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Das stille Kind Roman von Scheib, Asta (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.07.2014
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Das stille Kind

Das Leben beginnt jeden Tag neu Paulina und Lukas können ihr Glück nicht fassen. Ihr Traum vom Häuschen mit Garten mitten in München wurde für die fünfköpfige Familie endlich wahr. Das freut sie besonders für ihren mittleren Sohn, den vierjährigen David. Er ist anders als seine Geschwister, anders als die Kinder im Kindergarten. David spricht wenig, hat kaum Kontakte und braucht immer eine zwanghafte Ordnung um sich herum. Die ärztliche Diagnose Asperger-Syndrom, eine Art von Autismus, lässt die Eltern zunächst verzweifeln. Doch dann beschließen Paulina und Lukas, ihren Sohn aus seinem seelischen Gefängnis zu befreien. Asta Scheib, geboren in Bergneustadt im Rheinland, arbeitete als Redakteurin bei verschiedenen Zeitschriften. Sie gehört heute zu den bekanntesten deutschen Schriftstellerinnen und lebt mit ihrer Familie in München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 24.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423415392
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Größe: 1735 kBytes
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Das stille Kind

1

Lukas legte seinen Arm um Paulina und zog ihren Kopf sanft an seine Schulter. Paulina seufzte, tat so, als schliefe sie noch. Aber sie verriet sich, drängte sich an Lukas, und er spürte wieder die seidige Weichheit ihrer Haut, ihres warmen, geschmeidigen Körpers. Jetzt zog er sie fest an sich, grub seine Lippen in ihren Mund und suchte ihre Zunge, die ihm rasch entgegenkam. Paulina griff in Lukas' dichten Schopf, dann glitten ihre Finger über seinen Körper. "Verdammt schön, dass du mich so gut kennst", murmelte Lukas und schloss die Augen, seine Hand streichelte Paulinas Haar. Sie mussten leise sein. Paulina bewegte sich unter der Bettdecke an seinem Körper entlang, bedeckte ihn mit Küssen und liebkoste ihn, als wollte sie ihm ihren gesamten Vorrat an Liebe auf einmal schenken.

"Und du?", flüsterte Lukas Paulina später ins Ohr. Sie hatte sich noch mal an seine Schulter geschmiegt, lag still da und atmete mit ihm. Sie gab ihm noch einen flüchtigen Kuss, sagte: "Heute nicht", und stieg graziös aus dem Bett.

Lukas schaute ihr nach, sah die Schwimmerschultern, den festen Po und die langen Beine Paulinas im Bad verschwinden. Er versuchte, alles zu speichern, Paulinas Duft, ihren fast jungenhaften Körper an seinem – dann war es auch Zeit für ihn, aufzustehen. Es hatte sich so ergeben, dass er den Tee zubereitete und für jeden eine Schale Milch mit Flocken, Rosinen und Honig.

Als er in die Küche kam, sah er auf Cosimas Platz die Geburtstagsdekoration, die Paulina wohl gestern noch gemacht hatte, als er schon schlief. Seine Große wurde sechs Jahre alt. Er ging ins Kinderzimmer, setzte sich vorsichtig an ihr Bett und streichelte sie wach.

Sein Sohn David ließ sich nicht stören. Er hockte schon unterm Küchentisch und spielte selbstvergessen mit seinen Soldaten, die er in pingelig genauen Reihen aufmarschieren ließ. Wehe, einer fiel um. Niemand, auch nicht die Eltern, durfte an Davids Streitmacht etwas verändern. Er hatte die Soldaten von Granny bekommen. Die kleinen Figuren aus bunt bemaltem Zinn, etwa daumengroß, waren nach dem deutsch-französischen Krieg in Nürnberg hergestellt worden, denn sie trugen die Uniform des Garderegiments, schwarze Stiefel, weiße Hosen, blaue Jacke. Die französischen Soldaten waren an ihren roten Hosen zu erkennen. Lukas, Franziskas Enkelsohn, war nie an dieser Armee interessiert gewesen, die noch von seinem Urgroßvater stammte. Für David jedoch waren die Zinnsoldaten sein Ein und Alles.

Paulina hatte ihren Bademantel angezogen und stillte das Baby. Wie jedes Mal, wenn Lukas und sie sich am Morgen liebten, hatte sie ihren Kindern gegenüber ein schlechtes Gewissen. Als täte sie etwas Verbotenes. Sie hatte Angst, Cosima oder David könnten plötzlich ins Schlafzimmer kommen.

Sie sah mit einem kurzen Lächeln auf, aber ihre Aufmerksamkeit gehörte nicht mehr ihrem Mann. Lukas erlebte das nicht zum ersten Mal. Kein Gedanke an den letzten Augenblick, er war abgemeldet. Fast war er beleidigt, und er hätte das Paulina gern ein wenig spüren lassen, aber es war schon acht Uhr vorbei, er musste sich beeilen denn ausgerechnet heute sollte er einen Kollegen auf dem Waldfriedhof vertreten. Und vorher wollte er Cosima noch in den Kindergarten bringen.

Lukas legte kurz seine Wange an Paulinas Gesicht, küsste David und Mavie, nahm die fertig angezogene Cosima an der Hand und polterte die Treppe hinunter. Da erschien Paulina noch einmal am Treppenabsatz und rief ihm hinterher, dass er seinen Schal vergessen habe, es sei für den ganzen Tag Schneefall gemeldet. Sie warf den wollenen Schal runter ins Treppenhaus. Lukas fing ihn auf und sah, wie Paulina die Wohnungst&

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