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Das rosa Haus am Meer Roman von Fülscher, Susanne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.05.2017
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Das rosa Haus am Meer

Rosa, eine resolute Dame und stolze Porzellanladenbesitzerin, staunt nicht schlecht, als ein Auto durch das Schaufenster ihres Ladens brettert. Fahrerin ist die junge arbeitslose Schauspielerin Paulina. Im Krankenhaus freunden sich die beiden an. Dann erbt Rosa ein Haus auf der italienischen Insel Procida und beschließt, mit Paulina dorthin zu reisen. Doch mit der Ruhe ist es bald vorbei: Paulinas Verehrer Fabio taucht auf. Als dann auch noch Rosas Tochter Charlotte und ein Liebhaber aus Rosas wilder Jugend vor der Tür stehen, wird es turbulent im rosa Haus am Meer. Und was niemand ahnt: Rosa hat ein Geheimnis ...

Susanne Fülscher, geboren 1961, widmete sich nach ihrem Germanistik- und Romanistikstudium sehr schnell dem Schreiben. Bisher sind von ihr um die 50 Romane und Kurzgeschichten für Jugendliche und Erwachsene erschienen, die mehrfach ausgezeichnet und in vielen Sprachen übersetzt wurden. Susanne Fülscher lebt als freie Schriftstellerin und Drehbuchautorin in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 02.05.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492965897
    Verlag: Piper Verlag
    Größe: 1916kBytes
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Das rosa Haus am Meer

1.

Rosa gab Gas.

Das Leben war kurz, und sie wollte nichts verpassen. Nicht die Krokusse, die überall in der Stadt aufgeblüht waren - eine Farbexplosion in Gelb, Weiß und Lila -, nicht die Menschen, die beschwingt durch die Straßen liefen, nicht mal die Fliege, die gerade an der Windschutzscheibe ihr Ende gefunden hatte. Platsch und weg. So gesehen kein schlechter Tod.

Die Ampel sprang auf Rot, Rosa stieg fluchend auf die Bremse und kam wenige Zentimeter hinter einem Mercedes mit verdunkelter Heckscheibe zum Stehen. Nur schemenhaft konnte sie erkennen, wie ein Stinkefinger in die Luft gereckt wurde. Solche Zeitgenossen konnte sie ja gut leiden! Kutschierten ihre schnittigen Wagen durch die Gegend und hatten alle Zeit der Welt, weil die Sekretärin, die sicher bloß ein schmales Gehalt bezog, sowieso die ganze Arbeit erledigte.

"Ja, du mich auch, du Depp!", blaffte sie das Tachometer an, das daraufhin erregt zitterte. Ungern wollte sie sich auf das Niveau des Fahrers herablassen und mit entsprechender Gestik antworten.

Die Ampel zeigte Grün, und Rosa fuhr etwas weniger rasant weiter. Sie hielt Verkehrsregeln generell für überbewertet, war jedoch nicht sonderlich versessen darauf, schon wieder geblitzt zu werden. Mit diesen grau-schwarz verschatteten Fotos konnte sie langsam ganze Alben füllen. Hinzu kamen mindestens drei bis vier Knöllchen pro Monat, weil sie es sich partout nicht abgewöhnen konnte, im Halteverbot zu parken. War ja auch so schön praktisch.

Ihr Blick fiel auf die Uhr an der Tramhaltestelle. Zwanzig nach neun, verflixt und zugenäht! Dabei hatte sie am Morgen gar nicht getrödelt. Nur ein paar Sonnengrüße auf dem Badevorleger geturnt, etwas Staub gewischt und die Wäsche zusammengelegt, ihren grau melierten Bob in Form gekämmt, geknetet und gesprayt, ein Tässchen Kaffee im Stehen getrunken, den neuen apfelgrünen Mantel übergestreift, dann war sie aus der Wohnung geflattert. Nicht mal ein Schnittchen mit Stachelbeermarmelade hatte sie gefrühstückt. Da musste sie eben gleich noch im Barista nebenan vorbeischauen und sich ein tramezzino einpacken lassen. Wie so oft in letzter Zeit. Allein der Gedanke daran ließ ihr Herz wie das eines verknallten Teenagers höher hüpfen. Ein Lächeln von Luigi - das fühlte sich an wie eine Frischzellenkur.

Es war bereits kurz nach halb zehn, als Rosa, einen Pappbecher mit Kaffee in der linken, ein Sandwich in der rechten Hand, die Straße entlang zu ihrem Geschäft eilte. Sie prüfte ihr Spiegelbild im Schaufenster des Ladens - die Frisur saß tadellos - und schloss auf. Sie liebte ihr kleines Porzellanparadies, und wie jeden Morgen führte ihr erster Gang in die Teeküche, um das Fenster aufzureißen. Ihren Mantel legte sie sorgsam über die Lehne eines Stuhls.

Charlotte würde sich wieder aufspulen. Mama, wie ziehst du dich bloß an? Du bist doch keine zwanzig mehr! Na und? Ein Hauch Jugend stand jeder Frau, und mit siebzig ja wohl erst recht. Unter der Erde, so hatte sie sich sagen lassen, gab es keine Shops mit schicken Sachen. Als Nächstes würde sie sich mintfarbene Chucks kaufen. So wie die junge Frau, die schräg gegenüber in der Boutique arbeitete und gerne mal vor der Tür einen Schokoriegel schnabulierte.

Milde Frühlingsluft strömte herein, und Rosa atmete tief durch. Eigentlich ging es ihr heute fabelhaft, es zwickte und zwackte nirgends, sie hatte einen Bärenhunger und freute sich auf alles, was der Tag so bringen würde.

Vielleicht kam ihre Tochter mal auf die Idee und meldete sich bei ihr. Alt genug war Charlotte ja mit ihren neununddreißig Jahren, um zum Hörer zu greifen. Aber gut, die Arme hatte immer so viel um die Ohren. Die Plackerei in der Konditorei, und dann war sie ja auch noch so eine Frau Ehrenamt. Sie kümmerte sich um Demente, um Kinder im Hospiz, sie tat hier, machte dort und war ständig in den Miesen.

Rosas Vormittage verliefen zumeist ruhig. Sie trank Kaffee,

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