unsere Erkundungstour fort. Wir streiften durch die Bibliothek, die damals noch staubiger und verfallener wirkte als heute. Großvater meinte, dort sei früher die Marienkapelle gewesen. Wo heute der Kamin ist, stand damals der Altar - wusstest du das? Wir probierten das berühmte Hagioskop aus, was erstaunlich gut funktionierte. Beim ersten Mal fanden wir noch nicht heraus, was so sonderbar daran ist. Dann sahen wir uns die Gärten, die Wälder, das Dorf, die Obstgärten, den Teich und den Black Ditch an ...

"Hast du die Buchseiten auch gehört?", unterbricht mich Lucas, als ich gerade in Fahrt komme. Mit gezücktem Stift schaut er von seinem Skizzenblock auf. Ich werfe einen ve

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