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Das Meer so nah Roman von Blum, Fiona (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.04.2018
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Das Meer so nah

Lucy S. Harper ist Lehrerin für Mathematik in Manchester. Sie lebt allein, liebt die Welt der Zahlen und verabscheut Überraschungen. Wie den Anruf, den sie eines Tages erhält: Eine ihr unbekannte Frau namens Maureen teilt ihr mit, dass ihr Vater im Sterben liegt und sie noch einmal sehen möchte. Zuerst glaubt Lucy an einen Irrtum, denn ihr Vater Peter ist wohlauf - von jenem George, der in Irland angeblich auf sie wartet, hat sie noch nie gehört. Doch als ihre Eltern äußerst seltsam reagieren, wird Lucy misstrauisch. Spontan beschließt sie, nach Irland aufzubrechen und der Sache auf den Grund zu gehen. Und damit beginnt das erste Abenteuer ihres Lebens ... Fiona Blum ist das Pseudonym der Schriftstellerin und Juristin Veronika Rusch. Sie hat Rechtswissenschaften und Italienisch in Passau und Rom studiert und mehrere Jahre als Anwältin gearbeitet. Heute lebt sie als Schriftstellerin mit ihrer Familie in einem alten Bauernhaus in Oberbayern. Für ihren Roman "Liebe auf drei Pfoten" erhielt sie den begehrten DELIA-Literaturpreis.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 23.04.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641220716
    Verlag: Goldmann
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Das Meer so nah

2

Maureen Mulligan entpuppte sich als eine rundliche Frau Ende fünfzig mit feuerrot gefärbten, krausen Haaren. Trotz des eher kühlen Wetters trug sie ein lila geblümtes Sommerkleid, dazu einen Regenmantel und grüne Gummistiefel. Als Lucy, noch etwas benommen vom Whiskey, mit ihrem Köfferchen in die Ankunftshalle trat und sich umsah, kam Maureen auf sie zugelaufen. "Skye?"

Lucy nickte zögernd. Der Name hatte noch immer diesen fremden, verheißungsvollen Klang, auch wenn er von einer Frau ausgesprochen wurde, die grüne Gummistiefel zum Kleid trug. Maureen musterte Lucy einen Moment lang von oben bis unten wie eine seltene Pflanze, dann wurde ihr Lächeln breiter, und sie drückte sie an ihre ausladende Brust. "Willkommen in Irland!"

Maureen war warm und ihre Umarmung kräftig. Lucy roch frische Luft und Holzrauch, vermischt mit etwas Süßlichem wie Vanille. Ihre Haare kitzelten Lucy im Gesicht. Sie spürte, wie Maureens Herz klopfte. Oder vielleicht war es auch das ihre. So genau ließ sich das nicht sagen. Als Maureen sie schließlich losließ, sahen sie sich ein wenig verlegen an. Maureen strich sich eine Locke aus dem geröteten Gesicht. "Entschuldige, aber das musste sein. Ich kann gar nicht glauben, dass du wirklich gekommen bist. Er hat oft von dir gesprochen, weißt du."

"Von mir ...?", fragte Lucy irritiert nach. "Aber wer ... woher ..."

Doch Maureen ging nicht darauf ein. Sie hatte schon nach Lucys Koffer gegriffen und war losgelaufen. "Es ist so furchtbar, dass er dich jetzt doch nicht mehr sehen konnte. Aber wenigstens konnten wir ihm noch sagen, dass du kommst." Sie drehte sich um und lächelte Lucy zu. "Er war so glücklich darüber."

Lucy lief neben ihr her. "Sie sprechen von ..."

"Von George. Deinem Vater. Er ist vor ein paar Stunden gestorben. Und er hat dabei gelächelt. Hat sich auf dich gefreut."

Lucy blieb stehen. "Das tut mir leid", sagte sie. Und obwohl sie den Mann nicht gekannt hatte, spürte sie, dass es die Wahrheit war. Es tat ihr leid. Aber nicht, weil sie seinetwegen trauerte, das wäre wohl auch zu viel verlangt gewesen, immerhin hatte sie an diesem Tag zum ersten Mal von diesem Menschen gehört. Nein, sie ärgerte sich. Sie spürte, wie die Wut über diese ganze sinnlose Aktion, über die absurde Vergeblichkeit dieser aberwitzigen Reise in ihr aufstieg. Sie stand hier, an diesem kleinen Flughafen am westlichsten Zipfel Europas, um einen Mann zu treffen, der behauptet hatte, ihr Vater zu sein, und bevor sie mit ihm sprechen konnte, war er einfach gestorben. Das war doch Slapstick. Nicht das richtige Leben.

Maureen deutete ihren Gefühlsaufruhr völlig falsch. Tränen in den Augen, tätschelte sie Lucy den Arm. "Ja, es ist so furchtbar traurig. Wir alle dachten, er würde noch ein paar Tage durchhalten. Geordie war ja ein zäher Knochen. Aber wenigstens kannst du ihm noch die letzte Ehre erweisen."

Sie wollte nicht. Wollte nicht mit Maureen Mulligan mitgehen, die so lächerlich und seltsam aussah, und sie wollte niemandem die letzte Ehre erweisen, den sie nicht gekannt hatte. Dennoch setzte sie sich gehorsam in Bewegung und folgte der geschäftig vorangehenden Frau, die trotz ihres nicht unerheblichen Körperumfangs und der unförmigen Gummistiefel recht schnell auf den Beinen war. Sie verließen den Flughafen und gingen zu einem dreckverspritzten Van, der schon bessere Zeiten gesehen hatte. Maureen's Cab & Haircutter stand in verschnörkelter, von Blumen umrankter Schrift auf den Türen, und auf dem Dach prangte eine schwarz-gelbe Taxibarke. Maureen packte Lucys Koffer in den Kofferraum und ließ sie einsteigen, und Lucy identifizierte sofort den Vanillegeruch, der Maureen umgab: Er stammte von einem gelben Duftbäumchen, das am Innenspiegel baumelte und das ganze Auto in eine künstlich-süße Duftwolke hüllte.

"Es dauert etwa eine Stunde bis Knocknabarra", sagte Maureen und startete das Auto. Lucy gab keine Antwort. Sie überlegte

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