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Das Messer im Jackett von Brüggentisch, Christoph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2016
  • Verlag: Scylla-Verlag
eBook (ePUB)
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Das Messer im Jackett

Die Kripobeamtin Dorothea Kost ist krankheitsbedingt zur Untätigkeit verdammt. Die freie Zeit verbringt sie notgedrungen mit dem Lesen von Krimis, mit depressiv angehauchter Langeweile oder als Kummerkasten für ihren neurotischen Exfreund. Dieser Zustand ändert sich schlagartig, als eine ehemalige Mitpatientin ermordet wird und Kost auf eigene Faust zu ermitteln beginnt. Der Fall führt sie in die Welt der Spitzengastronomie, in der sie sich mit Chefköchen, Restaurantkritikern und Weintrinkern herumschlagen muss. Dabei mag Kost am liebsten Frikadelle mit Kartoffelsalat.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 100
    Erscheinungsdatum: 01.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783945287255
    Verlag: Scylla-Verlag
    Größe: 335kBytes
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Das Messer im Jackett

Tag 1

Wenn der Tag anbricht, ist das Leben am schwersten. Die Illusionen der unbewussten Nacht sind verschwunden und die Realität hat das alte, kalte Gesicht. Kost kannte diese morgendliche Depression, ohne sie wirklich beachten zu wollen. Die Operation war jetzt schon elfeinhalb Monate her, aber wenn sie in den Spiegel an ihrem Kleiderschrank schaute, war es unvermeidbar, an diese erinnert zu werden. Tief ausgeschnittene Tops mit Spaghetti-Trägern konnte sie definitiv nicht mehr tragen. Dann schon eher hochgeschlossene Blusen und Rollkragenpullover. Was soll s, dachte sie, ich mach erst mal Kaffee. Also ging sie in ihre Küche, setzte Kaffeewasser auf, um dann im Bad für eine kurze Dusche zu verschwinden.

Der Kaffee war nicht übel, belebte, aber reizte wie immer in den letzten Wochen, den Magen. Zurzeit hatte Kost nicht viel zu tun, sie war für längere Zeit krankgeschrieben und so blieb ihr viel Raum, mit ihrem Schicksal zu hadern oder auch nicht. Vielleicht doch ein Brötchen aufbacken und zwei Scheiben Käse drauflegen. Das hilft in jedem Fall gegen den kaffeegereizten Verdauungsapparat.

Nach dem Ein-Brötchen-Frühstück widmete sie sich zunächst einmal ihrer Panetella Jeanne D Arc, Marke Hoyo de Monterrey. Ab und an rauchte sie ganz gerne eine milde Zigarre und seit der Beendigung ihrer Therapie auch schon mal zwei. Ihr Arzt war selbstverständlich entsetzt und riet ihr zu Anderem, vor allem zu gesunden Nahrungsmitteln und einer ausgewogenen Lebensweise. Ein Rat, der an ihrem Leben irgendwie vorbeiging. Etwas Vernünftiges zu Rauchen war ihr genauso wichtig wie die bodenständigen, ehrlichen und schmackhaften Spezialitäten aus der Region, die sie so mochte, seitdem ihre kölsche Großmutter diese in ihrer Jugend zubereitet hatte. Ab und zu eine schöne Portion angemachten Tatars mit rohem Ei, Himmel un Ääd oder die unkölsche Variante einer bergischen Waffel, darauf wollte Kost nicht verzichten, unwichtig wie lange ihr Leben noch dauerte. Nikotin- bzw. Fettanteil dieser Genüsse war ihr in diesem Zusammenhang völlig egal, unabhängig davon, was ihr Doktor davon hielt. Das Zigarrerauchen war schließlich auch ein Vermächtnis ihrer Oma, die mit dem Paffen begonnen hatte, nachdem ihr Mann im Krieg gefallen war und seiner Frau als einziges Erbe eine Kiste Stumpen hinterlassen hatte. Man ließ in diesen kargen Zeiten schließlich nichts verkommen und Kosts Vorfahrin verqualmte die Zigarren kurzerhand selbst. Kost hatte etwas von der rigorosen wie unkomplizierten Art ihrer Großmutter geerbt, da war sie sich sicher. Dummerweise aber auch den womöglich genetischen Hang zur Tumorbildung. Ihre heißgeliebte Oma war ebenfalls an Krebs erkrankt. Und so was überspringt ja schon mal eine Generation.

Im Bergischen Teil des Kölner Stadtanzeigers stand nichts Interessantes, die Abbildung des neuen Schützenkönigs gab einfach nicht viel her. Also griff Kost zu dem Buch, das sie gestern Abend zu lesen begonnen hatte, einem Krimi von Friedrich Ani. Sie liebte spannende Krimis, auch wenn die Realität einer Polizistin, wie sie eine war, sich nicht unbedingt deckungsgleich verhielt mit den erzählten Geschichten. Aber die guten Krimis des Genres waren ehrlicher als jede abstrakte philosophische Abhandlung. Denn der Philosoph sucht die Wahrheit, doch nur der Detektiv findet sie.

Montus hatte einen langen, angeregten Abend und eine schwere, schweißtreibende Nacht hinter sich. Im Vendange in Bensberg wurde seit einigen Jahren exzellent gekocht. Das hatte er gestern in Gesellschaft zweier Freunde wieder einmal bestätigt gefunden. Die Speisefolge war atemberaubend gewesen, nur konnte er sich im Moment nicht mehr so genau an sie erinnern. Zuviel Rotwein und Digestif. Danach war er irgendwie mit einem Taxi zurück nach Köln und in seine Wohnung gelangt. Hatte er eigentlich den Fahrer bezahlt? Musst

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