text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Das Mädchen mit dem Fisch von Skip, Leon (eBook)

  • Verlag: neobooks Self-Publishing
eBook (ePUB)
4,49 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Das Mädchen mit dem Fisch

ACHTUNG: Sämtliche Ähnlichkeiten mit einem allseits bekannten, mehrfach straffällig gewordenen Premier aus einem der südeuropäischen Länder sind rein zufällig und nicht beabsichtigt! Der egalienische Ex-Premier, Oligarch und Mediendiktator Mario Carponi wird von der selbstbewussten, jungen Architektin Nicoletta (NiNi) entführt. NiNi, die eine Baustelle neben dem Altersheim betreut, in dem Carponi seinen Sozialdienst anstelle einer vierjährigen Gefängnisstrafe ableisten darf, betäubt diesen und entführt ihn vom WC des Altersheims durch einen Mauerdurchbruch zwischen den zwei Gebäuden, schafft ihn in eine alte, abgewohnte Wohnung in einer angrenzenden Kleinstadt und setzt ihn dort fest. Carponi muss sich nun diverse Demütigungen durch seine Entführerin gefallen lassen. Zufällig ohrfeigt NiNi den Commendatore eines Tages mit einem Fisch und stellt diese Begegnung, so wie alle anderen auch, ins Netz. Schon am nächsten Tag ist die Kultfigur, das Mädchen mit dem Fisch, geboren, und NiNi greift nun regelmäßig zum Fisch. Egal, ob blauer Butterfisch, Makrele oder Hornhecht, im Namen des Volkes hinterlassen sie alle Spuren bzw. Schuppen in Carponis Gesicht und dieser muss nun - gezwungenermaßen - vor laufender Kamera Tag für Tag selbstkritisch seine Vergangenheit ausleuchten. Sid ist - auf einer Parallelebene - derjenige, der die Geschichte schreibt und natürlich projiziert der waschechte Narzisst die eine oder andere Macke auf NiNi und überträgt ihr auch die Verantwortung für die Rache des kleinen Mannes. ---

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 107
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783847619062
    Verlag: neobooks Self-Publishing
    Größe: 661 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Das Mädchen mit dem Fisch

Sashimi

Sid zog das Kabel aus der Kabeltrommel des Staubsaugers. Narzisst gut und schön, aber Messie war er nun wirklich keiner. Staubbüschel, die beim Öffnen einer Tür durch die Wohnung wirbelten, waren nicht sein Ding. Er steckte das Ding ein und begann zu saugen. Gerade beim Putzen wurde er oft an seine Neurose erinnert. Mit beiden Füßen genau auf der Mitte des Läufers im Vorzimmer, setzte er die Saugbürste auf, genau darauf achtend, dass der Läufer sich nicht durch das Saugen und die Bewegung verschob.

Das war etwas, das er nicht mochte.

Aber es war eines der kleineren Übel, die ihn plagten.

Das Handy vibrierte in seiner Hosentasche. Es war Nachmittag und dies zum Glück der erste Anruf an diesem Tag. Anrufe machten Sid generell nervös. Er liebte Textnachrichten, sprach aber nicht besonders gerne am Telefon. Da war immer die Vorstellung, dass über das Telefon mehr als nur die Stimme übertragen wurde. Beim Telefonieren fühlte er sich irgendwie nackt, obwohl er wusste, dass ihn keiner sehen konnte. Schließlich war er kein Idiot. Aber empfahl man nicht auch Personen, die in Heimarbeit Versicherungen verkauften, sich so zu kleiden, wie wenn sie den Kunden persönlich besuchen würden? Wurde nicht von Marketingexperten eindringlich empfohlen, dass man nicht nackt oder mit Gurkenmaske im Gesicht per Telefon völlig fremde Menschen als Kunden für DAS neue, revolutionäre Guarana-Extrakt keilen sollte?

Am Display stand Sashimi . Die einzige, die ihn wirklich kannte und, soweit er sich erinnern konnte, noch nie genervt hatte, also stellt er den Staubsauger ab und ging ran.

"He Süße, wie geht's? Lange nichts gehört."

"Stimmt. Ist eine Ewigkeit her, seit wir uns gestern gesehen haben."

"Ja, da kann schon einiges passieren, an so einem langen Tag."

"Ich wollt dich eigentlich nur was fragen."

Sid fläzte sich aufs Sofa. Man kennt das ja, wenn man mit ausgestreckten Beinen den Blick durch den Raum schweifen lässt, stolz darauf, wieder einmal einen kleinen Sieg gegen Lurch, Krümel und abgestorbene Hautzellen errungen zu haben, auch wenn man den Krieg gegen den Dreck nie gewinnen würde. Ordentlich war Sids Wohnung zwar noch nicht, aber guten Willen hatte er allemal bewiesen. Das war für ihn schon ein Anfang.

"Ich hab mir grad einen Horrorfilm angesehen."

"Mitten am frühen Nachmittag?"

"Ja, wieso nicht?"

Sie schwieg. Ihr Schweigen sollte wohl heißen: Wieso sollte ich mir nicht nachmittags einen Horrorfilm ansehen? Und irgendwie war ihr Schweigen berechtigt: Wer sagte denn, dass es nachmittags verboten ist, sich zu gruseln? Noch dazu für jemanden, der nachts arbeitete. Noch dazu in einer durch und durch gruseligen Existenz.

Dann fuhr sie fort:

"Also, ich denk mir, die sind da noch nicht auf den grünen Zweig gekommen mit dem Horror."

"Was meinst?"

"Denk mal nach! Maritimer Horror mit Riesenkraken, Piranhas, weißen Haien und so. Ist uns geläufig. Aus der Luft kennen wir Attacken von Viren, Mördervögeln, Heuschrecken und Killerbienen. Und Spinnen, Ameisen, menschenfressende Riesenwürmer. Schlangen, die aus Containern in Flugzeugen entweichen, um die Passagiere zu quälen, alles schon da, aber das war s doch noch lange nicht."

"Okay!?"

"Ja, ich meine, wenn schon Horror, dann doch so richtig. Aber das dürfen die wahrscheinlich gar nicht. Dass jeder normale neurotische Mensch Angst kriegt, sobald er bis zur Hüfte im Wasser steht, ist nach drei Folgen Weißer Hai scheinbar tolerierbar, aber stell dir mal vor, wenn die richtig zur Sache gehen würden. Ich denk da etwa an Horror im Haushalt. Hör zu! Wie wär s mit Toilette des Grauens ?

Erste Szene: Die ahnungslose Hausfrau geht im Morgenrock aufs Klo, während ihre Kinder beim Frühstück sitzen und ums Müsli streiten. Auch ein Hund ist dabei. Ein Labrador-Mischling. Im Hintergrund die offene Küchentür. Der Blick

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen